Workshop
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13.02.2017

Equalizer im Stereo-Bus? Pro und Contra

Die wichtigsten Argumente für und gegen die Mix-Bearbeitung der Stereosumme

Workshop: Master-Channel-Mix unter der Lupe – Teil 2

Puristen drehen angewidert den Kopf weg, Mastering-Gurus schreien auf! Was ist passiert? Der Mixing-Engineer hat die Stereosumme seiner Abmischung mit einem Equalizer bearbeitet. Aber wo genau liegt eigentlich das Problem? Welche Gefahren lauern dabei? Und wie könnt ihr sie umgehen? In dieser Folge möchte ich Euch kurz die wichtigsten Argumente, Probleme und Lösungen für den Einsatz von Equalizern im Master-Bus vorstellen. Denn auch wenn Equalizer auf den ersten Blick problemloser in der Stereosumme eingesetzt werden können als Kompressoren, gibt es doch einiges zu beachten.

EQ in der Stereosumme: Die Lage

Ist der Mix erst eingerichtet, sind alle Pegelverhältnisse, Stereoverteilungen und dergleichen wie gewünscht, kann es für das Gesamtbild problematisch sein, hier und da an den Frequenzbildern einzelner Kanäle zu arbeiten. Zumal in einigen Mix-Situationen auf vielen Kanälen ein bestimmter Frequenzanteil angehoben oder abgesenkt werden müsste. Das ist extrem unpraktisch und spricht für den Einsatz eines Equalizers im Master-Bus, der diese Arbeit sozusagen „global“ über alle Spuren hinweg erledigen kann.

Eines der überzeugendsten Argumente für den Einsatz eines Master-EQs geht Hand in Hand mit dem besten Argument, das auch für Kompressoren an selbiger Stelle gilt: Möchtet Ihr als Mixing-Engineers ein weitgehend „fertiges“ Produkt hören, hilft euch ein Summen-Equalizer einzuschätzen, wie nah ihr tatsächlich mit eurer Abmischung an euren Referenzproduktionen seid.

EQ in der Stereosumme: Das Problem

Ganz so einfach ist es allerdings nicht. Arbeitet Ihr ganz professionell mit einem Mastering-Engineer zusammen, solltet ihr anfragen, wie weit ihr mit dem Einsatz des Seummen-EQs gehen dürft, bevor er Schwierigkeiten bei der Frequenzanpassung des Materials bekommt. Sofern Ihr euch in Bereichen von wenigen Dezibel Anhebung und Absenkung bewegt, sollte das für ihn in der Regel aber völlig unproblematisch sein und er kann zum Tagesgeschäft übergehen.

Unabhängig davon kann auch die Position des Equalizers in der Kette der Insert-Effekte zum Problem werden. Setzt Ihr den EQ etwa vor dem Bus-Kompressor ein, kann sich das Frequenzbild je nach verwendetem Kompressor durch die von ihm verursachten Dynamikveränderungen und Klangeinflüsse gravierend verändern.

Und wie für Kompressoren so gilt auch für Equalizer, dass verschiedene Geräte oder Plug-ins verschieden klingen. Hier lohnt es sich, wenn ihr euch mit den verschiedenen Klassikern vertraut macht und den Equalizer eurer Wahl gezielt aussucht. Beispielsweise die Emulation eines Vintage-Geräts, um zusätzlich für mehr klangliche Wärme zu sorgen. Oder doch lieber eine „chirurgisch“ arbeitende Variante, mit möglichst wenig eigenem Klangcharakter? Diese Wahl könnt nur ihr selbst treffen, denn ihr wisst am besten, welche Vision ihr von eurem Mix habt.

EQ in der Stereosumme: Praxis-Tipp

Für die Praxis habe ich gleich mehrere Tipps für euch. Zunächst mal solltet ihr unbedingt mit einem Spectrum-Analyzer arbeiten, der es euch ermöglicht, das Frequenzbild eurer Mixes mit demjenigen von ausgewählten Referenzproduktionen zu vergleichen. Ein gutes Plug-in, das Analyzer und Equalizer kombiniert, ist beispielweise der Voxengo Curve EQ. Mit ihm könnt ihr die Frequenzkurven von Referenztracks zusammen mit derjenigen eures eigenen Mixes in einem einzigen Plug-in vergleichen und sogar abspeichern. Darüberhinaus hat er sogar eine Funktion für EQ-Matching. Damit könnt ihr die Frequenzkurven anderer Songs gewissermaßen über eure eigenen Abmischungen „drüberstulpen“. Auch wenn dieses Feature nicht per Holzhammer-Methode zum Profi-Sound führt, kann es doch zur Frequenzanalyse sehr hilfreich sein. Das Plug-in verschafft Euch jedenfalls einen komfortablen Einstieg in die Frequenzanalyse eurer Mixes.

Und zu guter Letzt dürfen hier selbstverständlich auch nicht ein, zwei Anhaltspunkte für die Frequenzauswahl fehlen. Denn auch wenn jeder Mix einzigartig ist und ihr bei der Klangbearbeitung des Stereo-Busses mit Presets definitiv nicht weiterkommt, gibt es doch einige Frequenzbereiche, die zu den üblichen Verdächtigen zählen. So könnt ihr etwa auf den Bereich unterhalb von 60 Hz hören (oder im Analyzer schauen). Selbst wenn ihr bei den einzelnen Spuren im Bassbereich für extrem saubere Signalanteile gesorgt habt, kommt hier in der Summe meist doch noch einiges mehr zusammen als euch als Mixing-Engineer lieb ist. Das wird häufig vor allem im Vergleich mit Referenzproduktionen deutlich. Wenn ihr hier mit einem sanften Roll-Off von 6-12 dB/Oct arbeitet, macht ihr in der Regel nichts falsch und befreit euren Mix von Rumpeln und Dröhnen.

Ein weiterer Frequenzbereich, den ihr euch gezielt vornehmen könnt, ist das Top-End. Möchtet ihr mehr Schimmer und Offenheit hinzufügen, könnt ihr probieren, mit einem Shelf-EQ 1-2 dB oberhalb von 10 bis 12 kHz hinzuzugeben. Arbeitet Ihr ausschließlich digital in der DAW und eventuell noch dazu mit vielen Instrumenten, die aggressive Höhen produzieren (bspw. Synthesizer), kann gegebenenfalls auch ein Roll-Off der Höhen sinnvoll sein. Hier dürft ihr beherzter zur Sache gehen als im Bass und ruhig auch steilere Filter-Flanken ausprobieren. Denn je nach Audiomaterial möchtet ihr das High-Cut-Filter vielleicht erst oberhalb von 15 kHz einsetzen, aber es bis 20 kHz voll durchgreifen lassen.

EQ auf dem Main Bus: Welche Summen-Equalizer sind gerade angesagt?

Eine gute Wahl für die Frequenzbearbeitung im Master-Bus ist der Pultec EQP-1A. Dieser Klassiker unter den Vintage-Equalizern ist mittlerweile in vielen verschiedenen Ausführungen von diversen Herstellern als Plug-in zu haben. Er hat den Ruf, besonders „smooth“ zu klingen und kann einem Mix mühelos Wumms und Schimmer verleihen. Ein weiteres angesagtes Plug-in, um den gewissen Vintage-Sound zu erzielen, ist die Emulation des Chandler Limited Curve Bender Mastering EQ von UAD. Ein klanglich unauffällig arbeitendes Freeware-Equalizer-Plugin findet ihr dagegen im whiteLABEL TENQ.

Wie steht es bisher um eure eigenen Mixes? Welche Equalizer setzt ihr im Mix-Bus ein? Was gefällt euch daran? Wo genau platziert ihr sie in der Kette der Insert-Effekte?

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