Gitarre Hersteller_Epiphone
Test
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03.09.2020

Praxis

Sound und Bespielbarkeit

Was mich sofort beeindruckt hat, ist das angenehme Gewicht der Gitarre, das durch die sogenannten Tone Chambers und die schmalere Bauweise des Korpus ermöglicht wird. Die Bespielbarkeit ist insgesamt gut, wobei einige Bünde nicht perfekt poliert wurden, was sich teilweise mit einem leicht kratzenden Gefühl beim Fingervibrato bemerkbar macht. Ein weiterer Minuspunkt ist das extreme Abfärben des Griffbrettes, das ich in diesem Maße noch bei keiner Testgitarre hatte. Erst nachdem ich es mehrmals mit Griffbrettöl gereinigt hatte, wurden meine Fingerkuppen während des Spielens nicht mehr schwarz. Ebenfalls ärgerlich: Beim Einspielen der Audios sind mir insgesamt fünf hohe E-Saiten auf dem Steg gerissen, da ein winziger Grat am Böckchen den Saiten den Garaus machte. Primärklang und Sustain würde ich als gesundes Mittelmaß beschreiben, beides wird von den Epiphone Alnico Classic Pro Humbuckern mit mittlerer Ausgangsleistung gut in Szene gesetzt. Man hat es hier aber nicht mit einer Metallklampfe, sondern mit einer vielseitigen Blues/Classic-Rockgitarre zu tun. Dementsprechend kommt man mit klassischen Röhrenamps a la Vox, Fender, Marshall und Hiwatt zu guten Ergebnissen. Die Splitsounds klingen besonders im cleanen Bereich vergleichsweise dünn und leicht glasig, sodass man die Einstellungen am Amp im Grunde genommen komplett verändern müsste, um beide Sounds live anwenden zu können.

Die Gitarre bietet insgesamt folgende 12 Pickupeinstellungen:

1. Bridge HB
2. Bridge SC
3. Bridge & Neck HB
4. Bridge & Neck SC
5. Bridge SC & Neck HB
6. Bridge HB & Neck SC
7. Bridge & Neck HB (Out Of Phase)
8. Bridge &Neck SC (Out Of Phase)
9. Bridge SC & Neck HB (Out Of Phase)
10. Bridge HB & Neck SC (Out Of Phase)
11. Neck HB
12. Neck SC

Im Rahmen dieses Tests habe ich die Varianten 5, 6, 9 und 10 weggelassen, weil diese Einstellungen nur sehr leichte Klangveränderungen bringen. Kommen wir zu den cleanen Sounds. Der verwendete Amp ist ein Marshall JMP 100 Watt ohne Mastervolumen. Das Teil ist also ein ziemliches Cleanmonster, das erst dann mit seiner Endstufe zu zerren beginnt, wenn die Wände wackeln. Hier der Bridge Pickup zuerst im Humbucker-, und danach im Singlecoilmodus.

Die bei einigen Oberklasse-Les-Pauls entfernte Verwandtschaft zur Telecaster kommt hier in der Zwischenstellung leider kaum zum Vorschein, obwohl die Gitarre einen gewissen Twäng bietet. Trotzdem bleibt der Ton klar und transparent. 

Wenn man die Phase des Halspickups dreht, kommt es zu den typischen Auslöschungen. Dabei verliert der Ton an Substanz, was aber ganz normal ist. Aktiviert man jetzt allerdings noch den Singlecoilmodus, kommt im Gegensatz zur Humbuckereinstellung nur noch sehr wenig Signal aus dem Gitarrenamp, wodurch man im Bandkontext klanglich sehr schnell von der Bildfläche verschwindet. 

Der Halspickup kann sich im Humbuckermodus wirklich sehen lassen. Der Anschlag kommt knackig aus der Gitarrenbox und ist weder zu dunkel, noch im Obertonbereich zu aufdringlich. 

Kommen wir zum High-Gain-Sound. Auch hier kommt wieder mein guter alter Marshall JMP aus den 70ern zum Einsatz. Die Verzerrung kommt vom Vahlbruch Kaluna Röhrenverzerrer. Als Box steht eine alte Marshall 1960 bereit, die mit vier Celestion Greenbacks bestückt ist, die je 25 Watt Leistung bringen. Eine Kombination von SM57 und Neumann U87 überträgt den Sound über ein UAD Apollo Audiointerface in den Rechner. Hier der Bridgepickup zuerst in der Humbuckereinstellung und im zweiten Soundbeispiel im Splitmodus. 

Die Kombination beider Pickups in Verbindung mit High Gain ist zwar nicht besonders populär, aber ich möchte euch den Sound trotzdem nicht vorenthalten. Auch in dieser Einstellung bleibt der Klang dank der guten Saitentrennung offen. Dadurch kann man mit viel Verzerrung nicht nur gut solieren, sondern auch Akkorde spielen, wobei die Intervalle gut durchscheinen.

Die Out-Of-Phase-Schaltung kommt mit viel Verzerrung richtig zur Geltung, wobei mir auch hier die Humbuckereinstellung am besten gefällt, weil es für meinen Geschmack im Singlecoilmodus einfach zu spitz klingt. Der Sound eignet sich gut für abgefahrene Soli. Mit einem Treblebooster auf Germaniumbasis bekommt man hier auch Brian-May-artige Klänge hin. 

Der Halspickup gefällt mir mit viel Verzerrung am besten, denn er bringt einen guten Mix zwischen sahniger Tiefe und einem knackigen Anschlag. Die leicht statische Wiedergabe im cleanen Bereich erweist sich hier als Garant für eine gute Saitentrennung und einen stabilen Ton, egal, wie viel Gain man verwendet. 

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