Keyboards
Test
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08.01.2019

Praxis

Bedienung und Klang

Das Blck_Noir klingt nicht nur sehr gut und einzigartig, sondern ist auch außergewöhnlich praxisbezogen gestaltet. Die fünf Kanäle, auf welche die sieben Stimmen zusammengefasst sind, bieten alle unterschiedliche Lautstärken.

Am Anfang habe ich mich gewundert, warum z. B. die Kick Drum wesentlich lauter ist, als die Hi-Hats. Hier habe ich aber schnell festgestellt, dass, wenn sich alle Lautstärkeregler auf derselben Position befinden, man automatisch eine stimmige Mischung und somit ein ausgewogenes Klangbild erhält.

Bei elektronischer Musik wird die Kick Drum normalerweise immer lauter gepegelt, als Klänge mit hohen Frequenzen wie z. B. Hi-Hats oder Cymbals. Bei allen anderen Modulen sind immer alle Klänge auf die gleiche Lautstärke eingestellt und somit hat man zwangsläufig den Regler für die Hi-Hats immer sehr gering eingestellt und die Kick Drum fast auf Anschlag. Die angepassten Lautstärken der einzelnen Kanäle sind ein sehr musikalischer Ansatz und erleichtern nicht nur das Spielen in einer Live-Situation, sondern bieten auch mehr Spielraum beim Einstellen der verschiedenen Sounds.

Ist die Kick Drum schon die ganze Zeit auf Anschlag, kann man sie eben nicht mal kurz lauter machen. Sind die Hi-Hats immer sehr niedrig justiert, dann verwendet man in der Regel nur einen kleinen Teil des kompletten Regelwegs des Potis. Dieser musikalische Ansatz setzt sich im ganzen Modul fort. Die Kick Drum ist schon laut, dreht man dann das Poti über die 2-Uhr-Stellung, so fängt es an angenehm zu verzerren. Die anderen Sounds zerren nicht. Hier merkt man nicht nur, dass die Entwickler selbst Musik machen, sondern sich dazu viele Gedanken gemacht haben, wie man Live-Einsätze besser gestaltet. Beim Blck_Noir hat man das Gefühl, dass einen das Modul immer unterstützt. Hier kann sich so mancher andere Hersteller mal ein Beispiel nehmen.

Des Weiteren sind die fünf Kanäle nach Frequenzen sortiert. Auch das habe ich so noch bei keinem anderen Drum-Synthesizer gesehen. Das Blck_Noir stellt daher nicht unbedingt alle gewünschten Drum-Sounds zur Verfügung, denn hier fehlen z. B. Toms, Congas oder Bells. Aber die vorhandenen Drum-Stimmen funktionieren sehr gut und sind durchaus ausreichend, um komplette Beats damit zu erstellen. Da die einzelnen Kanäle nach Frequenzen sortiert sind, ist es sehr einfach, schnell passende Klänge zu erstellen, die sich gut in eine Mischung mit vielen anderen Klängen einfügen.

Zu Beginn irritierten mich die Metal Beat- und Cymbal-Klänge ein wenig, denn diese liegen ganz am Ende des Frequenzbereichs und klingen sehr hochfrequent. Beim Spielen selbst stellt sich diese Eigenart jedoch als sehr praktisch heraus, denn diese Sounds fügen sich mit ihrem Hochfrequenzanteil sehr gut in bereits recht volle Mischungen ein. Obwohl die metallischen Sounds sehr brillant klingen, spuckt das Blck_Noir eigentlich nichts aus, was sich über 10 kHz befindet. Das liegt anscheinend an den verwendeten Induktionsspulen.

Die vielen CV-Eingänge und Einzelausgänge mit AUX-Eingang bieten viele Möglichkeiten und so hinterlässt das Blck_Noir auch mit anderen Modulen oder Gitarren- Pedalen einen sehr guten Eindruck. Durch den integrierten Effektprozessor funktioniert es jedoch auch bestens autark. So machen Drums im Modularsystem wirklich Sinn.

Mit dem Blck_Noir hat man einen guten Ausgangspunkt für eine Drum-Maschine und kann sich diese mit dem Sequenzer seiner Wahl und zusätzlichen weiteren Stimmen kombinieren, um mit relativ wenig Platz und Geld, eine für sich perfekte modulare Drum-Maschine zu bauen.

Im Gegensatz dazu, sich jede Stimme einer Drum-Maschine als einzelnes Modul zu kaufen, einen Haufen Geld auszugeben, um im Endeffekt dann eine aufgebohrte 808 oder 909 zu erhalten. Im Unterschied zu Sample-Modulen erlaubt die Arbeit mit dem Blck_Noir echte Improvisation, denn hier lassen sich schnell und intuitiv interessante Beats erzeugen, ohne vorher Samples vorbereiten zu müssen.

Allein der digitale Filter stellt einen kleinen Minuspunkt in diesem ansonsten hervorragenden Modul dar. Obwohl dieser Filter wirklich sehr gut klingt, stellt sich die Frage, ob man denn so viel Platz in diesem Drum-Synthesizer für ein Filter opfern sollte. Es gibt unzählige Filter in der Eurorackwelt und diese Aufgabe könnte man auch mit einem weiteren Modul lösen. Ein paar Parameter mehr zur Klanggestaltung wären hier sinnvoller gewesen, als nur zwei zur gleichzeitigen Kontrolle von fünf Stimmen. Das kann man sich nämlich nicht mit einem weiteren Modul dazukaufen.

Gerade ein komplexer digitaler Filter sollte auch einige Vorteile zu einem analogen Filter bieten. Bei höheren Resonanzeinstellungen erscheinen recht hohe Lautstärkeunterschiede, was beim Live-Einsatz ungünstig ist. Hier muss man schon ziemlich aufpassen. Des Weiteren ist es schwierig, den Cutoff genau in die Mitte zu justieren, sodass der Gesamtklang des Moduls nicht beeinflusst wird. Gerade für einen Filter im DJ-Stil sollte es hier schnell und einfach möglich sein in die Neutralstellung zurückzukommen. Diese Punkte könnten gerade bei einem digitalen Filter besser gelöst sein.

Endorphin.es Blck_Noir Sound Demo (no talking)

Endorphin.es Blck_Noir Test (no talking) Video-Demo des Autors

(Video: Igor Sabara)

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