Test
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11.07.2011

PRAXIS

Die Machinedrum bietet grundlegend drei Funktionen: Sequencer, Synthesizer und Effekt-Sektion. Da der Sequencer meiner Einschätzung nach das genialste Feature ist, möchte ich mit diesem auch gleich anfangen.

SEQUENCER-SEKTION

Der Sequencer bietet 16 Tracks mit bis zu 64 Steps. Er lässt sich entweder traditionell im Lauflicht-Modus programmieren oder aber in Echtzeit mit den 16 unteren, leider nicht anschlagempfindlichen Vielzweck-Buttons „triggern“. Deshalb bietet die Machinedrum auch zwei verschiedene Aufnahmemodi, wie wir im Video noch sehen werden.

Zwischen den Slots bzw. Tracks kann mit dem großen Drehrad gewechselt werden, welches haptisch ein Genuss ist und den Wechsel zwischen den vielen einzelnen Tracks im Nu zulässt.

In jedem Track kann ein monophoner Sound geladen werden, sei es nun ein RAM/ROM-Sample (UW-Version), eine der vielfältigen Synth-Engines oder aber einfach nur eine MIDI-Note. Das Programmieren von Melodien mit verschiedenen Notenhöhen ist indessen nicht direkt vorgesehen, deswegen spricht man auch vom Synthetic-Percussion-Sequencer (SPS). Wer Noten eingeben möchte, der sollte sich einmal die Elektron Monomachine anschauen.

Die beiden Aufnahmemodi der Machinedrum zur Erstellung von Patterns.

Die so erstellten Pattern in acht Bank Groups (A-F) mit jeweils 16 Speicherplätzen organisiert. Macht 128 Pattern à 64 Steps. Nicht schlecht, zumal diese 128 Pattern (und noch viel mehr) mit dem +Drive in einem Snapshot organisiert werden können, wovon sich wiederum 128 verwalten lassen. Alle Achtung!

Selbstredend verfügt die Drummachine, pardon Machinedrum, natürlich auch über einen Mute-Mode, in dem mit den unteren 16 Vielzweck-Tastern, die korrespondierenden 16 Tracks höchst unkompliziert an- und ausgeschaltet werden können.

Natürlich lassen sich einzelne Pattern auch verknüpfen, wodurch diese in einer Endlosschleife alternierend wiederholt werden. Dies ist zwar nur innerhalb einer Bank Group möglich, dafür aber mit bis zu 16 Pattern in Folge.

Der Sequencer bietet natürlich auch die üblichen Verdächtigen wie Song-Mode, Swing, Accent und Slide. So, fürs Erste haben wir uns genug über den Sequencer unterhalten. Springen wir jetzt mal in die Synthesizer-Sektion.

SYNTHESIZER-SEKTION
In jeden der 16 Tracks bzw. Slots können unterschiedlichste Engines geladen und gleichzeitig wiedergegeben werden. Eine Engine ist ein Algorithmus mit jeweils acht Parametern („Synthesis“). Je nach Engine-Gruppe unterscheiden sich diese Parameter teilweise drastisch voneinander, da unterschiedlichste Synthese- bzw. Sample-Philosophien verfolgt werden bzw. manchmal auch einfach nur MIDI-Daten Verwendung finden. Innerhalb einer Engine-Gruppe gibt es aber auch vielerlei Specials, wobei man sich hier aber eher an der ästhetischen Unterscheidung orientiert.

Hier eine kleine Übersicht:

HAUPTGRUPPE - Prinzip: UNTERGRUPPEN bzw. Hinweise

  • GND - Grundschwingungsformen Sinus, Noise, Impulse: --, SN, NS, IM
  • TRX - Old School orientierte Parameter à la Roland: BD, SD, XT, CP, RS, CB, CH, OH, CY, MA, CL, XC, B2
  • EFM - Enhanced Feedback Modulation: BD, SD, XT, CP, RS, CB, HH, CY
  • E12 - Sample-orientierte Synthese:  BD, SD, HT, LT, CP, RS, CB, CH, OH, RC, CC, BR, TA, TR, SH, BC
  • P-I - Physical-Modeling für pseudo-akustische Drums: BD, SD, MT, ML, HA, RS, RC, CC, HH
  • INP - Die physikalischen Inputs un ihre Effekte : Gate, Filter Follower, Envevolpe 
  • MID - MIDI-Noten zur Steuerung anderer Synthesizer und Co.: 16 MIDI Kanäle = 16 MIDI Machines
  • CTR - Ctr-All: Ermöglicht die Steuerung aller 16 Tracks mit einem Track
  • ROM - 48 Speicher Plätze für 48 mögliche Samples pro Snapshot - UW only!
  • RAM - 4 Slots - UW only!

Zusätzlich zu den acht individuellen Parametern einer Engine kommen in jedem Track nochmals acht Parameter zur Steuerung der „Effects“-Sektion sowie weitere acht Parameter zur Steuerung der „Routing“-Sektion hinzu, die streng genommen eigentlich auch nur eine weitere Effekt-Seite ist. Umgeschaltet wird zwischen allen Dreien mit dem unter den acht Push-Encodern liegenden und mit LFO beschrifteten Umschalter.

Je nach LED-Ampel dienen die acht physischen Push-Encoder dann der Steuerung der entsprechend im Display angezeigten acht Parameter. Die Beschriftung ist dabei eher kryptisch, aber ausreichend.

Effects besteht aus einem Amplitude-Modulator, einem 1-Band-EQ, einem Filter (Filterfrequenz, Filterbandweite, Filtergüte) und einer Samplerate-Reduction. Routing hingegen beherbergt die Sendanteile für das Master-Reverb und das Master-Delay sowie die Panorama-, Lautstärke- und Distortion-Regelung. Die wichtigsten LFO-Einstellungen finden sich auch hier.

Die verschiedenen Engines im Detail

Besonders lässig: Dreht man die Multifunktions-Encoder und stellt man die Werte sehr langsam und fein ein, so braucht man für einen vollen 128-Steps „Rundumschlag“ fünf Umdrehungen. Dreht man die Encoder jedoch, während man „reindrückt“, vollführt man den vollen Sprung über nur eine Umdrehung.

Und da diese Funktion für ein Video allein viel zu langweilig gewesen wäre, möchte ich an dieser Stelle schon den schönsten Verschmelzungspunkt zwischen Sequencer und Synthesizer zeigen: Parameter-Lock: Das bedeutet, dass pro Step unterschiedlichste Parameterstände aufgezeichnet werden können – entweder wieder live oder aber pro Step, kleinlichst genau. So lassen sich mit einigen Engines bei vorhandenem Pitch-Parameter bedingt auch Melodien programmieren oder aber eben auch nur mal ein "Noise-Burst".

Encoder-Auflösung (gedrück / nicht-gedrückt ), Noise Burst mit Paramter-Lock

Eine Besonderheit der UW-Version sind die ROM- und RAM-Engines, welche die Resynthese und das Abfeuern von Samples ermöglichen. Hierzu können mittels eines kleinen Extraprogramms auch eigene Samples auf die Machinedrum kopiert werden, das allerdings nur via MIDI. Das mitgelieferte Turbo-MIDI-Interface beschleunigt den Vorgang zwar enorm, der Speicherplatz ist aber mit gerade einmal 2,5 MB dennoch gering, also mehr für Wavetables anstatt für ellenlange Loops geeignet.

ROM/RAM und SNAPSHOT LADEN GGFS. MIDI

Mittels +Drive werden über eine Snapshot-Load-Funktion jedoch auch die 48 ROM Plätze der ROM-Engine neu geladen, sodass hier nochmals neue Samples in den kleine Speicher geschubst werden können. Allerdings nur mit Ladezeiten. Für die Kits innerhalb eines Snapshots gilt das natürlich nicht. Hier kann auf Tastendruck ein ganzes Soundset latenzfrei geladen werden: Total Recall mit 64 Kit-Speicherplätzen! Die Classic/Extended-Mode Umschaltung ermöglicht die Entkoppelung der Kit-Sounds von der Pattern-Umschaltung. Will heißen: Bei Extended wird jedem Pattern ein Kit zugeordnet, und somit kann sich beim Patternwechsel der komplette Sound ändern. Im Classic Mode ändert sich der Sound beim Patternwechsel indes nicht. Best of both worlds, sozusagen.

Man kann sich die Organisation auch folgendermaßen vorstellen: Ein Snapshot ist ein komplettes Speicherabbild, das alle Kits (Soundeinstellungen), Samples (Wavedateien), Pattern und Songs (Rhythmusstrukturen) beinhaltet und sie über das +Drive Feature etwas umständlich in die Machinedrum zur Nutzung lädt. Es geht auch ohne Speichererweiterung, sprich Snapshot-Speicher. Prinzipiell ist das +Drive aber schon eine feine Sache, sodass man sich dieses kleine Extra ruhig gönnen sollte, wenn der Taler etwas lockerer sitzt.

Elektron liefert auch einige Genre-typische Snapshots mit, allerdings darf man nicht mehr als vier gefüllte Pattern und entsprechende Sample-Sätze erwarten. Es bleibt also genug Platz für eigene Ideen. Anhand der Demosongs sieht man zwar, dass es prinzipiell möglich ist, dichtere Arrangements zu fahren, allerdings wäre mir das in der Praxis bei dem begrenzten Speicherplatz und dem Flaschenhals "MIDI-Datasync" doch ein wenig zu nervig. Die Auswahl an mitgelieferten Samples ist zwar nicht mit Giganten wie NI Battery vergleichbar, aber als Rohmaterial für eigene Kreationen sicherlich dienlich.

Wenn man sich jedoch einmal die Mühe macht und liebevoll ein paar eigene Sample-Highlights zusammen sucht, wird man sich an diesem Feature sicherlich zu erfreuen wissen, ein wenig Vorarbeit vorausgesetzt. Einen Ersatz für den MPC-Chop-Shop darf man aber nicht erwarten.

Ansonsten kann man aber auch mit dem RAM-Engines Spaß haben, die flüchtigen Sample-Speicher bieten und die Machinedrum so dank ihrer Audioeingänge auch zum Effektgerät werden lassen! Bitte einmal den Turntable anschliessen und die LFOs bemühen!

Die Machinedrum bietet auch interne Effekte wie Compressor, EQ, Delay und Reverb. Man darf diese Effekte gern als Kreativspielereien betrachten, richtig edel wird es m.E. nach wie vor nur mit edlem Outboard und reichlich Subgruppen! Frei zuweisbare Ausgänge gibt es an der Machinedrum ja nun wahrlich genug!

Minimal mit onboad-Effekten

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