Test
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29.09.2019

Praxis

Keine Spaßbox

Sofort wird deutlich: Die Dynaudio Core 7 ist keine Spaßbox, sondern verrichtet unaufgeregt, sachlich und professionell ihr Tageswerk. Und das ist wörtlich zu nehmen: Auch wenn sich ein kompletter Arbeitstag dem Ende neigt, sind es nicht die Monitore, die haben ermüden lassen. Den Core 7 gelingt die Balance zwischen Nicht-auf-die-Nerven-gehen, aber trotzdem nicht zu lasch und weich mit Präsenzen und Schärfen umzugehen. Besonders dort, wo gesprochene Sprache im Vordergrund steht, ist das eine wichtige Aussage.

Insgesamt arbeitet der Lautsprecher schön verzerrungs- und verfärbungsfrei. Als winzig kleiner Makel könnte die Performance rund um den Übergabepunkt zwischen den beiden Treibern genannt werden, denn dort ist sie in Bezug auf Griffigkeit und Kontur des Signals nicht ganz so hervorragend wie sonst im gesamten Wiedergabebereich.  

Trockener Bass

Der Frequenzkeller ist für ein Reflexgehäuse reichlich trocken, schnell und kontrolliert. Der Musiker wird wohl kaum ein Selfie von sich vor den Speakern mit den Worten „Yeah, voll fett alles hier!“ posten – und das ist auch gut so: Die Core 7 sind keine Schmeichler, sondern langzeittaugliche Analytiker. Angenehm ist die Wiedergabe der Höhen, welche transparent und klar zeichnend ist und sich bei Bedarf leicht abschwächen oder anheben lassen. „Mehr Bass“ liefert die Box nicht auf Knopfdruck, ein Umstand, der zum genauen Hinhören und bewussten Arbeiten im untersten Frequenzband zwingt. Wie schnell findet man über manche Boxen alles „toll“, was halt irgendwie tieffrequent Luft bewegt!

Die Klangeigenschaften ändern sich bei unterschiedlichen Pegeln nur unwesentlich, es erscheint aber sinnvoll, die Leistungsreserven nicht stark zu belasten. Bei niedrigen und mittleren Pegeln können dynamische Änderungen naturgetreuer wiedergegeben werden, bei sehr hohen Partypegeln beginnt der Bass, die Contenance zu verlieren, seine schöne Linearität einzubüßen und eine klare Beurteilung zu erschweren. Die Höhen überschlagen beginnen etwas später damit, zu beißen und zu kratzen. Hier bewegt man sich aber definitiv in Bereichen, die keine sinnvolles dauerhaftes Monitoring darstellen.

Scharfe Stereoposition

Schön ist die Bühnendarstellung im Stereoverbund, denn die Mitte ist scharf und klar, ohne dabei vorgewölbt zu sein und Lupeneffekte aufzuzeigen. In Räume hineinsehen lässt sich genauso, wie Positionen zwischen Links und Rechts genau zu bestimmen. Auch sehr kleine Hörabstände von etwa einem Meter funktionieren sehr gut, der Sweet Spot ist insgesamt recht groß. Wichtiger noch: Die einsetzende Dämpfung beim Auswinkeln aus der Hauptachse geschieht sehr sanft ohne auffällige Brüche. Die nur grundlegenden Eingriffsmöglichkeiten auf die Wiedergabe erscheinen in Anbetracht mancher hochgerüsteter DSP-Alleskönner vielleicht antiquiert, auf der anderen Seite bedeutet das aber, dass man Gedanken und Zeit zur optimalen Positionierung aufbringen muss – oder eben auf externe Systeme wie Sonarworks setzen sollte.

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