Hersteller_DW
Test
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29.01.2017

Praxis

Aluminium-Snares gelten im Gegensatz zu ihren Geschwistern aus Bronze, Messing und Kupfer als etwas nüchterner im Gesamtklang. Durch ihr kontrolliertes Obertonspektrum betten sie sich unter dem Mikrofon aber meist sehr gut in den Gesamtmix eines Songs ein. Das ist sicherlich der Grund, warum die Ludwig Supraphonic aus Aluminium zu den meist aufgenommenen Snares ihrer Zunft gehört. Mal sehen, ob die beiden Kalifornier da mithalten können und worin sie sich unterscheiden?

Mittlere Stimmung

In der mittleren Lage geben sich beide Snares keine Blöße und liefern klanglich eine sehr überzeugende Performance. Die 5,5er Thin Alu hat einen etwas helleren Klangcharakter und klingt kompakter, während die 6,5er - bedingt durch den tieferen Kessel - mit mehr Bauch und prägnanterem Kesselton daher kommt, man könnte die tiefere Snare auch als etwas rockiger und lebhafter beschreiben. Ohne Teppich angespielt, schwingen beide Kessel sauber und tonal aus, mit angespanntem Teppich sind die Obertöne sehr stimmig in den Gesamtsound integriert. 

Allerdings fällt mir auf, dass die 5,5er Snare mit leichter oder auch stärkerer Dämpfung, wie beispielsweise einem Soundring, weniger souverän als ungedämpft klingt, da sie vom ohnehin kompakten Gesamtsound durch die Dämpfung einiges an Resonanz einbüßt. Für jemanden, der am liebsten offen klingende Snares spielt, bringen beide „Out of the Box“ ein tolles Signal, gedämpfte Gadd-alike Sounds, für die die Ludwig Supraphonic berühmt ist, lassen sich mit der 6,5er Thin Alu aber eindeutig besser nachbauen.

Auch die Hardware spielt hier mit. Im Gegensatz zum breiten Klang in der Fellmitte können die drei Millimeter starken DW True Hoops bei Rimshots eine gehörige Portion Attack zum Sound hinzufügen. Wer 2,3 Millimeter Hoops gewohnt ist, wird einen deutlichen Unterschied feststellen. Mir persönlich würden dünnere Reifen an den Snares besser gefallen, aber das ist sicherlich Geschmacksache. Hier kommen die Soundfiles in mittlerer Stimmung.

Hier könnt ihr beide Snares mit einem Backing-Track hören:

Tiefe Stimmung

Auch in der tiefen Lage hat die 6,5er Snare ganz leicht die Nase vorn, hier ist definitiv eine ihrer Wohlfühlzonen mit fettem und weichem Signal zu verorten. Aber auch die 5,5er schlägt sich im Kellergeschoss alles andere als schlecht. Beide Trommeln lassen einen schönen und resonierenden Grundton erklingen, aus dem sich mit Dämpfung sehr leicht stereotypische Klänge formen lassen. Wichtig auch hier: Es lohnt sich, mit der Spannung des Snareteppichs zu experimentieren, um ein schön integriertes Teppichsignal zu erhalten.

Hohe Stimmung

Im Dachgeschoss hat die 5,5er eindeutig die Nase vorn. Die Trommel klingt funky, mit schönem Druck bei Rimshots, aber ohne allzu penetrante Obertöne. Auch in richtig tighter „Brett-Stimmung“ klingt sie nicht abgewürgt, sondern hat immer noch Luft. Die 6,5er lässt sich natürlich auch hoch stimmen, ab der mittelhohen Lage wird sie aber etwas „topfig“. Das kann, je nach Charakter des Songs, auch seinen Charme haben, die tieferen und mittleren Stimmungen sind bei ihr aber klar die stärkeren.

Wie funktioniert das 3P Butt End?

Ein kleines Gimmick an beiden Snares ist das „3 Point Butt End“, hier kann mit einem kleinen Hebel der Teppich, ausgehend von der normalen Teppichspannung in mittlerer Position, nach vorn (feste Spannung) oder zurück (lose Spannung) geschaltet werden. Die Idee, den Teppich im Schnellverfahren ohne Verstellen der eigentlichen Spannung am Strainer zu regulieren, ist genial, leider ist die Umsetzung nicht so richtig geglückt. Besonders in der Stufe der losen Spannung schlagen die Spiralen des Teppichs nur noch ganz leicht und mit viel Nebengeräuschen an das Resonanzfell, hier muss also immer am Rädchen des Strainers nachgeregelt werden. Ein normales Butt End hätte es in meinen Augen auch getan, da die Einstellung am Strainer-Rädchen sensibel genug funktioniert. Ich habe euch dazu noch ein Soundfile aufgenommen.

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