Test
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21.08.2015

Praxis

Ein Kompressor komprimiert – soweit klar

Dass man mit einem Kompressor wie dem Drawmer 1978 zunächst Audiomaterial komprimieren und durch Gain-Aufholung im Ergebnis lauter machen kann, muss ich hier wohl niemandem erklären, und verzichte auf allzu detaillierte Fallbeispiele, bei denen ich stoisch von links nach rechts alle Regler und deren Auswirkungen demonstriere. Dennoch möchte ich an dieser Stelle, quasi von links kommend, ein bestimmtes Feature, nämlich die kurzen Regelzeiten demonstrieren. Ich habe einen Shaker durch den Drawmer 1978 geschickt, bei dem ich sowohl Attack und Release auf Linksanschlag, also die kürzesten Zeiten, gedreht habe. Im Vergleich zu dem Original kann man so auf unkonventionelle Art und Weise diesen Shakersound klanglich weichspülen.

Die Character-Switches ermöglichen unterschiedliche Kompressionsvarianten

Als nächstes Tonbeispiel, quasi zur gezielten Veranhörlichung der Character-Switches, habe ich einen Schlagzeug-Groove über die Maßen des guten Geschmacks hinaus komprimiert. Ih hört also ein Beispiel mit zu starker Absenkung und zu langer Releasezeit, sodass man ein deutliches Pumpen hören kann.

Verwende ich nun bei gleichen, absurden Einstellungen den Character "PGM", so fällt dieses Pumpen schon fast nicht mehr auf.

Mit dem "REL CURVE"-Button schaltet man von logarithmischer Releasekurve auf lineare Kurve um, was zur Folge hat, dass der Pegel nicht ganz so schnell abfällt, das Pumpen somit auch reduziert ist, und das Signal trotz relativ kurzer Releasezeit nicht ganz so aggressiv klingt:

Der "SMOOTH"-Button lässt das Signal tatsächlich weicher klingen. Unter der Haube übernehmen ein paar Zusatzschaltkreise die Aufgabe, die Releasezeit anfangs ein wenig zu verlangsamen. Eventuellen Verzerrungen bei tiefen Frequenzen kann man mit diesem Knopf trotz kurzer Releasezeiten ebenso von vorne herein den Saft abdrehen.

Mit der "WIDE"-Funktion werden linker und rechter Kanal vor der Weiterleitung an die Sidechain summiert, was zur Folge hat, dass bei der Kompression ein leicht breiteres Stereobild entsteht. Dies ist nicht vergleichbar mit den üblichen Stereo-Enhancern: Das Ergebnis ist subtiler, vor allem aber auch von der Art und Stärke der Kompression abhängig. Im Soundbeispiel kann man den Unterschied nur vage ausmachen.

Mit dem Saturate-Regler fügt man harmonische Verzerrungen hinzu

Das mit Saturate beschriftete Poti fügt dem Tonmaterial stufenlos die zweite und dritte Harmonische hinzu, was, behutsam eingesetzt, dem Material Dichte hinzufügt, aber bei unvorsichtigem Aufdrehen schnell zu eventuell unerwünschtem Zerren führt.

Im Vergleich zum Original klingen die Drums mit ein wenig Saturation - ich habe auf 5 gedreht - tatsächlich dichter und kompakter, nicht so clean. Das muss nicht unbedingt besser sein, aber hiermit lässt sich bestehendes Tonmaterial zumindest im Nachhinein noch ein wenig aus der Nüchternheit einer perfekten Mikrofonierung herausnehmen, dem Ganzen eine Spur analoger Authentizität geben. Solch eine Klangbearbeitung kann man auf keinen Fall verallgemeinernd als gut oder passend oder besser betiteln, es sind aber dennoch diese kleinen Tricks, die so mancher Produktion akustisch einen kleinen Analogstempel aufdrücken können.

Nur um zu demonstrieren wie leicht man es mit diesem Regler übertreiben kann, habe ich ihn auf 7 aufgedreht. Wenn man nicht gerade einen defekten Speaker simulieren möchte, hat man für diese Aufnahme keine brauchbare Einsatzmöglichkeit, denke ich.

Die Kombination aller Features machen den Drawmer 1978 zum Mastering-Werkzeug

Hier kommen nun ein paar Beispiele, bei denen ihr hören könnt, wie der 1978 arbeitet und klingt, wenn man seine vielfältigen Features kombiniert. Die einzelnen tontechnischen Verbesserungen, die ich bei den Beispielen erzielt habe, könnte oder müsste man ja idealerweise eigentlich in der Mischung der Einzelspuren besser realisieren können. Fertige Stereo-Mixe dienen hier aber natürlich als gute Demonstrationen der Möglichkeiten und des Klangs des Gerätes.

Im vorliegenden Jazzstück habe ich eine moderate, also nicht zu starke Kompression eingestellt, das Signal ein wenig mit dem Saturation-Regler gesättigt und mit Hilfe der Shapingfilter die Arbeit der Kompression auf das Saxophon gewichtet. Es klingt nun viel stärker eingebetteter in den Mix. Seine Attacks knallen nicht mehr so sehr ins Ohr, der Ausschnitt klingt insgesamt verdichteter.

Das Gleiche habe ich beim nächsten Stück mit der Gitarre versucht, nämlich sie besser einzubetten ohne den Bassbereich oder die Höhen zu verändern.

Beim dritten Musikbeispiel habe ich versucht, den Impact der Snare und des dynamischen Pianos weicher zu machen. Das geht ein wenig zu Lasten der Natürlichkeit, aber die schmerzhaften Attacks, die man bei lautem Hören der Nummer spürte, sind nun Vergangenheit.

Bei allen Beispielen fällt auf, dass der Drawmer 1978 keinerlei Panorama- oder Stereo-Ortungs-Probleme verursacht. Das Links-Rechts-Tracking arbeitet durch alle Kompressions-Stufen einwandfrei.

Mix-Regler: Parallel Compression

Wenn das Kunststück der unhörbaren Komprimierung nicht so gut gelungen ist, kann man aufatmen. Drawmer hat dem 1978 in der Output-Sektion einen Mix-Regler spendiert, mit dessen Hilfe man das Signal von 100 Prozent Bearbeitung (also "wet") bis unbearbeitet ("dry") mischen kann. Lässt man den Mix-Regler auf Linksanschlag, so wird 100% der Bearbeitung an die Ausgänge geschickt. Möchte man nun den zwar genialen, aber vielleicht eine Spur zu pumpigen Sound ein wenig in seine ursprüngliche Natürlichkeit zurückholen oder die zusammengedrückten Transienten "revitalisieren", so mischt man einfach ein wenig unbearbeitetes Originalsignal dazu.

Hier habe ich einen Musikausschnitt sehr dicht komprimiert. Bis zur Hälfte (drei Takte lang) hört Ihr 100%, also das wet-Signal, und ab der Hälfte drehe ich den Regler dann auf eine transientenrettende Mittenstellung. Der zu platt komprimierte Track gewinnt wieder seinen natürlichen Charakter zurück. Gleichzeitig dickt die satte Kompression den Gesamtsound ein wenig an.

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