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Test
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04.03.2014

DPA d:dicate 4011A Test

Kleinmembran-Kondensatormikrofon

Zwei feine Module ergeben ein feines Mikrofon

Im Testmarathon der Kleinmembran-Kondensatormikrofone wurden im Studio auch zwei DPA d:dicate 4011A vor der Akustikgitarre aufgebaut und einem ausführlichen Review unterzogen. Die Zeiten, in denen die Begriffe “Dogma” und Dänemark sich auf mehr als die Gruppe Filmschaffender um Lars von Trier und Thomas Vinterberg bezogen hat, ist vorbei: Genau wie von Trier hat auch der dänische Mikrofonhersteller sich von seiner selbstauferlegten Regel gelöst, dass eine Mikrofonkapsel einen speziell darauf abgestimmten Mikrofonverstärker benötige. Man darf spekulieren, ob DPA eher neuere technische Entwicklungen dazu bewogen haben oder wirtschaftliche – Fakt ist, dass es beispielsweise mit dem Colette-System der Traditionsfirma Schoeps aus Karlsruhe schon lange ein Modularsystem gibt, an dem es wirklich so gut wie nichts zu kritteln gibt.

So gibt es mit dem “d:dicate” getauften System eine Auswahl an Kapseln und Preamps, die zwar im Umfang nicht an Schoeps’ Colette-Serie heranreicht, aber wer weiß, was für Kapseln noch vorgestellt werden. Der in der Tradition der Meßinstrumente verwurzelte Mikrofonbauer bietet mit MMP-C, MMP-B und MMP-A immerhin drei verschiedene Bodys an, von denen die große A-Version zusammen mit einer Nierenkapsel (und einem gleich aufgebauten Schwestermikrofon) der kritischen Betrachtung im bonedo-Test standhalten musste. 

Details

MMP-A + MMC4011 = 4011A

Nein, diese Gleichung lässt sich nicht mit binomischen Formeln lösen. Es handelt sich vielmehr um den Aufbau des DPA-4011A-Mikrofons, welches aus der Nieren-Kapsel MMC4011 und dem Body MMP-A besteht. Der MMP-A ist qualitativ hochwertiger als die ebenfalls verfügbaren MMP-C und MMP-B. So führt der phantomgespeiste Body beispielsweise mit einem Dynamikbereich von 138 dB das Feld an und generiert die geringsten Verzerrungen. In Kombination mit der 4011-Kapsel ergeben sich sehr gute Daten: Das Elektret-Mikrofon verfügt über eine Empfindlichkeit von 10 mV/Pa, bei 139 dB(SPL) bestehet ein Prozent des Signals aus Verzerrungsprodukten und Rauschen. Nach Bewertung mit der A-Kurve liegt das Rauschen des Kondensatormikrofons bei 18 dB. Von außen kaum zu erkennen ist die Tatsache, dass der Mikrofonverstärker über ein Pad verfügt: Die 20dB-Vordämpfung liegt innerhalb des XLR-Anschlusses versteckt und muss mit einem Kugelschreiber oder dergleichen gedrückt werden.

Pegel-Frequenzgang

Die gemittelte Pegel-Frequenzgangkurve zeigt einen brettebenen Verlauf bis knapp unter den zweistelligen Kilohertzbereich. Darüber ist eine sanfte Erhöhung auszumachen, der 20kHz-Punkt wird wie der 40Hz-Punkt mit -2 dB Pegelverlust im Vergleich zu 1 kHz durchlaufen. Im Bassbereich gilt diese Angabe für einen Abstand von 30 Zentimetern, aufgrund der Tatsache, dass die 4011-Kapsel ein Druckgradientenempfänger ist, spielt der Nahbesprechungseffekt und die mit ihm einhergehende Bassanhebung eine wesentliche Rolle. 

Polardiagramm und Phasengang

Das Polardiagramm offenbart, dass die Aufzeichnung von Signalen bis zu einem Winkel von gut 120° (bzw. 240°) sehr konstant erfolgt und dem idealen Nierenverlauf gehorcht. Natürlich ist sich die Kapsel bei geringen Wellenlängen zunehmend selbst im Weg, sodass ab etwa 8 kHz eine deutliche Supernierencharakteristik vorhanden ist. Den Off-Axis-Frequenzgang hat man bei DPA nicht dem Zufall überlassen, sondern dafür gesorgt, dass die maximale Rejection in der Mitte des Frequenzbandes liegt und die Neigung zur Kugel (bei den Bässen) und zur Acht (bei den Höhen) nur in den Frequenzrandbereichen zu Tage tritt. Der Phasenfrequenzgang wird löblicherweise von DPA angegeben, und das auch sicher, weil man stolz darauf sein kann, die Phase im Hörbereich annähernd konstant zu halten. Die Elektretkapsel MMC-4011 mit dem charakteristischen Grid und der lange A-Body beerben gemeinsam das alte 4011-Mikrofon, doch scheint das Kapseldesign weitgehend identisch mit dem alten zu sein. Gut zu erkennen ist, dass hinter den umlaufenden Schalleinlässen eine Metallgaze per Reibung für den höheren Zeitbedarf des zur Membranrückseite laufenden Schalls sorgt, um die Nierencharakteristik zu erzielen.

Zum Test: Einzelmikrofone, kein Matched-Pair 

Als DPA ST4011A ist zwar ein auf 1% gematchtes Stereo-Kit aus je zwei Kapseln und Bodys verfügbar, welches im Peli-Case ausgeliefert wird. Vom hiesigen Vertrieb haben wir einzelne Mikrofon geschickt bekommen, welche in einer unspektakulären, schaumstoffgefütterten Pappschachtel den Weg zu uns gefunden haben. Beiden Mikrofonen liegt ein individueller Messausdruck bei. Zum Lieferumfang gehört zudem die hervorragende DPA-Mikrofonhalterung und ein kleiner Windschutz-Püschel.

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