Hersteller_Digitech Gitarre
Test
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24.03.2015

Digitech Polara Test

Hall-Effektpedal

Flexibler Klangveredler

Das Digitech Polara im aktuellen bonedo-Test gehört der eher seltenen Gattung von Hallgeräten an, die als Effektpedal angeboten werden. Das liegt aber nicht unbedingt an der Qualität der angeboten Gerätschaften, sondern eher am Bedarf des Gitarristen. Manch einer hat bereits einen Reverb im Amp, andere sehen keine Notwendigkeit für einen externen Effekt. Ihnen reicht der natürliche Hall aus, und den Rest macht sowieso der FOH-Mann. Wer als Hersteller den Gitarrenspieler dann doch um den Finger wickeln will, der muss mit seinem Hall-Pedal schon etwas mehr bieten als das Standard-Raumprogramm und den Kölner Dom.

Und das ist mittlerweile auch bei den Machern angekommen, die ihren aktuellen Tretminen spezielle Features und eigenständige Sounds mit auf den Weg geben. Auch das Digitech Polara glänzt mit sieben Hall-Programmen aus dem Hause Lexicon, was zumindest auf dem Papier vielversprechend klingt.

Details

Gehäuse/Optik

Das Polara kommt in einem psychedelischen Outfit mit kunstvoller Grafik, was auf den ersten Blick ganz schick aussieht, aber sofort den Pragmatiker in mir weckt. Und der stellt nüchtern fest, dass die Beschriftung der Regler aus einiger Entfernung nicht gut bis überhaupt nicht zu erkennen ist. Eine Aussage, die der Rock'n'Roller in mir mit der Frage kontert:"Seit wann liest Du eigentlich Pedalbeschriftungen?" Und recht hat er, denn bei lediglich vier Reglern hat man sich doch verhältnismäßig schnell die Bedeutung derselben gemerkt und stellt mit ihnen seine Sounds nach kurzer Zeit quasi blind ein. Die Reglerstellungen der in zwei Reihen angeordneten Potis allerdings sind gut zu erkennen, die Metallknöpfe mit geriffelter Seite machen zudem einen sehr stabilen Eindruck. Im Lieferumfang befindet sich ein sogenannter Stompblock aus Gummi, den man über das Bedienfeld stülpt, um die Einstellungen nicht versehentlich zu verändern bzw. die Regler beim Transport zu schützen. Ebenfalls im Lieferumfang befindet sich eine Klettmatte, die man an die gummierte Unterseite klebt, soll das Pedal im Pedalboard befestigt werden. Wer lieber mit Mounting-Plates statt Klettverbindungen arbeitet, hat leider das Nachsehen, denn das Gehäuse ist mit leicht versenkten Inbus-Schrauben befestigt. Aber mit vier längeren Metallschrauben aus dem Baumarkt sollte auch das zu bewerkstelligen sein.

Unser Testkandidat hat kompakte Abmessungen (67 x 112 x 51 mm), aber ein etwas höheres Gewicht für seine Größe: Fast ein halbes Kilogramm bringt er auf die Waage. Neben den vier Reglern finden wir an der Stirnseite einen Kippschalter (Tails) und ganz unten den Fußschalter (True Bypass), darüber die blaue Status-LED. Das Polara kann nicht mit Batterien betrieben werden, man muss also die Investition in ein Standard 9V-Netzteil von Anfang an mit einplanen. Allerdings bin ich der Meinung, dass zu einem Pedaleffekt, der grundsätzlich nur mit Netzteil betrieben werden kann, ein solches auf jeden Fall zum Lieferumfang gehören sollte - zumal wir es hier nicht unbedingt mit einem Schnäppchen zu tun haben. Wer über eine Multi-Stromversorgung im Pedalboard verfügt, der ist deshalb fein raus, sollte aber noch Reserven für mindestens 75 mA haben, denn so viel werden benötigt.

Bedienung

Das Polara-Pedal hat sieben unterschiedliche Hall-Programme an Bord, und ich hatte bereits zu Beginn erwähnt, dass deren Parameter aus dem Hause Lexicon stammen, also von einem Hersteller, der für seine gepflegten Raumklänge bekannt ist. Die einzelnen Grundsounds werden über den Reverb Type-Regler (rechts oben) angewählt. Bei ihm handelt es sich um ein Rasterpoti, das leider nicht so stabil einrastet, wie man es bräuchte. Man muss mit etwas mehr Fingerspitzengefühl arbeiten, allerdings gibt es zum Glück keine toten Punkte, in denen kein Sound erzeugt wird. Liegt man nicht im Raster, dann sucht sich das Polara den nächstliegenden Hall-Typ aus. Zur Verfügung stehen folgende Programme:

1. Room (Simulation des Nachhalls eines kleinen Raums)

2. Plate (Hall-Platte)

3. Reverse (Hall rückwärts)

4. Modulated (Hall mit Modulations-Effekt)

5. Halo (Shimmer Effekt, hier werden Pitch Shift Signale zum Hall hinzugefügt)

6. Hall (Simulation des Nachhalls eines großen Raums)

7. Spring (Federhall)

Hier gibt es also neben den Brot-und-Butter-Sounds auch ein paar Schmankerl, im Praxisteil werdet ihr die gleich zu hören bekommen. Geregelt werden die Hallklänge mit Level (Mischungsverhältnis), Liveliness (Anteil der hohen Frequenzen im Hall-Sound) und Decay (Länge des Nachhalls) und einem Tails-Schalter. Der stellt ein, wie der Nachhall ausklingt, wenn man den Effekt mit dem Fußschalter ausschaltet. In der Position ON klingt der Effekt noch natürlich aus, bei OFF endet die Hallfahne abrupt.

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