Test
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07.05.2020

Praxis

Den ersten Mix mit dem Prime 2 darf man als durchaus unkompliziert beschreiben, besonders auch für System-Einsteiger oder Umsteiger, denn ihr braucht dank Onboard-Analyse nicht einmal eure Tracks am PC/Mac vorbereiten. Die Konsole selbst ist in der Lage, die Musikstücke auszuwerten und die Berechnungen auf euren Datenträger zu speichern. Navigiert zu einem Track, ladet ihn per Swipe oder Taste ins Deck, die Analyse geht flott vonstatten und dann stehen euch Dateiinformationen, BPM, Sync-Funktionen, tempobasierte Effektspielereien aller Art und die Wellenformen mit Beatgrid, welches ihr via Konsole anpassen könnt, zur Verfügung. Sinnvoller finde ich es allerdings, die gesamte Festplatte oder den Stick zuvor via Rechner analysieren und katalogisieren zu lassen. 

Am Prime 2 stehen euch diverse Suchfilter, Sortierfunktionen sowie eine On-Screen-Tastatur zur Verfügung. In der Library lassen sich die einzelnen Tracks vorhören, ohne ins Deck geladen zu werden, selbst mit Fingerspulen respektive „Needle Drop“ im Preview-Track. Sehr praktisch. Mit einem Swipe landet der zweite Track in der Abspieleinheit gegenüber und kann auf Knopfdruck im Tempo und Takt (Sync-Modi via Preferences verfügbar) angeglichen werden.

Im Kanalzug findet DJ zum Mischen der Tracks neben dem Gain und dem Dreibänder ein Hoch-/Tiefpass-Filter, dazu 60 mm lange Linefader und einen Crossfader, dem Zuweisungsschalter und Contour-Steuerung zuteilwurden. Damit kommt man sehr gut zurecht. Die Pots sind griffig und drehen sanft, die Fader gleiten sanft. Wer möchte, kann außerdem die EQ-Grenzfrequenzen justieren oder Resonanz und Typus des Kombifilters einstellen.

Angenehm lange LED-Meter ermöglichen die optische Kontrolle der Signalpegel. Ob man die grün-weiß-blaue Farbcodierung anstelle des sonst gängigen Ampel-Farbsystems bevorzugt, ist wohl auch Geschmackssache, doch es passt ins visuelle Konzept der Konsole. Ebenfalls dem persönlichen Workflow und Gusto entsprechend, lässt sich das Display von vertikalem Wellenform-Layout auf horizontal umschalten. Navigation und Ansichtsumschaltung für den 7 Zoll Touchscreeen sind an passender Stelle untergebracht – alles direkt bei der Hand.

Display

Wer den Prime 4 betrachtet, erkennt, dass das Display von 10 Zoll auf 7 Zoll verkleinert wurde. Es ist nach wie vor hochauflösend, sehr responsiv, stellt seine Informationen wirklich knackig dar und akzeptiert auch Touch-Aktionen wie Swipe, Pinch oder Drag. Zum Beispiel zum Sortieren von Playlisten, Zoomen der Wellenformen, Rating der Tracks, Ändern von Tags, Benennung von Listen usw. Das 7 Zoll Display lässt sich nun nicht mehr im Winkel verstellen, das kennt man so von Konkurrenzprodukten,  jedoch könnte dies einem in schwierigen Outdoor-Lichtsituationen mitunter zum Nachteil gereichen. Dafür ist es nicht so wackelig und bruchgefährdet. Hier ein paar Screenshots der verschiedenen Screen-Ansichten und der Preferences.

Jogwheels

Die seitengeriffelten, haptisch äußerst angenehmen 6 Zoll Handräder geben euch optimale Kontrolle über den Track. Scratching, Phasenabgleich, Spulen – kein Problem. Dabei werden neben dem virtuellen Abspielkopf temporär auch Loop-Längen, Slicing und Slip im Display angezeigt. Wer möchte, kann zudem sein DJ-Logo statt Artwork einblenden.

Der Leuchtring, der beim Prime 4 den Arbeits-Layer anzeigt, kommt bei der Zweikanal-Konsole nicht mehr zum Einsatz. Mittels Regler lässt sich die Start/Stopp-Zeit des Tracks variieren. Für den Jogwheel-Widerstand gibt es indes keine Anpassungsmöglichkeit.

Decks and Effects

Insgesamt kommt der Prime 4 auf zwei Effektsektionen, eine dedizierte Loop-Sektion mit Push-Encoder, acht zum Teil doppelt belegte Performance Pads. Loops, Cue-Juggles, Beatjumps, Scratches und Co. bleiben – so ihr mit der Quantisierungsfunktion arbeitet und das Beatgrid der Tracks sitzt – im Takt.

Es stehen folgende FX zur Auswahl:

  • Reverb
  • Echo
  • Delay
  • Ping Pong
  • Auto Gate
  • Flanger
  • LFO-Filter
  • Phaser
  • Crush
  • Roll
  • Rev-Roll
  • Scratch

Dazu kommt einer der besten Keylocks am Platz und auch Tonhöhensynchronisation oder Verschiebung ist an Bord und es gibt ein farbcodiertes Key-Filter-System, um herauszufinden, welche Tracks zu den laufenden harmonieren. Das ist alles sehr einsteigerfreundlich.

Recording

Nicht zu vergessen: Dabei könnt ihr eure Session auch gleich auf ein angeschlossenen Medium aufzeichnen, und zwar in  24 Bit mit 44,1 kHz im Wave-Format. Nachstehend einige Audiobeispiele des gelungenen Effektangebots und des integrierten Mixers. 

Streaming: Tidal, Beatport und Soundcloud für den Prime 2

Für Streaming-Music müsst ihr einen Tidal, Beatport oder Soundcloud Account anlegen. Den Praxistest haben wir mit Tidal durchgeführt. Dort warten etwa 60 Millionen Titel darauf, von euch gespielt zu werden, eine der größten Musikbibliotheken des Mainstream-Sektors aktuell. Tidal bietet außerdem etwas teureres Hi-Fi-Streaming an. 3 Monate gibt’s erst mal gratis für Denon Prime 2 Käufer. Danach könnt ihr euch zwischen diversen Abos entscheiden, die zum Zeitpunkt der Niederschrift dieser Zeilen zwischen 9,99 und 19,99 Euro kosten. Bevor ihr allerdings mit dem Streaming loslegen könnt, müsst ihr erst einmal den Gerätecode des Prime 2 aktivieren. 

Denons DJ-Konsole erlaubt euch, die Qualität des Streamings selbst festzulegen.

Es gibt drei Optionen:

  • 96 kHz, HE-AAC
  • 320 kHz, AAC
  • Lossless 16 Bit, 44,1 kHz, FLAC

Tidal bietet eine Katalogisierung nach Genres, Moods, Hotlists und globalen Charts. Dazu kommen etliche kuratierte Playlisten. Ein Wermutstropfen:  Eigene Tidal-Playlists lassen sich leider nicht am Prime anlegen, das geht nur via Tidal App am PC/Mac oder mobilen Endgerät (das ihr übrigens am Prime 2 laden könnt).

Die Ladezeit der Musikstücke variiert mit der verfügbaren Verbindungsqualität und DSL-Geschwindigkeit - bei mir ging das sekundenschnell. Die Analyse dauert etwa 3 bis 5 Sekunden und diese Daten stehen nach einem erneuten Download direkt bereit, da sie auf das entsprechende USB-Medium gespeichert werden! Im Grunde lässt sich mit den Tidal Tracks dann arbeiten wie mit lokaler Musik, nur das Aufzeichnen der Mixsession ist untersagt.

Wenn es nun noch einen geschützten Speicherbereich für auf Wunsch geladene Streaming-Tracks gäbe, wäre das klasse. Der könnte aber zukünftig für Beatport und Beatsource Link Einzug halten, zwei Dienste, die eine Offline-Speicherung grundsätzlich erlauben. Mit dem ENGINE OS FW Update 1.5.1 ist nämlich Beatport Link bereits am Start, außerdem Soundcloud GO+. 

Unterschiede zum Prime 4

Vor dem Fazit möchte ich noch einige Unterschiede zum Prime 4 heraus kristallisieren

Los geht’s mit dem Mischpult, das bezeichnenderweise nun zwei statt vier Kanäle mitbringt. Einher geht, dass die vier Cinch-Inputs am Backpanel zugunsten eines Aux-Ins wegrationalisiert wurden. Schade für all diejenigen, die einen kompakten Zweikanäler wie diesen zwischen zwei Turntables stellen wollen. Als zentrales Mix-Element für das Beste aus zwei Welten sozusagen. Auch der dedizierte Zone-Output nebst Regelmöglichkeiten zum Bespielen einer zweiten Area mit einer Extra-Playlist musste konzeptionell weichen. Ebenso der Booth-EQ.

Statt vierfach umschaltbarer Sweep FX gibt’s nur noch das Filter pro Kanal. Das finde ich schade, denn gerade im Cross-Genre-Mix kann man Echo-Out und Wash-Out durchaus gut gebrauchen. Für die Flachbahnregler wurde die Faderstart-Option gestrichen. Der Crossfader ist nach wie vor austauschbar, die mittlere Zeile mit Navigation und Pegelmeter sowie Kopfhörermische entspricht weitgehend dem P4.

Die beiden Effektsektionen sind nun dem jeweiligen Deck fest zugeordnet und sie müssen auf die dedizierten FX-Displays verzichten. Stattdessen wird die Anzeige auf den Screen ausgelagert. Diverse Buttons wurden zudem rearrangiert, Deck-Umschalter und die Beatgrid-Sektion gestrichen. Ebenso der Booth-Out-EQ, die separaten EQs in der Mikrofonabteilung, Mike-FX und ein USB-Port. Hier muss jeder selbst entscheiden, ob das Glas halbvoll oder halb leer ist. Für mich machen diese kleinen und großen konzeptionellen Umstrukturierungen das Gerät in der Summe sehr einsteigerfreundlich.

Serato DJ Kompatibilität ist anders als beim Prime 4 bis dato noch nicht kommuniziert worden. Man kann folglich aktuell nicht davon ausgehen, dass via USB-Verbindung respektive Computermode eine Software bedient werden kann. DVS steht mangels Phono-Inputs ohnehin nicht an.

Engine OS

Was man durchaus bei einem Kaufentscheid für ein Gerät aus dem Denon-Universum berücksichtigen sollte: Alle Prime Units, also auch der SC5000 und SC6000 sowie die M-Versionen setzen auf das gleiche OS. Man muss sich also weder umgewöhnen noch neue Datenträger bauen, wenn man zu von der kleinen Konsole auf die Mediaplayer umzusteigen gedenkt bzw. diese im Club antrifft oder auf den Tech-Rider setzt. Die Denon Standalone-Konsolen und -Mediaplayer sind technisch state-of-the-art. Die Messlatte für die nächste Generation und Konkurrenzprodukte liegt hoch. Lassen wir uns überraschen, was die Entwicklungsabteilung noch in der Hinterhand hat. 

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