Bass Hersteller_Darkglass
Test
7
22.08.2019

Praxis

Die Lautstärke des Lüfters ist bei Class-D-Amps ein großes Thema, weil viele Bassisten die kompakten Kisten eben auch gerne zum Üben in ruhigen Umgebungen einsetzen und ein lauter Lüfter hier doch schnell die Nerven strapazieren kann. Beim neuen Alpha·Omega 900 nimmt der Lüfter zwar direkt nach dem Einschalten seinen Dienst auf, das dezente Rauschen des kleinen Ventilators auf der Rückseite des Amps hält sich aber in einem erträglichen Rahmen. Der kraftvolle Amp ist also durchaus ein geeigneter Kandidat für den Wohnzimmereinsatz.

Auch mit dem Kopfhörer macht die Übe-Session großen Spaß. Auf dem Ausgang liegt nämlich eine Boxensimulation, die dem Sound mehr Räumlichkeit gibt und allzu harsche Frequenzen rausfiltert - gerade für verzerrte Sounds ist die Cabsim wirklich ein Segen! Die Boxensimulation kann auch auf den XLR-Ausgang geschaltet werden, was Tieftöner, die viele Gigs mit In-Ear-System spielen, sicherlich sehr begrüßen werden.

Wie in der Einleitung bereits erwähnt, speichert der Amp drei Impulsantworten, via Darkglass-Suite (Softwarere-Anbindung) kann man die Speicherplätze nach Belieben entweder mit einer der momentan zehn von Darkglass angebotenen Impulsantworten oder auch mit Impulsantworten von Fremdanbietern bestücken. Die Verbindung des Alpha·Omega 900 mit meinem Mac hat völlig reibungslos funktioniert und die Darkglass-Software ist erfreulicherweise selbsterklärend und übersichtlich aufgebaut.

Die meisten Bassisten werden den Alpha·Omega 900 aber einfach auf der Bühne mit richtigen Boxen einsetzen, und hier zeigt der kraftvolle und edle Amp dann auch sein volles Potenzial: Im cleanen Betrieb klingt der Alpha·Omega 900 sehr solide und transparent. Im Vergleich zu anderen Boutique-Tops kann ich einen leichten Scoop-Charakter mit dezent betonten Bässen und Höhen wahrnehmen. Ohne Vergleichsmöglichkeit würde ich den cleanen Sound aber durchaus als ausgewogen und neutral bezeichnen, denn ich spreche hier wirklich nur von Nuancen.

Die Ansprache des Amps ist zudem ultradirekt und der Sound bleibt auch bei hohen Lautstärken klar, voll und griffig, sodass man eher das Gefühl hat, einen herkömmlichen Transistor-Amp mit schwerem Trafo als einen kompakten, ultraleichten Class-D-Amp mit Schaltnetzteil zu spielen.

Der Sechsband-EQ gefällt mir gerade auch in Verbindung mit den cleanen Sounds sehr gut. Alle Schieberegler packen gut zu und die Einsatzfrequenzen sind gut gewählt - der Sound lässt sich mit den Filtern in alle erdenklichen Richtungen trimmen und man hat zudem immer eine visuelle Repräsentation der EQ-Einstellung vor Augen.

Sobald man den Distortion-Schalter drückt, zeigt sich der Alpha·Omega 900 von seiner bösen Seite und liefert wirklich erstklassige Overdrive-Sounds. Wer eines der Alpha·Omega-Pedale besitzt, wird bereits wissen, wie ungeheuer flexibel diese Overdrive-Schaltung ist. Die Sounds auf der Alpha-Seite sind sehr mächtig und hervorragend definiert, sodass man sich auch in einer Band mit breiten Gitarrensounds in der Regel gut hören kann. Dreht man den Mod-Regler in Richtung Omega-Seite, wird der Alpha·Omega 900 immer brutaler und liefert raue Overdrive-Sounds mit heftigen Mitten. Auf dem Reglerweg liegen unzählige, praxistaugliche Nuancen der beiden Extreme, sodass wirklich jeder einen passenden Sound für die jeweilige Band oder den Spielstil finden kann.

Für schnelle Anpassungen hat der Alpha·Omega 900 noch zwei EQ-Presets an Bord, die den Sound wirkungsvoll verändern und tolle Ergebnisse liefern. Mit aktiviertem Bite-Feature klingt der Amp etwas präsenter, und wer mehr Fülle und einen gesättigteren Overdrive-Sound sucht, drückt einfach den Growl-Taster - beides funktioniert hervorragend!

Der Alpha·Omega 900 bietet wirklich jede Menge Möglichkeiten, den Overdrive-Sound nach den eigenen Vorlieben zu formen, und das Resultat lässt sich zudem sehr feinfühlig mit den cleanen Signal mischen. Hierfür sind die beiden Features "Blend" und "Level" zuständig und ich bin bei jedem Test eines Darkglass Produktes aufs Neue erstaunt, wie viel mit diesen beiden Reglern möglich ist. Von subtilen Overdrives im Stil von leicht übersteuernden Amps bis zu extrem derben Distortion-Wänden ist hier wirklich alles drin - und zwar in erstklassiger Klanggüte und ohne nennenswerte Nebengeräuschentwicklung. In Sachen Overdrive-Sounds spielen die Darkglass-Amps eben nach wie vor in ihrer eigenen Liga!

Viel Spaß mit den Klangbeispielen:

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