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14.11.2014

Dangerous Music BAX EQ Test

Stereo-EQ

Der Nichtalleskönner

Dangerous Music BAX EQ bei bonedo im Test – Viele frisch gegründete Equipment-Hersteller werden am Markt zunächst aktiv mit mehr oder weniger glamourösen Soundprozessoren auf Basis aufwendig inszenierter Vintage-Technik, mit großen VU-Metern und ausladenden Frontplattendesigns – kurzum also mit Geräten, die sich als Showpiece eignen, die Divencharakter transportieren und sich schon rein aufgrund ihres Erscheinungsbildes in den Vordergrund drängen.

Dangerous Music handhabt die Dinge schon immer etwas anders, und das hat direkt mit der Entstehungsgeschichte der Firma zu tun. Als Cheftechniker in so renommierten Einrichtungen wie der mittlerweile geschlossenen New Yorker Hit Factory und den Masteringstudios von Sterling Sound hatte Chris Muth direkten Einblick in die Bedürfnisse einiger der am meisten geschätzten Tontechniker unserer Branche. In einem solchen Umfeld werden bereits vorhandene Geräte teils heftig modifiziert und teilweise auch Custom-Lösungen erarbeitet – eine hervorragende Schule, deren Geist sich noch heute in den Tools von Dangerous Music niederschlägt. Einen Namen gemacht hat sich die Firma zunächst tatsächlich mit Werkzeugen wie Summierverstärkern, Monitorcontrollern und Mastering-Backbones, mithin also mt der Folie, vor deren Hintergrund sich dann die Showpieces anderer Hersteller im besten Licht präsentieren können.

Mittlerweile bietet Dangerous Music jedoch auch selbst eine kleine Auswahl von Soundprozessoren an. Der Bax EQ war der erste dieser Art, und man könnte es wohl als typisch für den Hersteller bezeichnen, dass das Gerät voll auf optisches Understatement setzt, auch wenn auf den zweiten Blick bereits die hochwertige Umsetzung der Hardware nicht mehr zu übersehen ist. Schauen wir einmal genauer hin!

Details

Beileibe kein Alleskönner

Auf einer Höheneinheit kombiniert der Bax EQ zwei extrem weich abgestimmte Shelving-Filter mit zwei Hoch- und Tiefpassfiltern, liefert also ein dediziertes Funktionsspektrum, welches sich vor allem für die Subgruppen- und Summenbearbeitung – möglicherweise im Verbund mit anderen Geräten – eignet. Namensgeben war der amerikanische Ingenieur Peter J. Baxandall, welcher in den 50er-Jahren die Filterschaltungen entwarf, die in abgewandelter Form auch im Dangerous-EQ zum Einsatz kommen. Über Jahrzehnte wurden die sehr breit und weich abgestimmten Baxandall-Kurven gerne in der EQ-Sektion von Stereo-Anlagen zum Einsatz gebracht. Die Frage, warum man solch ein Werkzeug nicht auch schön früher in der Produktionskette (und besonders beim Mastering) einsetzen wollte, erscheint logisch und angebracht. Aus diesem Gedanken heraus ist der Bax EQ auch entstanden. Ganz den Gepflogenheiten seiner Frühphase verplichtet, baute Chris Muth zunächst ein paar Einzelstücke auf Kundenwunsch, als diese dann begeistert aufgenommen wurden, realisierte der Ingenieur, dass er wohl ein Werkzeug mit einigem Potenzial für die Vemarktung im größeren Stile geschaffen hatte.

Echt Stereo: Keine getrennten Regler für beide Kanäle

Als echtes Stereogerät kommt der Bax EQ mit einem Satz Bedienelemente für beide Kanäle aus, was auch dem übersichtlichen und kompakten Layout zugute kommt. Beide Shelving-Filter bieten jeweils acht Eckfrequenzen: die Bässe zwischen 74 und 361 Hz, die Höhen zwischen 1,6 und 18 kHz. Die Filteramplituden können in 0,5dB-Schritten im Bereich von ±5 dB justiert werden. Für die weiche Abstimmung des EQs spricht, dass das „Maximum“ der Shelvingkurven jenseits der Eckfrequenzen liegt, die nominelle Amplituden in deren Bereich nur ca. 0,3 dB pro Schaltschritt beträgt. Das bedeutet auch, dass die Filterkurven jeweils bis weit in den Mittenbereich laufen, der Bax EQ also bei gegenläufigen Einstellungen beider Filterbänder auch als Tilt-Filter eingesetzt werden kann, mit dem der gesamte Frequenzgang gleich einer Wippe sehr weich um den Mittenbereich herum „gekippt“ werden kann. Abgerundet wird diese Basis-Funktion durch zwei Hoch- und Tiefpass-Filter, die mit jeweils sieben Eckfrequenzen greifen können, in den Bässen zwischen 12 und 54 Hz (also unterhalb der typischen Bassdrum-Grundfrequenzen, welche zumeist die tiefste Nutzfrequenz einer Mischung markieren), und in den Höhen zwischen 7,5 und 70 kHz. Diese Cuts kann man als separates Werkzeug betrachten, aber man sollte sie auch im Zusammenspiel mit den Baxandall-Shelvingkurven als Einheit betrachten. Letztere sorgen nämlich aufgrund ihrer so breiten Abstimmung für deutlich mehr Energie an den Rändern des Nutzfrequenzspektrums, als einem manchmal lieb sein kann. Und dieser Effekt lässt sich mit den Cuts wirkungsvoll begrenzen. Nach „innen“ kann man dann die weichen Vorteile der Baxandall-Kurven genießen, und nach „außen“ sorgt man beispielsweise dafür, dass der Subwoofer nicht ins extreme Flattern gerät. Gerade im Tiefbass ist dies speziell für moderne Summenbearbeitung wichtig, bei der man zwar einen fetten Subbass haben möchte, aber keinen Infraschall, den man eh nicht hören kann, der aber aufgrund seiner Energie Headroom kostet und maximaler Lautheit entgegenstehen kann.

Schlauer Aufbau

Der technische Aufbau des Signalswegs wurde interessant und eigenständig gelöst, wobei als oberstes Designkriterium stets ein audiophiler, kurzer Signalweg im Mittelpunkt stand. Das bedeutet zum Beispiel einen übertragerfreien, elektronisch symmetrierten Aufbau der Ein- und Ausgangsstufen sowie einen über Relais konzipierten Hardwire-Bypass für möglichst authentische A/B-Vergleiche. Auch ansonsten wurde mit Relais auf der Hauptplatine nicht gegeizt: Knapp vier Dutzend dieser Bauteile des Herstellers NEC verrichten hier ihren Dienst, angesteuert von den ELMA-Drehschaltern auf der Frontplatte. Mit den Relais werden die verschiedenen Bauteilkombinationen der RC-Filter durchgeschaltet: Ein sehr aufwendiger Kunstgriff, der die Signalwege kurz hält und eine hohe Kanalgleicheit ermöglicht.

Netzschalter auf der Rückseite

Dem modernen Ansatz folgen auch die übrigen Komponenten, etwas das großzügig dimensionierte Netzteil, die Polypropylenkondensatoren von WIMA und Vishay oder die Operationsverstärker von Burr Brown und Texas Instruments. All dies wurde in ein extrem robustes Gehäuse mit massiver 6mm-Alu-Frontplatte verpackt und bringt ein für ein Gerät dieser Größe ausgesprochen sattes Lebendgewicht auf die Waage. Der Bax EQ überwältigt den Betrachter nicht gerade mit ausladenden Dimensionen, aber mit seinem wertigen Understatement und der wertigen Heavy-Duty-Hardware kann er dennoch optisch überzeugen und haptisch begeistern. Die Bedienelemente fühlen sich gut an, und das typische Schalt-Klicken der Relais (natürlich nicht im Audiosignal, das mechanische Geräusch der Hardware!) verrät, dass unter der Haube trickreich gearbeitet wurde. Eine zwiespältige Meinung habe ich nur zum Netzschalter auf der Gehäuserückseite. Dies ist einerseits unpraktisch, andererseits hält er die potenziell einstreuungsgefährliche Netzspannung von der Frontplatte und von den Audioschaltungen fern. 

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