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Test
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05.11.2018

D16 Redoptor 2 Test

Vintage-Tube-Distortion-Plugin

Crank it up…

Tchad Blake ist einer der erfolgreichsten Mixing-Artists der Welt. Unzählige Alben hat der Amerikaner bereits gemixt und viele andere werden hoffentlich noch folgen. Und auch die Liste seiner Kunden ist sehr lang, genau wie die seiner gewonnenen Preise.

In Zeiten des Internets ist es nun ja auch möglich, solchen Größen der Albumproduktion bei ihrer Arbeit über die Schulter zu schauen. Dabei fällt auf, dass gerade der Umgang mit Verzerrung Blake von anderen Künstlern unterscheidet. Signale werden teilweise auf brutalste Weise eingesetzt und komplett zerstört, finden dann aber auf wundersame Weise ihren Platz im Gesamtmix.

Natürlich ist es ein schwieriges Unterfangen sich gegen etablierte und bewährte Verzerrer-Plugins wie PSA-1 von SansAmp oder den Decapitator von SoundToys durchzusetzen. Der polnische Hersteller D16 begibt sich deshalb immer wieder auf die Suche nach neuen und einzigartigen Möglichkeiten, verschiedene Elemente von Plugins zu kombinieren, um somit dem Nutzer neben einem guten Klang auch das höchstmögliche Maß an Kontrolle über das Signal zu geben. Auch beim brandneuen Update seines Distortion-VSTs Redoptor 2 wurden wieder neue Features verbaut, die Musikproduzenten das Leben erleichtern sollen.

Details

Allgemeines

Redoptor gibt es im VST-, AU- und AAX-Format in 32 und 64 Bit für Windows und MacOS. Nach dem Erstellen eines Accounts auf der Herstellerwebseite und dem Kauf des Plugins erhält man den Installer und die zum Produkt passende Lizenzdatei, womit sich das Verzerrer-VST nach der Installation freischalten lässt.  

GUI

Die GUI von Redoptor ist im D16-typischen Design gestaltet, klar und übersichtlich strukturiert. Folgen wir dem Signal auf seinem Weg durch das Plugin von links nach rechts, begegnen wir verschiedenen Modulen. Wir beginnen mit einem Filter-Modul, bestehend aus einem Low Cut zwischen 0 und 300 Hz sowie einem High Cut zwischen 1,5 kHz bis 8 kHz. Anders als bei einem herkömmlichen Gitarrenverstärker lässt sich bei Redoptor 2 das Spektrum des Signals in den Höhen und Tiefen begrenzen und die spätere Verzerrung des Signals so grundlegend beherrschen. Von Lo-Fi bis zum vollen Spektrum ist damit also alles möglich. 

In der Pre-Amp-Sektion gibt es einen Gain-Regler, mit dem sich ein Anheben des Signals von 0-100 dB erreichen lässt. Außerdem befindet sich darunter der in Version 2 hinzugekommene Kompressor, der sich über den dazugehörigen Dynamics-Regler zwischen „Neutral“ und „Squashed“ einstellen lässt. So kann man auch hier das Ansprechen der restlichen Module weiter kontrollieren und dem Signal eine ordentliche Portion Punch verpassen.

Im folgenden Tube-Drive-Segment geht es nun also um den Klang des Verzerrungseffektes. Hier befinden sich vier Regler: Bias, Tone, Body und Brightness, jeweils von 0 bis 10 einstellbar. Hier sind die klanglichen Veränderungen teils eher dezent, dennoch lassen sich die verschiedenen Signale damit veredeln, deren harsche Anteile nehmen und sie einfach ein bisschen runder und weicher machen. 

Das größte Modul in der GUI beherbergt den parametrischen Vierband-EQ, bei dem Gain, Frequency und Width eingestellt werden können. Die letzten beiden Parameter waren zwar auch schon Teil der ersten Version von Redoptor, grundsätzlich zeigt allein das Verbauen eines parametrischen EQs in einem Distortion-VST aber das Bestreben D16s, dem Nutzer auch in diesem Plugin die bestmögliche Kontrolle über den jeweiligen Effekt zur Verfügung zu stellen. Die verschiedenen Bänder überlagern sich und decken folgende Frequenzbereiche ab: 

  • Band 1: 20 Hz bis 1 kHz
  • Band 2: 100 Hz bis 5 kHz
  • Band 3: 1 kHz bis 10 kHz
  • Band 4: 5 kHz bis 16 kHz

Kurz vor Schluss begegnen wir in Redoptor 2 nun noch einmal einer Neuerung, nämlich dem Output-Limiter. Das Signal lässt sich damit leicht bändigen und übermäßige Spitzen eindämmen, um den Effekt perfekt im Mix unterbringen zu können. Im letzten Modul haben wir dann noch die obligatorischen Dry-/Wet- und Output-Volume-Regler, mit denen man letzte Hand an das Signal anlegen kann, bevor es den Signalweg des Effektes verlässt. Das Output-Meter kann Ausschläge zwischen -24 und +6 dB anzeigen. 

 

Sound

Die beiden ersten Presets Convective Warmth und Hot Rod verpassen der Stimme etwas Farbe und ganz viel Präsenz. Die Vocals klingen viel direkter und dadurch um einiges interessanter. Bei Hot Rod kommen zusätzlich Kompressor und Limiter zum Einsatz und erzeugen damit einen nicht zu überhörenden Pumpeffekt. Bei den Audiobeispielen 4 und 5 hören wir dann wesentlich deutlichere Effekte. Die Vocals werden geradezu zerstört, selbst Tchad Blake wäre das in seinen Mixen wahrscheinlich zu viel des Guten.

Mit Redoptor lässt sich jegliche Art von Verzerrungseffekt erzeugen, gerade aber Gitarre und Redoptor passen hervorragend zusammen. Auch bei dem Gitarre-Beispiel nimmt bei jedem Audiobeispiel die Intensität des Effektes zu. Wir beginnen mit einem dezenten Anstieg an Präsenz beim Preset Hot Rod. Bei Funk hören wir dann schon ein leichtes Zerren und Kratzen, was bei Riffen dann deutlich gesteigert wird. Diesem Sound könnte man so wahrscheinlich auch auf einem Jack White Album begegnen. Und schließlich haben wir bei Kick My Fuzz wieder die völlige Zerstörung des Signals. Dieser Sound hat so viel Charakter und setzt sich so leicht in wirklich jedem Mix durch.

Auch mit Bass kommt Redoptor gut klar. Zuerst hören wir ein dezentes Ankratzen der hohen Frequenzen und zeitgleich ein Absenken der tiefen Bereiche. Beim vierten Bass-Audiobeispiel kommen die Tiefen dann zurück und bringen ein lautes Summen der Höhen mit. Der Bass-Sound schneidet so durch sämtliche Frequenzen und klingt einfach phänomenal. Beim völlig passend benannten Preset Distortion könnte es sich ohne Weiteres um einen Bass-Sound von Muse handeln.

Und selbst Drum-Grooves lassen sich mit Redoptor veredeln.Die Drums bekommen durch Redoptor Punch und Charakter, wie man das in zeitgenössischer und aktueller Musik eben braucht. Nach dem letzten Drum-Audiobeispiel klingen die cleanen Drums fast schon langweilig. Dafür braucht man Saturation und Verzerrung und genau das liefert Redoptor 2 ohne Ende.

Fazit

Redoptor 2 ist eines der flexibelsten Distortion-Plugins, die es gibt. Hier steht offensichtlich die absolute Kontrolle über den Verzerrungseffekt im Vordergrund, ein Prinzip, das man aus anderen Produkten aus dem Hause D16 bereits kennt. Besonders die klangliche Wandelfähigkeit und Vielfalt von Redoptor 2 weiß zu überzeugen. Dadurch lässt sich quasi jeder Verzerrungseffekt in jeder Intensität erreichen und dann auch passend im Mix platzieren. Der organische Sound eines Röhrenverstärkers wurde detailgetreu emuliert und sorgt für wunderbar warme, weiche und satte Klänge, selbst, wenn man den einen oder anderen Regler ganz nach rechts dreht. Nicht zuletzt durch seine vielfältigen Möglichkeiten ist Redoptor 2 aber auch zum Sounddesign-Tool geeignet und wird damit zum Decapitator-Jäger. D16 hat es auch hier wieder geschafft, weiterzudenken und alte mit neuen Ideen zu bereichern. Absolute Download-Empfehlung!

  • Pro
  • sehr umfangreiche Kontrolle über den Verzerrungseffekt möglich
  • warmer und weicher Sound durch detailgetreue Emulation
  • sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
  • viele Presets für einen leichten Einstieg und Inspiration
  • sehr geringe CPU-Auslastung
  • Contra
  • kein Contra
  • FEATURES
  • exakt emulierte Röhrenverstärker- und Verzerrer-Emulation
  • vorgeschaltete Filter-Sektion
  • parametrischer Vierband-EQ
  • Vorverstärker-Einheit mit Kompressor
  • Output-Limiter
  • zwei verschiedene GUI-Größen
  • Tag-Based-Preset-Browser
  • jede Funktion lässt sich per MIDI-Learn ansteuern
  • 64 Bit interne Rechentiefe
  • Systemanforderungen:
  • ab Win7 (32/64-Bit), Mac OSX 10.7, 2.8 GHz CPU, 4 GB RAM, Internetverbindung
  • unterstützte Formate: VST2/AU/AAXnative
  • Preis
  • Einführungspreis 49,- EUR – ab 10.11.2018, dann 59,- EUR

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