Test
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10.06.2016

D16 Group Antresol, Decimator und Devastor Test

Effekt-Plug-ins

Günstige Klangveredler

Die für ihre pfiffigen Emulationen von Vintage-Hardware bekannte polnische Software-Schmiede D16 Group ergänzt ihre Silver Line Collection um drei weitere Effekte. Die Testkandidaten heißen Antresol (eine Reproduktion des Flanger-Klassikers Electric Mistress), Decimator 2 (die Bit-Crusher-Emulation alter AKAI-Hardware) sowie Devastator 2, ein Multiband-Distortion und Diodenclipper. Wir verraten euch, wie gut die vergleichsweise günstigen Effekte klingen.

Details

Allgemeines

Im Online-Shop der D16 Group sind die Einzeleffekte für 39 Euro erhältlich, die komplette Kollektion aus sieben Plug-ins kostet 199 Euro. Die Module gibt es für Windows im VST- und AAX- sowie für Mac OS X im AU- und VST-Format jeweils in 32 und 64 Bit. Alle Effekten bieten eine übersichtliche, fotorealistische Bedienoberfläche in zwei Größen. So lässt sich auch auf Notebooks gut arbeiten. Die Effekte sind mit Tag-basierten Preset-Browsern und einer MIDI-Learn-Funktion ausgestattet.

Antresol – Flanger-Emulation und mehr

Antresol ist die Reproduktion des Electro-Harmonix Electric Mistress. Dieses Flanger-Pedal bereichert seit den 70er-Jahren etliche Gitarrenspuren mit seinem psychedelischen Klang und gehört bis heute zu den beliebtesten seiner Art!

Konzept

Zwar erinnert die Reproduktion eher an ein 19-Zoll-Gerät, dennoch basiert Antresol auf dem Vorbild. Entsprechend wirkt in Antresol ein digital emulierter, analoger Eimerkettenspeicher, zu englisch Bucket Brigade Device. Dieser Schaltungstyp wurde früher oft zur Verzögerung von Signalen eingesetzt und kam daher auch in analogen Delays zum Einsatz. 

Die Emulation

Antresols True-BBD-Sektion ist das Herzstück des Plug-ins und erlaubt tiefe Eingriffe ins Schaltungsdesign. Die Sektion arbeitet in den drei Modi Mistress (dem Original entsprechend), Linear und Concave, wodurch sich die Soundtiefe des Signals verändert.

In der Emulation ersetzt ein digitaler Buffer die Eimerkettenschaltung und sorgt für das Zwischenspeichern des Signals. Mit Buffer-Length und Range kann die Größe dieses Speichers sowie die Anzahl der Wiederholungen angepasst werden. Kleinere Buffer-Werte sorgen für deutlich hörbare Artefakte, die sogar eine Art Bit-Crusher erzeugen können.

Unabhängige Kanalbearbeitung

Bevor das Signal in die Feedback-Schleife gelangt, bietet Antresol einen Input-Gain sowie einen M/S-Modus zur unabhängigen Bearbeitung der Mitten- und Seiten-Signale. wodurch das Plug-in eine weitaus flexiblere Klangbearbeitung von Stereo-Signalen ermöglicht. Mit dem doppelten Crossfader können die Kanäle in der Stereobasis übergeblendet werden. In der Stellung „Clone“ ergibt sich eine Art Mono-Effekt, da beide Kanäle zu 50 % auf die andere Seite kopiert werden. „Swap“ hingegen tauscht beide Kanäle.

Der Feedback-Regler lässt positive und negative Werte zu, wodurch die Phase des Feedback-Signals gedreht wird. Außerdem kann das Feedback ebenso kanalunabhängig (L/R und M/S) justiert werden wie auch die LFOs. Letztere lassen sich zum Tempo des Hosts synchronisieren und sind mit Offset, Rate und Depth ausgestattet. Ein zusätzlicher Phase-Shift-Regler variiert zwischen identischer bis hin zu 180 Grad gedrehter Phasenlage. Das ermöglicht interessante Stereo-Effekte, wie ihr in folgenden Beispielen auch hören könnt.

Der Nachfolger des Decimators arbeitet nach dem Resampling-Prinzip alter Hardware-Sampler. Solche Bit-Crusher werden gerne eingesetzt, um sterilen Sounds „digitale Kanten“ zu verleihen und diese durch Reduktion von Bits und Samplerate bewusst Lo-Fi klingen zu lassen. 

Automatisches Mixing

In der FX-Sektion erwartet uns neben dem Dry/Wet-Regler ein Auto-Mix-Modus, der das Effekt-Signal je nach Einstellung der Parameter automatisch hinzumischt. Beispielsweise wird das Wet-Signal zurückgenommen, wenn das Feedback aufgedreht wird. 

Decimator 2 – Bit-Crusher neu definiert

Bedienoberfläche und Konzept

Per Resolution-Regler wird das Signal zwischen 24 bis 1 Bit in der Auflösung reduziert. So entstehen Verzerrungenund Artefakte, die je nach Samplerate mehr oder weniger deutlich hörbar sind. Für die Samplerate ist dabei der Frequency-Parameter zuständig. Decimator 2 ist mit zwei neuen Filtern ausgestattet, die diese normalerweise erwünschten Artefakte filtern und für weichere, harmonischere Ergebnisse sorgen. Vor der Resampling-Sektion filtert das „Approximative Filter“ Obertöne des Signals; das „Images Filter“ hingegen bearbeitet das Signal nach Reduktion der Samplerate. Beide Filter sind an die Frequenz des Resamplers gekoppelt und beeinflussen das Signal daher nur so stark wie nötig – clever. 

Im Vergleich zum Vorgänger besitzt Decimator 2 einen regelbaren Jitter, der den Frequenzen harmonische Zufallsschwankungen hinzufügt. Darüber hinaus lassen sich per „DC-Shift‟ zwei Quantisierungs-Methoden wählen (mid-raiser und mid-tread). Durch Anhebung und gleichzeitige Dezimierung der Mitten ermöglichen sie es, unterschiedliche Quantisierungsdynamiken zu erzeugen. Um dabei entstehende Rundungsfehler zu beheben, bietet das Plug-in kontrollierbares Dithering. Weiterhin an Bord ist ein virtuell-analoger Multimode-Filter inklusive Resonanz, das als LP, HP, BP und Notch arbeiten kann und sich vor oder hinter Resampler und Quantisierung schalten lässt.

Devastor 2 – Multiband Distortion-Einheit

Der Devastor arbeitet mit drei Frequenzbändern und greift auf mehrere Dynamikprozessoren zu. Auch diese Distortion-Einheit emuliert analoge Technik, nämlich einen Diodenclipper mit sechs Clipper-Kurven. Durch Anti-Aliasing enthält das verzerrte Signal keine unerwünschten Artefakte, was zum warmen Klang des Plug-ins beiträgt.

Bedienoberfläche und Konzept

Das Plug-in teilt sich in Shaper, Diodenclipper, Signal-Routing, Filter und Master. Die drei Bänder wurden in der Version 2 mit flexiblerem Signal-Routing, aktualisierten Filtermodels und Dynamikprozessoren ausgestattet. 

Die Shaper-Sektion ist wie alle Plug-ins der Silver Line Collection mit einem Pre-Amp-Regler zur Eingangsverstärkung ausgestattet; der Dynamics Flattener normalisiert per One-Knob-Bedienung die Amplitude. Threshold regelt einen Kompressor, der das Signal vor der eigentlichen Verzerrung komprimiert. Der Diodenclipper bietet sechs Clipping-Kurven, die jeweils unterschiedliche Verzerrungscharakteristika erzeugen. Die Stärke des Clippers ist mit dem Shape-Regler justierbar.

Erweiterte Filter-Sektion

Die Filter-Modelle der ersten Version wurden überarbeitet und sollen noch analoger klingen. Zudem sind sie von 20 Hz bis 20 kHz regelbar. Die drei deaktivierbaren Bänder bieten die Charakteristiken Lowpass, Highpass, Bandpass sowie Notch; Hinzu kommt ein Resonanz- sowie ein Volume-Regler pro Band.

Die drei Filter können in neun Varianten vor oder hinter dem Diodenclipper abgegriffen werden. Im Gegensatz zum ersten Devastor mit nur drei Möglichkeiten für den Signalfluss hat sich also einiges getan. Durch einfachen Klick auf das entsprechende Symbol sind alle Varianten ersichtlich und schnell aufzurufen – sehr flexibel!

Master

Der neue Limiter in der Mastersektion verhindert Übersteuerungen am Output des Plug-ins, sowohl für das Wet- als auch für das Dry-Signal. Sollte man das Signal doch einmal zu heiß aussteuern, dient der Limiter als Notbremse. Er lässt sich nur aktivieren, nicht aber in seiner Funktion anpassen. Ein Dry/Wet-Regler ist in einem Distortion-Plug-in keine Seltenheit, in Verbindung mit den Dynamikprozessoren und den drei Frequenzbändern wird das Plug-in zu einer Multiband-Distortion-Waffe, die parallele Komprimierung und Verzerrung ermöglicht. Wie das klingt, hören wir uns im Praxisteil an.

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