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19.01.2018

Celemony Melodyne Essential Workshop

Der Einstieg in die monophone Bearbeitung von Audiofiles

Melodynes Einstiegsversion in der Praxis

Melodyne ist seit 2001 DAS Synonym für eine hochwertige und gleichzeitig intuitive Bearbeitung beziehungsweise Korrektur von Tonhöhe und Timing von Audiofiles. Der aktuelle Entwicklungsstand der größten Programmversion - Melodyne 4 Studio - ermöglicht eine Vielzahl innovativer und kreativer Anwendungen, welche die notwendigen Funktionen zur Korrektur von Gesangsspuren bei weitem übertrifft. Für Einsteiger in die Melodyne-Welt hat der Hersteller allerdings auch abgepeckte Varianten im Angebot.

Essential nennt sich die kleinste und schrittweise upgradefähige Melodyne Edition, deren Fähigkeiten ich in dem folgenden Workshop demonstrieren möchte. Als verwöhnter, langjähriger User größerer Melodyne-Versionen musste ich mich zunächst an einige Einschränkungen gewöhnen, um schließlich aber dennoch festzustellen, wie hoch bereits der Nutzwert der kleinsten Variante ist. Informationen zu fortgeschrittenen Anwendungen wie zum Beispiel dem Editing von polyphonem Material und dem Sound Design findet ihr in unserem vierteiligen Celemony-Melodyne-Workshop bei bonedo.

Details

Editionen und Kompatibilität

Melodyne Essential 4 bietet, wie es der Name verrät, die essenziellen Möglichkeiten zur Bearbeitung von (in erster Linie) monophonen Audioaufnahmen und lässt sich bei Bedarf auf die folgenden Editionen upgraden:

  • Assistant
  • Editor
  • Studio

Eine detaillierte Auflistung des Funktionsumfangs und der Unterschiede ist auf der Homepage von Celemony einzusehen. Im Wesentlichen unterscheiden sich die Editionen in der Anzahl der Werkzeuge sowie einer erweiterten Funktionalität (polyphone Algorithmen, Multitrack Note Editing, Sound Editor). Die Qualität der grundsätzlichen Bearbeitung ist in allen Versionen gleich, sodass man bei der Essential-Version keine klanglichen Kompromisse eingeht.

Allen Editionen weiterhin gemeinsam ist die Verwendungsmöglichkeit als Plug-in (AU, VST, RTAS, AAX, ARA), stand-alone und per Rewire. Eine Besonderheit ist die Integration in ARA-kompatible DAWs, wie z.B. Presonus Studio One und Magix Samplitude/Sequoia. Hier ist Melodyne quasi fester Bestandteil des Audio Editors, was sich positiv auf Workflow und Bearbeitungskomfort auswirkt. Da dieser Workshop überwiegend mit der „ARA-DAW“ Presonus Studio One 3 als Hostprogramm entstanden ist, durfte ich selber erstmalig den evolutionären Unterschied zu meiner gewohnten Arbeitsweise mit Melodyne als Plug-in erleben.

Einsatzmöglichkeiten und Algorithmen

Bevor wir uns konkret der Praxis zuwenden, sollte noch einmal eindeutig geklärt werden, wozu Melodyne Essential überhaupt verwendet werden kann. Zur Bearbeitung von Audiofiles stellt die Einsteigerversion die drei Algorithmen Universal, Percussive und Melodic bereit, welche in der Regel vom Programm selbständig und korrekt ausgewählt werden, sofern man keine andere Voreinstellung wählt. Bei Bedarf kann der Algorithmus auch nachträglich geändert werden. Bei zwei Algorithmen lässt sich der Einsatzzweck vom Namen gut ableiten: Percussive eignet sich zur Timing-Editierung von rhythmischem Material und Melodic zur Bearbeitung von Gesang sowie monophonen Instrumenten. Beim Algorithmus Universal handelt es sich um eine ressourcensparende Variante für jegliches Material mit rudimentären Zugriffsmöglichkeiten. Eine typische Anwendung ist beispielsweise eine Tempo- oder Tonhöhenänderung eines kompletten Files bzw. einer Audioregion.

Ein zusätzliches Feature von Melodyne Essential ist die Tempoerkennung von tempodynamischem Audiomaterial, die lediglich in der Stand-Alone-Variante zur Verfügung steht und in diesem Workshop nicht thematisiert wird. Im Kern geht es im Folgenden um den primären Einsatzzweck des Programms: der Bearbeitung monophoner Audiospuren, wie Gesang oder melodiösen Instrumentalparts.

Import

Auf welche Weise das zu bearbeitende Audiofile Melodyne zugeführt wird, hängt von der verwendeten Melodyne-Variante beziehungsweise Einbindung (Plug-in, ARA, stand-alone) ab. In allen Fällen ist die Handhabung simpel. Während in der Stand-Alone-Version und in ARA-kompatiblen DAWs das verfügbare oder aufgenommene Audiomaterial unmittelbar oder nach dem Ausführen des entsprechenden Menübefehls/Tastaturkommandos in Melodyne erscheint, muss man bei der Verwendung des Plug-ins zunächst Melodyne insertieren und die Audioregions in Echtzeit transferieren. Das funktioniert quasi wie eine gewöhnliche Aufnahme und kann je nach Umfang des zu importierenden Materials ein paar Minuten dauern. Im Anschluss wird das analysierte Material grafisch dargestellt. Der dicke, sogenannte „Blob“ markiert die erkannte Note (Notenschwerpunkt), während eine feine Linie den exakten Verlauf der Tonhöhe inklusive Vibratos und sonstigen Modulationen anzeigt

Notenzuweisung (Note Assignment Mode)

Eigentlich besitzt dieser Arbeitsbereich, der grundsätzlich der meist sinnvollen Korrektur von Fehlanalysen bei der Notenerkennung dient, bei Melodyne Essential eine deutlich niedrigere Relevanz als bei polyphonen „Sauereien“ der größeren Versionen. Das liegt daran, dass solche Fehlerkennungen bei melodischem Material heutzutage nur noch selten vorkommen. Dennoch sollte man im Bedarfsfall mit den elementaren Tools der Notenzuweisung, die in den folgenden Abbildungen zu sehen sind, vertraut sein.

Manche Fehlerkennungen erfordern zunächst eine Bearbeitung mit den oben genannten Werkzeugen bevor mit den eigentlichen Korrekturwerkzeugen gearbeitet werden kann.

Werkzeuge/Makro

Zur tatsächlichen Bearbeitung von Tonhöhe und Timing stellt Melodyne Essential zwei unterschiedliche Vorgehensweisen bereit, die auch nach Belieben miteinander kombiniert werden können: Tools und Makros. Im Vergleich zu den größeren Programmversionen erscheint die Toolbox mit ihren drei Werkzeugen zunächst puristisch. Allerdings handelt es sich beim Main Tool um ein Multifunktionswerkzeug (vergleichbar mit dem Smart Tool in Pro Tools), welches verschiedene Werkzeuge der größeren Editionen in sich vereint und je nach Positionierung auf einem Blob für die folgenden Bearbeitungen verwendet werden kann:

  • Veränderung der Tonhöhe
  • Veränderung des Start- oder Endpunkts eines Blobs
  • Teilen eines Blobs, um dessen Bestandteile separat bearbeiten zu können

Die benachbarten Scroll- und Zoom-Werkzeuge (siehe Abbildung) machen genau das, was Scharfsinnige aufgrund ihrer Namensgebung vermuten. Ich persönlich bevorzuge für diese beiden Funktionen das Scrollrad der Maus und Tastaturkommandos, die sich wie die meisten Funktionen in den Settings konfigurieren lassen. 

Als Alternative zur Bearbeitung per Werkzeug bietet Melodyne zwei Makro-Fenster zur Tonhöhen- und Timingkorrektur, die sich beim Anklicken der jeweiligen Schaltflächen (siehe Abbildung) öffnen und ausschließlich selektierte Blobs entsprechend der vorgenommenen Einstellung verändern.

Beide Fenster bieten eine prozentual-stufenlose Korrekturmöglichkeit entsprechend der eingestellten Tonhöhen- oder Quantisierungsskala. Wurden selektierte Blobs oder Noten bereits manuell bearbeitet, muss die Schaltfläche „include notes fine-tuned manually“ zur weiteren Bearbeitung durch die Makro-Funktionen angeklickt werden.

Man beachte den Regler „Pitch Drift“ im Correct Pitch Macro. Diese Funktion ermöglicht die Optimierung des Tonhöhenverlaufs innerhalb angewählter Blobs, als würde man ein Regal während der Montage mit einer Wasserwaage ausrichten, was bei einigen Sangeskünstlern durchaus vorteilhaft sein kann. Indem Ungleichheiten nach Art einer Wasserwaage homogenisiert werden, was bei einigen Sangeskünstlern durchaus vorteilhaft sein kann. In den größeren Melodyne-Versionen steht hierzu ein separates Werkzeug zur Verfügung, per Makro funktioniert es allerdings genauso gut. Die Ergebnisse der Makro-Bearbeitung können nachträglich mit den Werkzeugen verfeinert werden und umgekehrt. 

Am Ende dieses Workshops findet ihr ein Video, in dem ihr die folgenden wesentlichen Tools und Features in Aktion erleben könnt. 

Raster/Grid

Zur Bearbeitung per Werkzeug ist es bei Bedarf möglich, verschiedene Tonhöhen- sowie auch Timingraster über das Optionsmenü zu aktivieren. Diese können während der Bearbeitung über das Betätigen der Alt-/Options-Taste deaktiviert werden. So nutze ich persönlich in der Regel das Timingraster, welches mir optisch zur Editierung die größte Hilfe bietet, setze es zur Feinarbeit aber per Tastaturbefehl außer Kraft. Die Nutzung von Tonhöhenskalen entsprechend der Tonart des Songs kann zur Findung von potentiellen Gesangsharmonien in der Kompositionsphase sehr nützlich sein, wobei das Arbeiten mit der chromatischen Skala oder ganz ohne Skalierung, also rein nach Gehör, häufig zu natürlicheren Ergebnissen führt – sofern Natürlichkeit und Authentizität Bearbeitungsziele sind.

Besonderheiten der ARA-Integration von Melodyne

Zusätzlich zur unmittelbaren Verfügbarkeit von Melodyne auf allen Audioregions bietet das Arbeiten mit ARA-kompatiblen DAWs diverse Vorzüge für den Workflow und Komfort. Gemäß Celemony kann es zwischen einzelnen DAWs geringfügige Unterschiede entsprechend der konkreten Implementation geben. Für diesen Workshop habe ich Presonus Studio One 3.5 verwendet, wo mir die folgenden Punkte erwähnenswert erscheinen: 

Ein wesentlicher Unterschied zur Arbeit mit der Plug-in-Version ist, dass die Melodyne-Erkennung sowie erfolgte Bearbeitungen fest mit der entsprechenden Audioregion verbunden sind. Verschiebt man eine Region im Arrangementfenster oder verändert man den Start- oder Endpunkt der Region, so wird dies direkt im Bearbeitungsfenster von Melodyne angezeigt. Ein großer Vorteil, da man problemlos Änderungen am Arrangement vornehmen kann, ohne die bearbeiteten Files vorher bouncen zu müssen. Als Bearbeitungshilfe kann zwischen zwei Ansichten beziehungsweise Modes gewählt werden, dem Track Mode und dem Clip Mode. Die folgenden Abbildungen zeigen, was es damit auf sich hat.

 

 

Eine weitere nützliche Funktion, über die das Plug-in nicht verfügt, ist die Compare-Funktion, welche über ein unscheinbares Bedienfeld in der oberen rechten Ecke bedient wird. Hiermit wird der unbearbeitete Zustand des Files sowohl akustisch als auch visuell präsentiert, sodass man durch Toggeln der Schaltfläche gut erkennen kann, welche Tonhöhen- und Timingkorrekturen man bereits durchgeführt hat.

In Presonus Studio One Professional ist bereits eine volle Lizenz von Melodyne 4 Essential enthalten, während in der etwas abgespeckten Artist-Version lediglich eine zeitlich begrenzte Demoversion bereitgestellt wird. Obwohl es sich hier um keinen Testbericht handelt, möchte ich die Kombination aus Melodyne Essential und Presonus Studio One als sehr gelungen bezeichnen, indem die wesentlichen Tools zur Gesangskorrektur in einen intuitiven Workflow eingebettet sind.

Im folgenden Video sieht man die wesentlichen Funktionen von Melodyne Essential in ihrer Anwendung:

Weitere Tipps zu Melodyne und zum Vocal Editing allgemein findet ihr in unserem Workshop Gesang professionell Aufnehmen, Editieren und Mischen.

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