Gitarre Hersteller_Boss
Test
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25.02.2011

Details

Gehäuse/Optik
Wie alle Boss-Bodentreter kommt auch der PS-6 Harmonist in einem stabilen Metalldruckguss-Gehäuse. Farbtechnisch hat sich Boss diesmal für eine dezente Blau-Metallic-Lackierung entschieden. Im „Norden“ der Pedal-Oberseite findet man vier versenkt eingebaute Regler auf schwarzem Hintergrund. Der breite Fußschalter ist mit Gummi überzogen, um ein rutschfestes Treten und Schalten zu gewährleisten. Hinter dem Schalter verbirgt sich das Fach für die 9V-Blockbatterie. Mit einer Rändelschraube an der Vorderseite kann es geöffnet und die Batterie ausgetauscht werden. Bei einem Stromverbrauch von ca. 45 mA sollte man aber darüber nachdenken, das Gerät mit einem Netzteil zu betreiben. Die zusätzliche Investition lohnt sich spätestens nach mehreren Batteriewechseln. Mal ganz abgesehen davon, dass die Stromversorgung – Murphy sei Dank- ja immer im ungünstigsten Moment den Geist aufgibt. Die Buchse für den Netzteilbetrieb findet man hinten auf der „Nordwand“ des Pedals. Damit der Harmonizer stabil auf der Bühne steht, ist die Unterseite ebenfalls teilweise mit Gummi beschichtet.

Rückseite/Anschlüsse
Die Klinken-Anschlüsse haben an den beiden Seiten (also im Osten und Westen) des Gehäuses Platz genommen. Rechts findet sich der Input und die Buchse zum Anschluss eines Expression-Pedals, auf der linken Seite sind standardgemäß die beiden Ausgänge A/B untergebracht - der Harmonist kann nämlich auch in Stereo betrieben werden.

Bedienung
Die Abkürzung PS-6 steht zwar für Pitch-Shifter, doch das ist eigentlich etwas tief gestapelt. Denn tatsächlich kann der Bodentreter schon einiges mehr, als „nur“ einen Ton hinzuzufügen (was ja „laut Definition“ die normale Funktion eines Pitch-Shifters wäre). Es gibt insgesamt fünf unterschiedliche Betriebs-Modi, die sich mit dem Mode-Rasterpoti anwählen lassen.

Los geht es mit der Harmonist-Funktion und den beiden Modes Major und Minor. Diese beiden Betriebsarten  sind intelligent, dass heißt sie sind in der Lage, dem gespielten Ton das „musiktheoretisch“ richtige Intervall hinzuzufügen. Und das geht so: Nachdem man sich mit dem Mode-Regler für Dur (Major) oder Moll (Minor) entschieden und mit dem Key-Regler die gewünschte Tonart angewählt hat, stellt man mithilfe des Harmony-Reglers das Intervall ein, das der PS-6 den jeweils gespielten Tönen hinzufügen soll. Bei beiden Harmonizer-Funktionen hat man die Möglichkeit, entweder einen oder zwei zusätzliche Töne hinzuzufügen. Hier sind die 11 verschiedenen Einstellungen des Shift-Reglers, ein Minus (-) vor dem Intervall bedeutet, dass es tiefer als der Originalton ist. Wenn nichts dabei steht, ist das Intervall höher angesiedelt.

Und was soll daran jetzt „intelligent“ sein? Nun, ganz einfach. Möchte man eine Linie so harmonisieren, dass das Ganze anschließend schlüssig klingt, muss der Harmonizer auf die Struktur der Tonleiter/Tonart eingehen, in der man sich solomäßig bewegt. Ein Beispiel: Ich spiele in der Tonart C-Dur und möchte mein Solo mit Terzen harmonisieren. Bei einem normalen Pitch-Shifter habe ich jetzt die Möglichkeit, entweder eine große oder eine kleine Terz auszuwählen, die dann stur durchgehalten wird. So kommt es zwangsläufig zu Tönen, die nicht in der Tonart zu finden sind, in der ich gerade spiele. Habe ich zum Beispiele eine große Terz gewählt, würde ein normaler Pitch-Shifter über den gespielten Ton E ein G# ergänzen, obwohl dieser Ton gar nicht in der C-Dur Skala enthalten ist. Der PS-6 macht das anders: Hier wähle ich z.B. nur das Intervall „Terz“. Der intelligente Harmonist ergänzt jetzt automatisch mit diatonischen Tönen aus der gerade gewählten Tonart. Im Falle unseres gespielten Tons „E“ würde er also ein“G“ aus dem Hut zaubern, die kleine Terz von E. Dasselbe macht er übrigens auch bei allen anderen angebotenen Intervallen (Sexte, Septime, etc.). Als Ergebnis daraus klingt mein harmonisiertes Solo innerhalb der vorausgewählten Tonart perfekt.

Und da man im Harmonist-Mode auch zwei Töne ergänzen lassen kann (-Quarte & Sexte und +Okatve & -Okatve, Terz & Quinte und Terz & - Quarte), geht das Ganze sogar dreistimmig.

Pitch-Shifter
Im Pitch-Shifter Modus wird dem gespielten Ton ein zusätzlicher Ton hinzugefügt, der (wie eben bereits beschrieben) jetzt aber im immer gleichen Abstand zum gespielten Ton liegt, sich also nicht nach einer Tonleiter richtet. Der Key-Regler hat hier keine Funktion. Mit dem Shift-Regler wird das entsprechende Intervall ausgesucht. Hier sind 11 verschiedene Kombinationen möglich:

-5 bedeutet, dass der Zusatzton eine Quinte tiefer als das gespielte Original, +5 ergänzt den Ton um eine Quinte höher.

Detune
Im Detune-Mode wird ein Chorus-ähnlicher Effekt erzeugt, der dadurch zustande kommt, dass das Pedal dem Originalsignal einen (oder zwei) nur leicht verstimmten Ton hinzufügt. Die Intensität, bzw. der Grad der Verstimmung wird wiederum mit dem Shift-Regler eingestellt. Hier die angebotenen Möglichkeiten:

Super Bend
Im Super-Bend-Mode werden Tonhöhenverschiebungen, die üblicherweise mit dem Vibratohebel oder dem Bottleneck erzeugt werden, per Pedal erledigt. Der Hersteller spricht hierbei vom „virtuellen Vibratohebel“,  mit dem sich folgende Bewegungen ausführen lassen:

Um den Effekt zu verwenden, muss der Fußschalter permanent gedrückt werden, denn nur dann wird der Ton moduliert. Mit dem Balance-Regler stellt man die Zeit ein, die vergeht, bis der Zielton erreicht ist (Rise Time). Mit Key wird die Zeit justiert, die es dauert, bis der Ton dann wieder zum Original zurückgekehrt  ist (Fall Time).

In allen Modi, bis auf „Super Bend“, wird das Verhältnis zwischen Original- und Effektsignal mit dem Balance-Regler eingestellt.

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