Gitarre
Test
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28.02.2018

Praxis

Der erste Eindruck bestätigt: Wir haben es mit einer echten Bose zu tun. Zwar ist die Bassbetonung wie bei der Consumer-Linie recht stark, dafür löst der kleine Speaker auf Zimmerlautstärke aber sehr fein und detailliert auf. Ungewohnt ist, dass die Volume-Regler nur verzögert reagieren. Regele ich die Lautstärke zu schnell, reagiert die S1 Pro mit einem Lautstärkesprung, diese Regler wollen sanft betätigt werden. Nun zu den vier Aufstelloptionen:

Desktop: Die Box steht plan auf dem Tisch oder einer anderen Fläche. Ideal für Sprecher, spontane Treffen, Konzerte oder Ansprachen von der Ladefläche eines LKWs. Der Sound hat viel Bass und wirkt im Nahfeld übersättigt. Das versendet sich allerdings mit zunehmendem Abstand.

Boden: Die Box kann um 45° auf die hintere Ecke gekippt werden und steht dann stabil beispielsweise auf dem Boden. Die Bassbetonung entfällt, trotzdem wirkt der Sound im Nahfeld sehr satt. Der Sound verteilt sich im Raum dank Spatial Dispersion gleichmäßig, es tönt angenehm und sauber. Der Anwender sollte neben der Box stehen, um erstens kein Hindernis darzustellen und zweitens die Box als Monitor nutzen zu können.

Monitor: Die Box wird wie ein Floorwedge auf die Seite gelegt, die Lautstärkeregler sind nach wie vor gut bedienbar. Dank des Onboard-Mischers kann man das Signal direkt vom Monitor in die FOH einspeisen. Andererseits lässt sich das klassische Monitorsignal des FOH mit Reverb und EQ bearbeiten. Der Bass klingt sehr flach und die unteren Mitten gedämpft. Dadurch ist der Nahfeldbereich sehr clean. Stimme und Gitarre kann ich so wunderbar wahrnehmen.

Stativ: Per Boxenständer verwandelt sich die S1 Pro in eine frei stehende PA-Box, dementsprechend mehr Schub gibt es im Bass, kombiniert mit einem Mitten-Boost. Die Präsenz ist enorm gut und auch im mittleren Feld klingt der Bass kräftig. Bei Partylautstärke vermisse ich hingegen die unteren Frequenzen. Da stößt der Sechszöller halt an seine physikalischen Grenzen.

Bei allen Anwendungen habe ich der Box Lautstärken um die 95 – 100 dBa entlocken können, bevor die rote Lampe der Signalübersteuerung das Ende der Fahnenstange angezeigt hat. Bei bassbetonter Musik und EDM muss man mit bedeutend weniger Vorverstärkung arbeiten, da sonst der Sechszöller schnell zum Flattern neigt. Bei „sauber“ produzierter Musik und Live-Anwendung kann ich die Verstärker voll anfahren und erreiche ein Publikum von 25 Personen.

Konzertant

Die Box teste ich in einem akustisch relativ trockenen Raum und in der benachbarten Kochschule mit viel Nachhall. In beiden Locations macht die Bose S1 Pro eine gute Figur, der Sound setzt sich gut durch, ohne im Hall unterzugehen. Jetzt schalte ich zum Bluetooth-Playback noch meine Bassgitarre und ein SM58 in den ersten beiden Kanälen zu und aktiviere die ToneMatch-Optimierung. Beim Mikrofon funktioniert das hervorragend. Leider eliminiert sie nicht ganz die Störgeräusche des Pickups, die leise im Hintergrund mitsummen. Trotzdem klingt der E-Bass direkt angeschlossen sehr gut.

Der Hall ähnelt einer hochwertigen Hallspirale und gibt Vocals einen drahtigen Touch. Die Spatial Dispersion sorgt für eine breite Abstrahlung, wobei mir im konzertanten Kontext der Aufbau am Boden am besten gefällt. Nutze ich die S1 Pro als Musikbox, empfiehlt sich der Aufbau als Desktop-Gerät, da der Bassboost für mehr Substanz sorgt.

Monitoring

Um einen guten Sound zu erreichen, brauche ich circa zwei Meter Abstand von der S1. Das Hantieren mit dem offenen Mikrofon macht der Bose dabei wenig aus. Feedback meldet sich erst bei einem Abstand unter 40 Zentimetern.

Vox Solo

Für Sprachanwendungen bietet die S1 Pro hinreichende Eingriffsmöglichkeiten, sodass ihr auch mit kleinem Besteck sehr weit kommt, zumal ToneMatch das Beste aus dynamischen Wandlern rausholt. Der Federhall klingt meines Erachtens auf der Solo-Stimme nicht so schön. Feesdack muss man ebenfalls nicht befürchten, solange der Mindestabstand von 40 Zentimetern nicht unterschritten wird.

Bluetooth

Das Bluetooth-Modul meldet sich problemlos bei einem Abspielgerät als Bose S1 Pro an und lässt sich in einem Umkreis von 15 Metern gut benutzen. Die optimale, nicht störbare Distanz zwischen Sender und Empfänger liegt allerdings bei unter zwei Metern. Zu beachten ist, dass bei Smartphones der Stream unterbrochen wird, wenn ein Anruf eingeht.

Akkubetrieb

Der Akku wird mit einer Vorladung von 25 Prozent geliefert und kann via Schnellaufladung innerhalb von 80 Minuten von 25 auf 100 Prozent gebracht werden. Leider ist der genaue Ladestatus schwierig abzulesen, da sich die Box diesbezüglich nur über die blinkende Betriebslampe mitteilt. Zunächst starte ich mit einer einstündigen Testphase unter Volllast und entlade den Akku auf 50 - 75 Prozent. Bei weiterem dreistündigen Betrieb bei Zimmerlautstärke sinkt der Ladezustand auf 25 - 49 Prozent. In den kommenden drei Stunden (Leerlauf und Zimmerlautstärke) fällt die Ladung auf unter 10 Prozent. Hochgerechnet komme ich also auf gute drei Stunden Vollast oder neun Stunden Zimmerlautstärke.

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