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27.08.2015

B.log - Traktor, Serato, Rekordbox, Djay – wohin geht die Reise?

Aktuelle Tendenzen im Fokus

DVS, Autosync, Hotcues, Sampler, Loops: Was vor wenigen Jahren noch für Begeisterungsstürme und heftige Insider-Diskussionen sorgte, gehört mittlerweile „zum guten Ton“ einer DJ-Software. Doch in Zeiten, in denen sich DJ-Softwares funktional immer weiter aneinander annähern, ist es um so wichtiger, ein Alleinstellungsmerkmal aufzuweisen, um Einsteiger, Umsteiger, aber auch den einen oder anderen „festgefahrenen“ Profi für sich zu gewinnen. Wohin geht die Reise für Traktor, Serato, Rekordbox und Co? Schwer zu sagen, aber machen wir mal eine Momentaufnahme und orakeln ein wenig herum.

Native Instruments

Nehmen wir gleich mal Native Instruments. Sie haben soeben mit Stems ein neues Musikformat eingeführt, das es dem DJ ermöglicht, innerhalb eines Tracks mehrere Spuren zu mixen. Aktuell erlaubt das zugrunde liegende MP4-Format den Zugriff auf vier Spuren wie Beats, Bass, Hook und Vocals. So lassen sich - ein kompatibler Controller vorausgesetzt - im Handumdrehen Instrumentals und Acapellas muten, aber natürlich auch Mashups und Remixes erstellen. Hier findet ihr im Übrigen einen Crashkurs dazu.

Native Instruments stellt zudem das kostenlose Stem Creator Tool bereit, mit dem ihr eigene Stem-Dateien erstellen könnt. Was dann noch fehlt ist ein kompatibler Controller. Traktor Kontrol D2 und S8 verfügen über integrierte Bildschirme und unterstützen diese Technologie direkt. Zudem lässt sich auch ein kleineres Setup jederzeit „plug-and-play“ durch ein passenden Add-on-Gerät erweitern, wodurch der Käufer auch bei kommenden Software-Updates so ziemlich auf der sicheren Seite steht.

Durch die enge Verzahnung von Software und speziell darauf zugeschnittener DJ-Hardware, bietet Native Instruments somit einen äußerst effizienten Workflow und quasi „alles aus einer Hand“. Im Übrigen gilt das ebenso für das Beat-Production Studio Maschine und die Komplete-Serie. Manch einer spricht in diesem Zusammenhang wohl zu Recht vom NI-Dreigestirn.

Und dies könnte durchaus ein Vorteil für die NI-Kosmonauten sein, beispielsweise die Traktor User, sollten Traktor, Komplete und Maschine in Zukunft ineinander greifen und das immer mal wieder von der Community geforderte Maschine-Deck in Traktor Einzug halten oder das Stem Creator Tool, zu sehen im nachfolgenden Clip, direkt in die NI-Produktionsumgebung integriert werden. Vor gut einem Jahr fand auch mal ein Treffen zwischen Google Chairman Eric Schmidt und Daniel Haver statt, das Anlass zu einigen Vermutungen (Android App, Streaming Music) gab, wie die Kollegen von Gearnews zu berichten wussten.

Pioneer

Einen nicht zu unterschätzenden Vorteil hat auch Pioneer in der Hinterhand, denn sie können, was ihre Laufwerke und Mixer angeht, auf eine große Infrastruktur in der hiesigen Club-Landschaft blicken. Kürzlich erst stellten sie den XDJ-RX (hier im Test) vor, der sich sämtliche relevanten Daten wie Waveforms, Beatgrid und Trackinfos vom USB-Datenträger zieht und nun liegt eine neue Rekordbox-Version in der Luft. Was lange Zeit lediglich eine Software zum Vorbereiten und Analysieren der Musikbibliothek für Pioneer-Player war, wird mit dem neuen Software-Update laut allgemeiner Einschätzung zu einer vollständigen DJ-Software ausgebaut, so wie Serato oder Traktor. 

Pioneer könnten also mitunter ihr Produktportfolio auf einen Schlag mit einer eigenen DJ-Programm versorgen. Fraglich ist dabei jedoch unter anderem, wie sie, da sie ja nun auch Turntables bauen und soeben einen neuen Battlemixer vom Stapel laufen lassen haben, dem Thema DVS-Integration gegenüberstehen. In Kürze werden wir es wissen. Hier der Rekordbox-Teaser. 



Algoriddim Djay

Interessant finde ich auch die Entwicklung bei Algoriddim. Betreten wir also mal den Sektor der Hobby- und Gelegenheits-DJs und Privatanwender, wobei ich nicht sagen möchte, dass man mit Djay nicht auch kommerzielle Parties bestreiten kann, nur ist die Verbreitung und Akzeptanz im professionellen Sektor (noch) nicht so hoch.

Nachdem sich Algoriddims DJ-Apps auf iOS und Android Smartphones und Tablets ja nun schon seit geraumer Zeit größter Beliebtheit erfreuen, ja sogar eine Apple-Watch Umsetzung programmiert wurde, mit der geneigte User ihre Playlisten via Smartwatch mixen können, hat sich Algoriddim zuletzt der Mac-Version gewidmet.

Kurzerhand wurde die Software in Djay Pro umbenannt und ihr wurden vier Decks mit farbcodierten Wellenformen, ein Videomixer und ein erweitertes Kreativ-Arsenal verpasst. Wer möchte, kann neue FX-Packs der Software-Schmiede Sugarbytes dazu kaufen. Obendrein lassen sich BPM- und Key-Informationen über die Cloud austauschen, Titelempfehlungen nutzen und Playlisten teilen. MIDI-Mapping und Controller-Support beherrscht das Programm auch.

Den größten Coup, sicher auch im Privatsektor anzusiedeln, konnten Algoriddim meiner Meinung nach jedoch mit ihrem Spotify-Deal landen. Djay Pro für Mac erlaubt nämlich, genau wie die iPad-Version, Musik aus dem Fundus des Streaming-Anbieters aufzulegen, wenn man über einen Premium Account verfügt. Sie schlägt einem dazu auch gleich passende Folgetitel vor. Hier gibt es unseren Crashkurs zum Thema.

Leider lassen sich diese Mixe jedoch nicht mitschneiden und die Titel werden immer gestreamt. Quasi undenkbar für ein öffentliches oder kommerzielles Event (Gema und GVL mal außen vor). Aber genau hier liegt eigentlich ein ziemlich großes Potenzial. Auf meinem iPad beispielsweise kann ich Spotify-Musik offline speichern. Warum also nicht die Bibliothek des Players einbinden und Offline-Tracks für den Mix verfügbar machen? Auflegen mit Flatrate, sozusagen.

Serato

Einst ausschließlich für Besitzer von Rane Hardware nutzbar, hat Seratos DJ-Software in den letzten Jahren eine 180 Grad Wandlung hingelegt. Was mit Scratch Live begann, führte via Serato Itch für Controller zu der Software Serato DJ, die mittlerweile als abgespeckte Intro Version mit zahlreicher DJ-Gear kompatibel ist. Kommt eine neue unterstützte Hardware auf den Markt, gibt´s ein passendes Software-Update, das auch gleich ein paar Bugs ausmerzt oder hier und da ein neues Feature spendiert – manchmal auch an Hardware gekoppelt. Wer möchte, kann in Serato DJ Funktionen via In-App-Purchase nachrüsten. Darunter Video, Effekte und DVS-Funktionalität. Ein paar Tutorials findet ihr hier.

Mit einem Blick auf den Numark NV diskutierten manche Forenbeiträge bereits über ein „Serato Embedded“, doch im Gegensatz zu Pioneer und NI baut das neuseeländische Softwarehaus keine eigene Hardware, die der Sache Vorschub leisten könnte. Den Markt für Scratcher und Turntablisten gestalten sie allerdings wie eh und je maßgeblich mit.

Eure Meinung

Soweit meine vier Momentaufnahmen, doch natürlich darf man auch die anderen DJ-Softwares nicht außer Acht lassen, beispielsweise Mixvibes Cross, PCDJ Dex, Virtual DJ und Ultramixxer.

Wir fassen zusammen: Moderne DJ-Software läuft auf dem Rechner oder macht Gebrauch von Daten auf einem USB-Stick, lässt intensive Track-Verwurstung und Remixing mit mehreren Spuren pro Track zu oder integriert Video. Sie gleicht relevante Daten wie BPM, Cues, Mix-Punkte und Playlisten über die Cloud zwischen Rechnern und mobilen Devices ab, interagiert mit sozialen Netzwerken, indem sie Tracklists postet, bedient sich aus dem Fundus diverser Streaming-Portale und schlägt einem auch gleich kuratierte Folge-Tracks vor. Sie lässt sich nach Bedarf erweitern und über Controller steuern.  

Doch wohin geht die Reise? Welche Rolle spielt Streaming? Brauchen wir das Laptop als Digital-DJs überhaupt noch oder gibt es bald nur noch Onboard-Lösungen in Bildschirm-Controllern? Lasst uns gern eure Meinung wissen und nutzt dafür die Kommentarfunktion.

Euer Peter Westermeier

(Redaktion DJ/PA)

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