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09.05.2015

B.log - Native Instruments Stems... nachgehakt in der DJ-Redaktion

Live-Remixing leicht gemacht?

Im Juni führt Native Instruments das Open-Source Multitrack-Audioformat Stems ein. Basierend auf dem MP4-Container fasst eine Stem-Datei vier Einzelspuren zusammen, also zum Beispiel Beats, Bass, Leads und Gesang und ermöglicht den Live-Performern und DJs, ohne viel Aufhebens mit diesen vier Bestandteilen des Musikstücks zu arbeiten respektive aufzulegen und on-the-fly Remixes zu generieren. Einzelne Spuren muten, loopen, mit Effekten versehen oder unterschiedliche Stem-Dateien kombinieren und auf einem anderen Deck eigenes Material hinzufügen  - alles scheint möglich. Wir haben einmal nachgefragt, was die bonedo.de DJ-Autoren davon halten ...

Daniel Wagner

Die Entwicklung eines Multitrack-Audioformats und dessen Einbettung in Traktor ist der nächste logische Schritt,  den Native Instruments auch konsequenterweise geht. Es bietet größere Anreize für die Verwendung der  Remix-Decks im DJ-Mix, vorausgesetzt diese werden auch die Hosts für das neue Audioformat sein. So kann der User mit Traktor zukünftig die Veröffentlichungen von angesagten Künstlern noch effektiver live remixen und in seine DJ-Sets integrieren. Übergänge können so viel flexibler gestaltet werden, was für viele Traktor-User einen echten Mehrwert darstellen könnte, immer vorausgesetzt, dass Künstler, Labels, Vertriebe und Onlineshops die Neuerungen auch annehmen und den Vertrieb des von NI entwickelten Multitrack-Audioformats auch unterstützen.

Peter Westermeier

Ist es nicht das, was sich ein Teil von uns seit dem Aufkommen der ersten Chicago House Sounds oder gar noch früher schon gewünscht haben? Als DJ die Bestandteile eines Musiktitels zu verwursten, wie es einem gefällt? Ja, klar gab es auf Vinyl auch Acapella-, Instrumental- und Beat-Versionen, aber gerade richtig gute Vocals waren und sind noch immer rar gesät. Wenn das Thema richtig angegangen wird und nicht ausschließlich Juno, Beatport, Traxsource und Co, sondern auch Kataloge mitziehen, die Rock-, Pop- Disco, Funk, und Soul-Labels vermarkten, dann könnten DJs zukünftig Hooks, Leads, Vox und Sounds aus aktuellen, hinlänglich bekannten und weiniger bekannten Produktionen in ihr Set integrieren. Aber bis dahin ist es wohl ein langer, steiniger, Weg und wahrscheinlicher ist, dass die Electronic Dance Fraktion hier ein weiteres Vertriebsmodell für ihre Chartbuster findet. Und klar, mit nur vier verfügbaren Tracks muss man wohl davon ausgehen, dass die Spuren auch zusammengemixt sind. Aber wer weiß, vielleicht kommt ja zu den 4-Track-Stems für den Einsteiger noch die teurere „Deluxe-Version“ dazu.

Jedenfalls dürften Native Instruments damit auch bei denjenigen DJs Interesse wecken, die sich vorher Aufgrund des Lego-Prinzip der Remix-Decks nicht zum Soundschubsen berufen fühlten, denn nun liegen die Tracks linear vor und können gemutet, getauscht und mit Effekten beackert werden. Mal sehen, ob es am Ende Mainstreamtauglich ist und durchschlägt, oder nur ein laues Lüftchen weht. Ich jedenfalls bin gespannt und drücke allen Beteiligten die Daumen.

Rick Ski

Als ich zum ersten Mal las, dass Native Instruments ein Mehrkanalformat für ihre Traktor-Software auf den Markt bringen, dachte ich mir: „Endlich setzt mal jemand diese längst überfällige Idee in die Tat um!“ Denn als ich vor einiger Zeit einige Auftragsproduktionen im Surround-Format komponiert und gemischt hatte, dachte ich mir das es eine super Sache sei, könnte man Songs im 5.1. Format in einem Club mit entsprechend konfigurierter PA als DJ auflegen. Schade, dass dies auch mit Stems wohl nicht möglich sein wird, denn laut NI stehen lediglich vier statt der benötigten sechs Tracks zur Verfügung. Möglich wäre allenfalls ein Quadrofonie-Setup. Gut, NI verfolgt mit Stems eher andere Ziele und möchte den DJs größere Möglichkeiten geben, während der Performance in das Song-Arrangement einzugreifen. Schön und gut, aber mit nur vier Spuren? Verteilt man einzelne Instrumente des Arrangements auf die vier Monospuren des Stem-Formats, so fehlt diesen zwangläufig die Stereobreite der Ambience. Das klangliche Ergebnis wird sich daher wahrscheinlich relativ trocken und dünn anhören. Ich bezweifle außerdem, dass Traktors Effekte den Job einer professionellen DAW-Mixdown-Umgebung adäquat übernehmen können. Vier Stereo-Tracks, die man nach Belieben mischen und muten kann, hätte ich da viel praktischer gefunden. Damit wäre es auch ein leichtes, Traktor 5.1-fähig zu machen. Aber ich will hier nicht alles schlechtmachen, denn immerhin macht NI mit Stems endlich den Anfang in Sachen Mehrkanal-Sound für DJs. Vielleicht braucht das Ganze auch einfach noch ein wenig Zeit, um sich zu entwickeln. Ich bin gespannt auf die weiteren Innovationen in diesem Bereich.

Manou

Darüber hätten sich die DJs gefreut, als es Mitte der 90er mit den Mashups, damals noch "Booteimix" genannt, losging. Damit ergeben sich ganz neue Möglichkeiten des Re-Arrangierens und Mixens. Cool!

Numinos

Vier Stereospuren in einer Datei?! Das Multimedia-Container-Format MP4 macht´s möglich und Native Instruments haben sich die, zugegeben nicht ganz uneigennützige Mühe gemacht, aus dieser bislang wenig genutzten Möglichkeit, einen Standard zu machen. Auch an dem mehr als sinnfälligen Namen „Stems" sollten die Marketingfüchse nicht allzu lange gegrübelt haben, ist doch der Begriff des Stem-Masterings - also des Bereitstellens von mehreren Spurpaketen anstatt einer einzigen Stereospur beim Mastering- schon seit Jahren gängige Praxis. Insbesondere Produzenten und Remixer dürften wohl enttäuscht sein, dass der NI-Entwurf (derzeit) nur vier Spuren vorsieht, böten sich doch durch mehr Spuren (>8) viele praktische Möglichkeiten, Mehrspurprojekte, standarisiert auszutauschen. Aber gut, „Stems" richtet sich ja nun auch primär an DJs und die haben mit vier Spuren sicherlich schon genug zu tun. Ob und in wie weit der Markt, sprich die Masse der DJs vom Hobbyisten bis zum Multimillionen-Doller-Star, auf Stems einsteigen wird, ist schwer zu prognostizieren.

Der Reiz, auf die Subgruppen eines fertigen Mixes zuzugreifen, ist in jedem Fall groß, bietet sich hierdurch doch ganz neue Möglichkeiten für Mashups und On-the-fly-Remixing. Hauptprofiteure des neuen Standards werden absehbar allerdings wohl die Produzenten sein, deren Tracks sich ohnehin bereits gut verkaufen, denn der Reiz, das Stück eines „Big Names" zu verwursten ist sicherlich höher, als bei einer Nummer, die sowieso niemand kennt. Am meisten Grund zum händereiben werden am Ende wohl die einschlägigen Musik-Download-Portale haben, können sie doch ohne Investitionen in ihre Infrastruktur, Stems als hochpreisigen Premium-Content verkaufen.

Eure Meinung:

Soweit also die Eindrücke aus der bonedo.de DJ-Redaktion. Und wie seht ihr das? Nutzt gern unsere Kommentarfunktion.

Besten Gruß

Peter Westermeier

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