Test
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06.04.2020

Praxis

Anschließen und loslegen

Der Black Lion Bluey ist ein 1176-Klon, der äußerlich einen sehr guten Eindruck macht. Er scheint für die Ewigkeit gebaut zu sein, die Komponenten sind hochwertig und das Dry/Wet-Feature ist ein sehr praktischer Zusatz. Dann wollen wir den Blauen mal anschließen! Wer schon einmal einen 1176 als Hardware oder als Plug-in benutzt hat, wird mit dem Bluey sofort zurechtkommen. Er ist ein typischer Fixed-Threshold-Kompressor. Die Schwelle, bei welcher der Bluey anfängt zu komprimieren, ist fest. Das Eingangssignal wird per Input-Gain an die Schwelle herangefahren, um den Kompressor an seinen Arbeitspunkt zu bringen. Die Attack-Zeiten liegen zwischen 20 und 800 Mikrosekunden, während der Release zwischen 50 Millisekunden und 1,2 Sekunden wählbar ist, ganz wie beim Vorbild. Also Stecker rein und los gehts.

Wie klingt der Black Lion Audio Bluey?

Bei der Benutzung fällt auf, dass der Black Lion Audio Bluey sehr charakteristisch nach 1176 klingt. Er geht sehr schnell und beherzt zur Sache. Die kurzen Attack- und Release-Zeiten sorgen für aggressive Ansprache, die durch die Feedback-Schaltung jedoch etwas abgefangen wird. Sehr schön. Der All-Buttons-Mode tut genau das, was er auch beim Original tut: Andicken, verzerren, pumpen. Hiermit kann man jedes Drum-Recording aufpeppen. Richtig interessant wird es, wenn der Dry/Wet-Regler ins Spiel kommt. Vor allem bei Vocals hat mir die Parallelkompression gut gefallen. Der Gesamtsound des Bluey wirkt ein wenig mittiger als der des Originals, das einen eher höhenbetonenden Sound hat. Das soll keine Kritik sein, denn schließlich geht es hier nicht um die Nachbildung des 1176 an sich, sondern um Chris Lord-Alges Bluestripe. Dieser benutzt seine modifizierte Version vor allem für Vocals und diesen schmeichelt der Bluey durchaus. Hört man sich die Soundbeispiele des E-Basses an, merkt man schnell, dass der Bluey auch einen tollen Verzerrer abgibt. Im All-Buttons-Mode reicht schon wenig Input, um dem Bass schöne Obertöne beizufügen. Auf der Gitarrenspur zeigt sich der Bluey schnell und spritzig. Bemerkenswert ist das geringe Eigenrauschen des Black Lion Audio Bluey, denn selbst bei maximalem Input und Output ist kaum ein Rauschen zu hören. Bei allen Soundbeispielen habe ich angefangen mit dem “Dr. Pepper-Setting”, einer Einstellung benannt nach einer bekannten, amerikanischen Werbung für die bräunliche Limonade. Diese schlägt vor, man solle das Getränk jeden Tag um 10 Uhr, um 2 Uhr und um 4 Uhr zu sich nehmen. Auf einen 1176 übertragen bedeutet das: Attack auf 10 Uhr, Release auf 2 Uhr und Ratio auf 4:1. Das ist ein guter Ausgangspunkt, mit vergleichsweise milder Kompression, um den Bluey einzustellen.

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