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15.02.2016

Besser Mixen – Hit-Workflow

Yoad Nevo im Interview: 5 Tipps zum Mischen im Homestudio

Serie: Top-Producer helfen mit Ratschlägen

Hallo Yoad, danke, dass du dir Zeit für dieses Interview nimmst und deine Erfahrung mit angehenden Mixing Engineers und Homerecordern auf bonedo teilst. Schließlich hast du mit hochkarätigen Künstlern wie den Pet Shop Boys und Bryan Adams gearbeitet. Für viele von uns würde damit ein Traum in Erfüllung gehen.

Aber mal im Ernst: Nicht wenige Leute, die heute in der Musikindustrie erfolgreich sind, sind durch ziemlich harte Zeiten gegangen. Welche Hindernisse musstest du auf deinem „Long Way to the Top“ überwinden?

Mit am schwierigsten war eigentlich die Tatsache, dass das, was ich mache, so vielfältig ist – also Tontechnik, Produzieren, Programmieren, Schreiben und Mastern. Das war für andere nur schwer nachzuvollziehen und ernst zu nehmen. Heute ist man Allroundern gegenüber offener und sie sind einfach eher an der Tagesordnung. Aber als ich damals anfing, war das noch anders. Also musste ich mich erst in jedem dieser Felder separat beweisen.

Und das hat ja auch wunderbar geklappt, wie wir heute wissen. Denn viele deiner Tracks sind extrem erfolgreich gewesen und werden tagtäglich im Radio gespielt. Ich schätze mal, wenn man wie du über dreißig Nummer-1-Singles und weltweit mehr als sechzig Top-Ten-Singles hatte, dürfte es schwierig sein, der eigenen Arbeit zu „entkommen“, nachdem du sie in die Welt hinaus entlassen hast.

Ja, das ist schon toll. Manchmal bin ich in einem Restaurant und im Hintergrund läuft Musik und ich sag zu mir: „Oh, der Song kommt mir jetzt aber bekannt vor“. Bis ich dann merke, dass ich an dem Stück mitgearbeitet habe. Erst neulich ist mir das passiert als ich Fifty Shades of Grey gekuckt habe. Plötzlich höre ich Sias Track ‚Salted Wound’, den ich gemixt und bei dem ich auch Instrumente eingespielt habe. Ich wusste nicht mal, dass er im Film vorkommt. Das war schon eine tolle Überraschung.

Nicht schlecht! Genau, du bist ja auch Musiker: Wie läuft denn eine Produktion in deinem Studio ab, wenn Du mit anderen Musikern arbeitest?

Ich mag es miteinander Ideen auszutauschen und wenn richtig talentierte Leute ihren Teil zu einem Lied oder Part beitragen. Das macht mir dann jedes Mal auf's Neue klar, worum es bei dem Ganzen überhaupt geht. Aber ehrlich gesagt, bin ich auch ein ziemlicher Kontrollfreak und neige dazu, die meisten Instrumente selbst einzuspielen. So kommt es, dass ich dieser Tage die meiste Instrumentalarbeit selber erledige und andere Leute nur dann anrufe, wenn ich beispielsweise einen wirklich guten Schlagzeuger benötige, oder jemanden, der in seinem Bereich wirklich außergewöhnlich gut ist. Mit dem ganzen Rest komme ich klar. Ich bin Gitarrist, so dass die Abteilung schon mal abgedeckt ist. Aber was den Rest angeht, spiele ich die Sachen normalerweise selbst ein und hole dann jemanden dazu, wenn ich einen ganz spezifischen Beitrag benötige.

Zu meinen Lieblingsproduktionen von dir gehören die Songs der Sugababes. Sie sind absolut unwiderstehlich, so groovy und klingen zugleich absolut eigenständig. Wie schaffst Du es so einen außergewöhnlichen, tollen Sound hinzubekommen?

Was ich an den Sugababes mag, ist die Freiheit, die wir bei den Produktionen hatten. Wir konnten Sie nach Außen hin richtig schön verschroben klingen lassen, aber mussten gleichzeitig dafür sorgen, dass es Pop bleibt. Das ist eine der Sachen, die ich an meiner Arbeit wirklich mag. Klar ist es am Ende Popmusik. Aber ich mag einfach, wenn sie Ecken und Kanten hat. Und ich glaube, die Sugababes sind ein gutes Beispiel dafür, dass etwas sehr kommerziell und einfach sein kann, aber zugleich Dinge enthalten kann, bei denen Du die Augenbraue hebst. Es geht einfach darum, all diese Sachen in einem Song friedlich miteinander zu vereinen.

Workshop: Hit-Workflow

Yoad, viele Amateur-„Tontechniker“ sind am Anfang einer Aufnahme Feuer und Flamme, aber fühlen sich ernüchtert wenn Sie mit ihrem finalen Mix kämpfen… ganz besonders, wenn die Ergebnisse alles andere als professionell klingen. Wenn wir mal an so einen Amateur-„Tontechniker“ denken, der ein wenig Erfahrung mitbringt: Welche fünf essentiellen Workflowschritte kannst Du ihm empfehlen, mit deren Hilfe er zu einem ausgeglichenen aber dennoch ausdrucksstarken Mix gelangt?

1. Sei ein Mixaholic!

Wie ich immer zu sagen pflege, führt der beste und möglicherweise auch der einzige Weg, ein guter Mixing-Engineer zu werden, darüber Unmengen von Stücken zu mischen. Ein großartiger Tontechniker hat mir mal erklärt, dass Du nicht weißt, was ein Mix überhaupt ist, wenn Du nicht mindestens 200 Songs gemischt hast. Und rückblickend muss ich sagen, dass an dem, was er gesagt hat, definitiv etwas dran ist. Ich glaube, ausschlaggebend sind letztlich harte Arbeit und Erfahrung.

2. Nutze viele Abhören!

Da gibt es natürlich zunächst die offensichtlichen Schritte, wie das Checken Deiner Mixes über verschiedene Monitore.

3. Leise = besser

Wichtig ist auch, während des Mixens nicht zu laut abzuhören. Denn je leiser Dein Monitoring ist, desto mehr Details hörst du. Die Abbildung ist dann einfach besser, weil sich Lautsprecher, Verstärker und Raumakustik nicht zu stark bemerkbar machen. Dann kannst du aus den Geräten und der Raumakustik das Meiste rausholen.

4. Do & Undo

Am allerwichtigsten erscheint mir aber, sich bei jedem Schritt der Produktion und auch beim Mixen die Frage zu stellen, ob es so, wie Du es im jeweiligen Augenblick hörst, wirklich besser als zuvor klingt oder ob es in einer anderen Version besser klang. Dann machst Du diesen Schritt besser rückgängig und schaust, woran es liegt.

5. Big Picture

Außerdem solltest du zu jedem Zeitpunkt der Arbeit überprüfen, ob du das große Ganze im Auge behältst und schauen, ob das was du machst seinen Teil dazu beiträgt. Es geht nicht nur darum, mehr und mehr Plug-Ins hinzuzufügen. Es geht darum, einen tollen Sound zu kreieren.

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