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Test
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06.07.2021

Behringer RD-9 Test

Analoge Drum Machine

Die Behringer 909

Mit der RD-9 präsentiert Behringer die dritte bzw. die zweite voll ausgewachsene analoge „Roland Drum Machine" nach dem RD-8 Debüt, die demnächst schon als überarbeitete RD-8 MK2 erscheinen soll. Die Erwartungen sind hoch, schließlich ist viel Zeit zwischen der Ankündigung und dem Release dieses "Rhythm Designers" vergangen, weil man an „Details“ feilen wollte. Ich bin gespannt!

Details

Klon der Klone

Die Behringer RD-9 ist die Kopie der Roland TR-909, wie die RD-8 die Kopie der Roland TR-808 war. Die echten Rolands teilten gar nicht mal so viel, bei den Behringers sieht es indes anders aus. Ihre Verwandtschaft lässt sich nicht leugnen; Layout, Features und Funktionen sind nahezu identisch, lediglich der Grundklang ist anders. Romantik ist hier ohnehin sicherlich nur hinderlich. Für absolute Neulinge die total pauschale Verallgemeinerung: Die 808 ist purer Hip-Hop, RnB, Electro und Techno. Die 909 ist noch mehr Techno und House, aber auch in Richtung Hardcore, Dance oder sonstigen Prügelsound.

Solide Hardware, unschlagbarer Preis

Konkret haben wir einen massiv-großen Metall-Klotz vor uns, der auch den wurstigsten Fingern Spiel bietet. Nix Puppenhaus wie bei den Roland-Boutiques, Korg Volcas oder sonstigen Budget-Protagonisten, hier findet man auch nach dem fünften Bier alle Regler treffsicher. Das Ding ist Rock´n Roll und kann bei Bedarf auch ins Publikum geworfen werden.

Die Verarbeitung ist einwandfrei, es wackelt nix. Alle 37 Regler drehen sich smooth, die Vielzahl der Taster fassen und drücken sich ebenfalls gut, besonders die 16 Step-Taster, die an alte Computer-Tastaturen erinnern mag ich. Schon eine kleine Meisterleistung angesichts des Preises, zumal das Innenleben, sprich die Klangerzeugung wie beim Original weitestgehend analog ist. 

Same old story ?!

Es gibt elf Instrumente mit zwei Anschlagstärken plus einen globalen Attack. Kick, Snare und Toms sind analog, der Rest basiert auf Samples. Die Instrumente haben entsprechend mehr oder weniger Parameter am Start: Volume kennt jedes, die meisten haben auch Tune und/oder Decay am Start, die holzige Kick hat die meisten Parameter. 

Es sind hier sogar einige Parameter gegenüber dem 909 Vorbild hinzugekommen, die sich aber auch deaktivieren lassen (Enhanced Mode off). Wichtiger zu wissen ist, dass jedes Instrument Einzelausgänge auf großer Klinke besitzt und Sync-mäßig wirklich alle Annehmlichkeiten dabei sind: MIDI-Trio, USB-MIDI sowie Sync I/O auf kleiner Klinke; auch der dedizierter Umschalt-Taster für den Sync hilft ungemein. 

Einen separaten Kopfhörer-Ausgang gibt es neben dem 6,3 mm Mono-Main-Out und Return ebenfalls. Greift man ein Einzelsignal durch Einstecken des Kabels ab, wird es vom Main-Out entfernt. Über den Return kann es dann Post-FX wieder hinzugefügt werden. So lässt sich beispielsweise ein Distortion-Pedal in die Kick klemmen; sprich aus der Kick raus, in die Tretmine rein und aus ihr in den Return der RD-9 wieder rein. Die eingebauten Effekte werden umgangen, aber die Gesamt-Lautstärke lässt sich weiterhin am Geräte ändern. Ein schönes, pragmatisches Feature.

Künstler kopieren, großartige Künstler stehlen

Klanglich ist die RD-9 weitestgehend eine 909, darüber braucht man nicht weiter zu streiten, die Haare in der Suppe werden wir im Praxisteil suchen. Der Sequenzer jedenfalls ist deutlich moderner und erinnert an Arturia sowie andere ausgefuchste Konsortien, der trotz seiner vielen Möglichkeiten tatsächlich sehr einfach zu handeln ist. Gefällt mir.

16x16x64 augefuchste Steps

Es gibt 16 Songs und jeder Song beinhaltet bis zu 16 Patterns, wobei diese bis zu 64 Steps lang sein können. Ich glaube, ich habe es schon hundertmal gesagt, aber ich sage es immer wieder gerne: Eine richtige Drum Machine braucht 64 Steps, 16 Steps mit A/B-Link oder dergleichen sind nicht zeitgemäß. Lob für die Behringer gibt es abermals, weil auch hierfür dedizierte Taster inklusive Auto-Scroll vorhanden sind.Tempo, Swing, Propability und Flam Intensitäten bietet die RD-9 im flinken Zugriff via Data-Mode Taster bzw. dem Encoder und Display.

Über den Umweg der Settings setzt man dann die entsprechenden Befehle pro Step flink. Und so werden ausgewählte Steps dann nur noch mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit ausgeführt (Propabiliy) bzw. ein schicker Doppelschlag ausgeführt (Flam aka Schleifschlag). Note und Step-Repeat sind mit dedizierten Tasten ebenfalls im direkten Zugriff, sodass spielerisch Stotter-Wiederholungen mit 1/1, 1/2, 1/4 und 1/8 bzw. Loops mit 1, 2, 4 oder 8 Steps möglich sind. Das Step-Raster lässt sich mit 1/8, 1/8T, 1/16. 1/16T, und 1/32 nutzen.

Etwas umständliche Orga

Die üblichen Save-, Erase- (löschen), Copy- und Dump-Funktionen erklären sich von selbst, ihre Umsetzung mutet aber umständlich an. Das Löschen von Patterns war so die erste Aktivität, bei der ich Zuflucht im Handbuch suchen musste; wobei positiv zu bemerken ist, dass es so was nun endlich gibt, wenn auch nur in englischer Sprache. Ohne lange weiter rum zu snobben: Vier Tasten drücken zu müssen, um ein Pattern zu löschen, sind m. E. nach mindesten zwei Tasten zu viel. Aber geschenkt.

Fetter Record-Mode und komplexe Extras

Geschenkt, weil der Record-Mode klasse ist, wenn auch anfangs ungewohnt. Konkret: Um Steps setzten zu können, muss man im Step-Mode sein – logisch – aber eben auch Record anhaben; eher ungewöhnlich. Triggert man das Instrument nun via Gummi-Drum-Pad-Trigger bzw. in Verbindung mit Note-Repeat wird das Ganze so quantisiert in den Sequenzer aufgenommen. Damit hätten wir das übliche Step- und Live-Write geklärt.

Aber jetzt kommt es: Ist Record NICHT an, kann man ebenfalls Steps setzten oder löschen – allerdings werden diese Änderungen nur einmal durchgeführt und beim nächsten Durchlauf der Sequenz ist wieder alles wie vorher. Klingt marginal, ist live aber echt mega!

Mutes, Solo, Auto-Fill sowie Settings gibt es selbstverständlich ebenfalls. Schade bleibt nach wie vor, dass der Solo/Mute-Mode weiterhin andere Menüs blockiert. Beispielsweise kann man nicht an Tempo/Swing/Prob/Flam rumkurbeln, das sollte endlich geändert werden.

Bemerkenswert ist Polymetric wobei jedes Instrument unterschiedlich lange Loops haben kann, sodass verrückte Polyrythmen entstehen. Genauso interessant sind in diesem Zusammenhang für die Experimental-Physiker unter euch die Propability sowie der Zufallsmodus Random und die Repeat-Funktion per definierten Step.

Solide Effekte

Wie bei der RD-8 gibt es auch hier den eingebautes Multi-Mode Filter sowie einen Wave Designer aka Transient-Designer, mit dem das Sustain kräftig aufgeblasen oder auch abgesenkt werden kann. Der Attack kann indes nur eher mäßig moduliert werden, aber sei es drum. Gefühlt hatte ich immer den Sustain voll auf und das Filter minimal zu, so klingt es für meine Ohren am besten.

Das Filter ist klanglich okay, bereitet mir persönlich aber keine Extase. Es bietet klassisch Cutoff und Resonanz und kann von Low-Pass auf High-Pass umgeschaltet werden. Für die typisch plakativen Effekte reicht es allemal, lässig ist die Möglichkeit, das Filter über die Steps zu automatisieren – das geht bei sonst keinen anderen Klang-Parameter, denn prinzipiell gilt ja WYSIWYG. Ein nettes Detail jedenfalls, was man schnell mal übersieht.

Die beiden Effekte sitzen außerdem in einem geteilten Bus, welcher via Send-Taster den einzelnen Instrumenten unkompliziert zugewiesen werden kann. Das war’s dann auch schon mit unserer kleinen Theorie-Rundreise, im Praxis-Teil geht es dann an die Buletten!

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