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Test
10
29.01.2015

AVID Pro Tools 11 (HD) Test

DAW-Software

Ein Erfahrungsbericht aus dem Dauereinsatz

Es ist schon etwas länger her, dass wir bei bonedo einen Test der Pro-Tools-Software hatten. Zuletzt hatte ich Version 9 getestet, deren Hauptkennzeichen es war, dass Pro Tools seitdem mit allen Core-Audio- und ASIO-Audio-Interfaces betrieben werden kann. Version 10 brachte daran gemessen nur moderate Verbesserungen. Das mittlerweile seit etwa eineinhalb Jahren verfügbare Pro Tools 11 bringt wiederum eine ganze Menge Veränderungen mit sich. Dabei geht es natürlich um neue Features und Veränderungen unter der Haube, aber seit kurzem auch um radikale Veränderungen in der Lizenzpolitik, die doch für einiges Aufsehen gesorgt hat.

Zwischen den beiden Versionen, die wesentliche Weichen der Avid-Software neu stellten und stellen, lag das an diesen Maßstäben gemessen etwas weniger sensationelle Pro Tools 10. Zu den wesentlichen Neuerungen der 10er Version zählten Clip-Gain, die neue Plug-In-Schnittstelle AAX, Echtzeit-Fades, Timeline-Cache, ein neues Session-Format und der Avid Channelstrip. Am meisten Aufsehen erregte jedoch die Ankündigung, dass Version 10 die letzte ist, die die alte TDM-Hardware unterstützt. Avid begründete diesen radikalen Schritt mit dem Umbau des Programms auf eine 64-Bit-Architektur, die mit der alten HD-TDM-Hardware nicht mehr zu machen sei. Die Nachfolge-Hardware HDX war zu dem Zeitpunkt längst im Handel, und eine Wachablösung hat sich damit quasi angekündigt. Außerdem lagen zwischen dem Release von Pro Tools 10 und 11 fast zwei Jahre, sodass niemand wirklich überrascht wurde. Und wie man mit so einer einschneidenden Umstellung nun umgeht, erfahrt ihr hier!

Details

Veränderte Weichen Part 1

Dass die alten TDM-Karten nicht mehr mit Pro Tools 11 funktionieren, ist mittlerweile längst Realität. Avids Ankündigung, dass auch die alten blauen HD-Interfaces (192 I/O, 96 I/O, usw.) nicht mehr unterstützt werden, hat sich jedoch nicht realisiert. Avid testet diese Interfaces mit neuen Pro-Tools-Versionen nur nicht mehr. Mit anderen Worten: Sie bleiben so lange kompatibel, wie es passt. Wer auf ein neueres HD-System (HDX oder HD Native) per Upgrade wechselt, sollte sein altes Interface deshalb beim Trade-In mit umtauschen, um eventuelle Schwierigkeiten mit späteren Versionen zu vermeiden.

Seit Pro Tools 11 gibt es außerdem das sogenannte Complete Production Toolkit (CPTK) nicht mehr. Mit diesem Extra konnten sich Nutzer den vollen Funktionsumfang der HD-Variante der Pro-Tools-Software kaufen, ohne eine Avid-HD-Hardware zu betreiben. Seit Pro Tools 9 besteht grundsätzlich die Möglichkeit, Pro Tools und Pro Tools HD auch ohne Avid-Hardware zu betreiben, die HD-Variante bekam der Nutzer aber nur, wenn er eine HD-Hardware kaufte. Das CPTK war der Weg zur Software Pro Tools HD ohne Avid-Hardware. Eine alles in allem komplizierte Produktpolitik, die seinerzeit zu allerlei Missverständnissen geführt hat.

Man könnte also meinen, dass die Verschlankung des Portfolios auf die Software-Varianten Pro Tools und Pro Tools HD durchaus sinnvoll ist. Aber es gibt einen Haken: Die volle HD-Funktionalität des Programms gibt es zukünftig nur noch im Bundle mit Hardware. Wer nur die Pro-Tools-Software nutzen möchte, kommt nur noch an die „einfache“ Variante der Software. Mit dem Upgrade auf Pro Tools 11 haben CPTK-Besitzer noch die Chance auf Pro Tools 11 HD zu wechseln. Zukünftig wird der Einstieg in Pro Tools HD teurer. Mindestens ein HD-Native-System bestehend aus PCIe-Karte oder Thunderbolt-Kästchen, einem Avid-Audio-Interface und der HD-Software ist zu budgetieren (mindestens 4.500 Euro).

Nach dem begrüßenswerten Paradigmenwechsel mit Pro Tools 9 sieht es so aus, als solle mit den neuen Restriktionen ein Teil der Liberalisierung wieder zurückgenommen werden. Aus Nutzersicht ist das sehr bedauerlich, auch wenn ich es persönlich für eine der großen Stärken von Pro Tools halte, dass Hard- und Software extrem gut harmonieren. Dem Image des amerikanischen Unternehmens beim Benutzer sind solche Entscheidungen aber sicher nicht zuträglich.

Es gibt aber auch durchaus positive Weichenstellungen: Die vor Pro Tools 11 lizenzpflichtigen Zusatzangebote Satellite Link (bis zu 12 HD-Systeme werden synchronisiert und von einem Transport kontrolliert) und Video Satellite LE (ein „einfaches“ Pro Tools wird zum Video-Playback für ein HD-System benutzt) sind jetzt Bestandteil von Pro Tools 11 (Satellite Link jedoch nur in der HD-Variante).

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