Gitarre Hersteller_Danelectro Hersteller_HarleyBenton Hersteller_TC_Electronic Hersteller_Mooer Hersteller_Electro-Harmonix Hersteller_Ibanez
Feature
1
10.10.2020

Audiovergleich - 6 Chorus-Pedale unter 100 Euro im direkten Vergleich

Chorus-Effektpedale der Budgetklasse und ihre Sounds

Der Chorus-Effekt gehört bis heute bei vielen Gitarristen zum Standardinventar, wenn es um die Veredlung von Cleansounds geht. Mit dem CE-1 präsentierte Boss 1976 das erste Pedal dieser Gattung, und besonders in den darauffolgenden 80er Jahren wurde die Gitarrenwelt von stark geschwängerten Chorus-Sounds regelrecht geprägt.
Im heutigen Audiovergleich haben wir sechs Choruspedale ausgesucht, die momentan preislich für weniger als 100 Euro zu haben sind. Die beiden günstigsten Modelle liegen dabei sogar unter 30 Euro. Außer Preis und Klang spielte als weiteres Kriterium bei diesem Vergleich auch eine möglichst simple Bedienung eine Rolle. Wie viel Chorus-Sound bekommt man für wenig Geld und wo liegen die klanglichen Unterschiede bei diesen Pedalen? Finden wir es heraus!

Die Kandidaten

1. Danelectro Fab Chorus

Das Danelectro Fab Chorus-Pedal ist schon seit einigen Jahren im Handel, kommt im typischen ausgefallenen Design des Herstellers und stellt gleichzeitig den günstigsten Vertreter in unserem Vergleich dar. Eher untypisch sitzen die Potis für Speed, Depth und Mix an der Stirnseite. Wie wir gleich noch genauer hören werden, reagieren die Funktionen des Pedals mitunter etwas eigenwillig. Im Klang macht sich die Verzögerung des Chorus-Effekts stellenweise sehr deutlich bemerkbar, was zur Folge hat, dass das Pedal auch wie ein Doubler agiert.

2. Harley Benton Classic Chorus

Das Classic Chorus-Pedal der Thomann Hausmarke Harley Benton ist ebenfalls sehr günstig und kommt mit nur zwei Potis für Rate und Width (Depth) aus. Der insgesamt klassisch daherkommende Chorus-Sound des Pedals ertönt mit einer gewissen Anhebung der hohen Frequenzen.

3. TC Electronic Afterglow Chorus

Der recht ausladende TC Electronic Afterglow Chorus ist gebaut wie ein Panzer und stammt aus der sogenannten Smorgasbord-Pedallinie, die 2016 auf den Markt kam und auf Schaltkreisen von Behringer-Pedalen basiert. Im Detail haben wir es hier mit einem waschechten Analog-Chorus mit Eimerkettenspeicherschaltung zu tun. Geregelt werden können Rate, Depth und Mix.

4. Mooer Ensemble King

Wie vom Hersteller gewohnt, kommt auch das Mooer Ensemble King im Mini-Gehäuse und lässt sich über die Potis Level, Rate und Depth steuern. Das Level-Poti kann dabei eigentlich immer voll aufgedreht bleiben, da der Ensemble King insgesamt etwas zurückhaltender agiert.

5. Electro Harmonix Neo Clone

Der ebenfalls analoge Neo Clone der New Yorker Pedalschmiede ist noch etwas günstiger als sein großer Bruder, der Small Clone, basiert aber auf derselben Schaltung. Neben einem großen Rate-Poti verfügt der Neo Clone nur über einen Schalter für Depth, sodass hier lediglich zwei Einstellungen verfügbar sind. Bringt man den Depth-Schalter in die obere Position, sorgt das Pedal für sehr warme und einnehmende, analoge Sounds. Ein etwas erhöhtes Rauschaufkommen muss der Anwender allerdings ebenfalls in Kauf nehmen.

6. Ibanez CSMini Chorus

Mit der Mini-Serie folgt Ibanez dem Trend und hat einige seiner legendären Pedale geschrumpft. Im Angebot ist dabei auch das Ibanez CSMini Chorus-Pedal, das sich am hauseigenen analogen CS9-Pedal orientiert. Das CSMini verfügt über drei Potis für Depth, Level und Speed und offenbart einen nuancierten und recht straffen Chorus-Sound.

Hörbeispiele

Wir hören im folgenden Audiovergleich die Pedale in unterschiedlichen Einstellungen und Einsatzgebieten. Ich habe dabei versucht, die Probanden möglichst identisch einzustellen, auch wenn das aufgrund der stellenweise unterschiedlichen Parameter und Wirkungsweisen nicht immer möglich oder zielführend war. Zum Einsatz kommen diverse Gitarren. Alle Signale laufen über einen PRS Sonzera 20 Amp. Für die Boxensimulationen ist außerdem eine Universal Audio OX Box zuständig.

Im Test wurden verwendet:

Noon Setting (Strat - Middle + Bridge PU)

Im ersten Beispiel zeigen die Potis der Pedale auf 12 Uhr.

Slow Rate Setting (Strat - Neck + Middle PU)

Wie unsere Probanden bei einer langsamen Modulationsgeschwindigkeit klingen, hört ihr in den folgenden Beispielen.

Fast Rate Setting (Tele - Neck PU)

Nun ist das Rate-Poti jeweils weit aufgedreht.

Rate: Minimum / Maximum (Tele - Neck + Bridge PU)

In extremen Einstellungen treten die Unterschiede zwischen den Pedalen noch deutlicher zutage. Wir hören erst das Rate-Poti in der Minimal- und Maximalstellung. Anschließend wiederhole ich die Prozedur mit dem Depth-Poti.

Depth: Minimum / Maximum (Tele - Neck + Bridge PU)

Soft Overdrive -> Chorus (Tele - Bridge PU)

Bisher liefen alle Pedale über einen absolut clean eingestellten und eher weich klingenden Amp. Wie sich die Pedale hinter einem soft agierenden Wampler Tumnus Overdrive verhalten, hören wir in den folgenden Beispielen. Dabei liegt das Augenmerk weniger auf der Verzerrung als auf einem etwas ungehobelteren Cleansound, wie man ihn beispielsweise im Alternative Rock häufiger hört.

Overdrive -> Chorus (SG - Bridge PU)

Abschließend gibt’s noch ein punkiges Riff mit mehr Verzerrung. Dabei hängen die Pedale hinter einem Okko Diablo Overdrive.

Fazit

Bekommt man einen guten Chorus-Sound für wenig Geld? Diese Frage lässt sich eindeutig mit ja beantworten. Als etwas spezieller Kandidat, der in meinen Ohren aber dennoch einen coolen Charme mitbringt, entpuppt sich der Danelectro Fab Chorus. Für typische Brot-und-Butter-Sounds eigenen sich eigentlich alle weiteren Pedale des Vergleichs. Ich denke, wer auf volle und warme Analog-Chorus-Sounds steht, ist mit dem Electro Harmonix Neo Clone am besten bedient, muss aber auch gleichzeitig ein höheres Eigenrauschen in Kauf nehmen. Meine beiden weiteren Favoriten dieser Auswahl sind der TC Electronic Afterglow Chorus und der Ibanez CS Mini Chorus. 

Verwandte Artikel

User Kommentare