Hersteller_AudioTechnica
Test
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05.02.2013

Praxis

Dem Mutigen gehört die Welt

Zunächst muss man Audio-Technica ein gewaltiges Lob aussprechen: Es gehört viel (nicht zuletzt unternehmerischer) Mut dazu, den besonderen Weg zu suchen und sich nicht mit der x-ten Kopie der götzenhaft verehrten U 47, C12 und Konsorten aufzuhalten. Das AT5040 ist speziell. Es ist anders. Es ist neu. Neue Konzepte einer etablierten Firma, hurra! Allerdings ist das 5040 nicht der erste Ausreißer aus dem Einerlei an Mikrofonen, so überraschen ATM250DE und AE2500 beispielsweise mit einer Doppelkapsel mit sowohl dynamischem als auch Kondensator-Prinzip (und erinnert mich damit an das geniale Western Electric Model 639 mit seiner Bändchen-/DE-Tauchspulen-Kombination).

Es ist wirklich auch ein schlaues Konzept, den Nachteilen einer großen Membran durch mehrere kleine zu begegnen. So liefert das Mikrofon tatsächlich ein erstaunlich ebenes Frequenzverhalten – große Membranen machen üblicherweise oberhalb von 12 bis 15 kHz deutlich schlapp und lassen besonders abseits der 0°-Achse den Frequenzgang Rallye fahren. Beim 5040 ist der Übergang in Richtung Off-Axis bis zumindest 90°/270° sehr sanft und angenehm.

Trotz und wegen der Rechteckform eine runde Sache

Das AT5040 ist speziell. Es ist anders. Es ist neu. Ihr habt diese Sätze weiter oben schon einmal gelesen? Richtig, doch diesmal beziehen sie sich nicht auf das Konzept, sondern auf den Klangcharakter – wie zu erwarten. Sofort hat man den Eindruck, es mit einem sehr hochwertigen Vocal-Mikrofon zu tun zu haben.

Das Mikrofon ist wirklich sehr schnell unterwegs, zeichnet die Texturierungen der Signale sehr gut und gibt Transienten ohne Wimpernzucken weiter, was man an Konsonanten, aber auch an Schmatzgeräuschen von Sängern gut nachvollziehen kann. Die Vierteilung der Membranfläche wirkt also behäbigem Verhalten entgegen. Auch die Rechteckform hat Vorteile, die sich im Fehlen der typischen modalen Verteilung auf einer kreisförmigen Membran äußert. Die parallele Einfassung der Rechteckmembran sorgt ihrerseits wieder für Frequenzen, die weniger bedämpft werden als andere, doch scheinen die Seitenverhältnisse hier schlau gewählt zu sein. Die Moden werden offenbar nicht über die vier Membranen im Spektrum so gleichmäßig gefächert wie möglich, denn diese sind alle exakt gleich groß. Überprüft man das Polar Pattern des AT5040 auf seine Rotationssymmetrie, wird deutlich, dass die vier Membranen nicht unterschiedlich abgestimmt und bedämpft zu sein scheinen. Erstaunlich ist der nur sehr geringe Nahbesprechungseffekt, der das Kondensatormikrofon auch bei geringsten Abständen nicht bassig zukleistert, sondern natürliche Intimität liefert. Bei einem Mikro wie dem 5040 wird wohl niemand ein Hochpassfilter zur Kompensation vermissen.

AT im absoluten Rauschverbot

Es ist schon fast erschreckend, wie wenig das AT5040 rauscht. Da macht es richtig Spaß, den Preamp mal richtig auszufahren und Werte weit jenseits von 60 dB aufzurufen. Es ist schön anzuhören, wenn in der Kompression die Rauminformationen mit hochkommen, nicht das Rauschen. Signale mit einer irren Dynamik aufzunehmen, ist wirklich eine Königsdisziplin für das japanische Kondensatormikrofon. Da es ja ganz klar als Vocal-Mike gelabelt ist, kann man also beispielsweise gerne die Sängerin erst flüsternah und mit fast wegbrechendem Ton in die Kapsel säuseln lassen und später mit vollem Organ das Mikrofon anbrüllen lassen, als sei es das Destillat allen Bösen, das es mit reiner Stimmgewalt zu vernichten gilt – in einem Take, bei gleichbleibendem Abstand. Ganz weit oben in der dynamischen Range gibt es jedoch eine kleine Überraschung: Das Mikro macht zu. Bevor der Klirr aufgrund des Schalldruckpegels an der Kapsel überhand nimmt, findet eine zunehmend starke Kompression statt – wahrscheinlich schaffen es die Bauteile im Mikrofonverstärker des AT nicht, über einen so großen Dynamikbereich linear zu bleiben – das wäre auch eine Glanzleistung. Bei manchen Stimmen und Einsatzzwecken kann das zwar passen, doch will man diese Eingrenzung meist gerne erst im Mix festlegen. Zudem hat es beim 5040 fast schon "Choking"-Charakter und ist weniger sanft als etwa beim Neumann U 87 Ai, das ähnliche Symptome zeigt. Also für den Song mit der hohen Dynamik doch lieber den Besprechungsabstand ändern. Audio-Technica hätten diesem Verhalten entgegenwirken können, wenn sie ein Pad integriert hätten: Dieses wird üblicherweise zwischen der Kapsel (die meist den höheren Dynamikumfang bietet) und der Elektronik eingesetzt, um diese bei Bedarf an einen sehr hohen Kapseloutput anzupassen.

Bulit to last

Dass die Top-Serie eines Mikrofonherstellers auch top verarbeitet sein sollte, versteht sich von selbst. Anderslautendes will ich auch nicht verlautbaren: Das AT5040 ist absolut präzise gearbeitet, an Materialmengen und -qualität wurde offensichtlich nicht gespart, die Bearbeitung ist an jeder Stelle absolut astrein: Keine Ungenauigkeiten, Farbfehler, Maßabweichungen – nichts. In Japan ist man sicher sehr stolz darauf – aus gutem Grund. Genauso stolz kann auch derjenige Ingenieur sein, der für die absolut hervorragende Spinne verantwortlich ist. Diese funktioniert nicht nur sehr vorbildlich, sondern verfügt auch über eine sehr praktikable "Lock"-Funktion.

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