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Test
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18.03.2013

Audio-Technica AT2031 Test

Kleinmembran-Kondensatormikrofon

Schlichte Effizienz

Das Audio-Technica AT2031 im bonedo-Test: Es gibt unter den Audiowerkzeugen solche, die schrill und extravagant sind, aber eben auch solche, die pflichtbewußt, kreuzbrav und unauffällig ihrem Werk nachgehen. Zu letzteren Gerätschaften zählen zweifelsohne Mikrofone von Audio-Technica, die sich mit ihrem schwarzen Design in einer Aufnahmesituation geradezu wegducken – zumindest äußerlich. Doch wer in die Ausstattungslisten verschiedener Studios schaut, wird sehr wahrscheinlich das eine oder andere Mikrofon von AT dort entdecken, denn die Großmembran- und Kleinmembran-Kondensatormikrofone des japanischen Herstellers sind für ihre positiven Klangeigenschaften bekannt.

Das Audio-Technica AT4051b etwa wird für seinen sehr hochwertigen Sound und seinen durchaus moderaten Preis geschätzt und rund um den Globus gerne verwendet. Wenn euch aber gut 1000 Euro für ein Pärchen nicht so moderat erscheinen, dann kommt ja vielleicht auch das hier getestete AT2031 infrage. Mit 177 Euro Listenpreis pro Stück ist es deutlich günstiger, sieht dem Geschwisterchen aber zum Verwechseln ähnlich! Im Rahmen unseres Kleinmembranmikrofon-Testmarathons hatten wir die Gelegenheit, die beiden im Vergleich zu hören – allerdings muss sich das AT2031 auch alleine vor der bonedo-Testkommission behaupten und darf keine großen Brüder zur Unterstützung rufen.

Details

Wenn der Begriff "Eyecatcher" sich in einer Ecke des Raumes tummelt, dann ist das schwarze Audio-Technica AT2031 garantiert in der diagonal gegenüberliegenden zu finden. Das ist überhaupt nicht böse gemeint, denn das 134 Gramm leichte und 143 Millimeter lange Kleinmembran-Mikrofon gibt sich angenehm undesignt und unauffällig. Allerdings ist da natürlich der sternförmige Grill über der Membran, den wir jedoch in keiner Weise kreativ überschwänglichen Designern, sondern Ingenieuren zu verdanken haben, die damit die akustischen Verhältnisse beeinflussen. Wenige Millimeter dahinter befindet sich die Membran, die zuammen mit der Backplate den Kondensator bildet, dessen Kapazitätsveränderungen das Audiosignal erzeugen. Die zum Betrieb notwendige Kapselvorspannung wird nicht aus der (dennoch zum Betrieb des AT2031 notwendigen) 48V-Phantomspeisung generiert, sondern liegt permanent vor. Möglich ist das durch die Verwendung eines Elektret-Polymers als Material für die Backplate. Keine Angst, heutzutage ist nicht mehr zu befürchten, dass die Kapselspannung im Laufe der Zeit so stark abnehmen könnte, dass sich das klanglich negativ bemerkbar machen würde.

Das Luftvolumen hinter der Membran ist nicht geschlossen, sondern über Schallumwege erreichbar. Die Dämpfung des Signals nimmt von der frontalen Einsprechung bis zur Rückseite kontinuierlich ab – die so entstandende Richtungsempfindlichkeit kennt man als Richtcharakteristik Niere. Natürlich muss Schall daher auch seitlich und rückseitig an die Kapsel gelangen, was durch die vier mit feiner Gaze verschlossenen Schlitze geschieht. Das Nichtvorhandensein einer umlaufenden Fuge unterhalb dieser Öffnungen macht deutlich, dass das Audio-Technica AT2031 kein Wechselkapselmikrofon ist. Bis zum Fuß, in dem wie bei eigentlich allen Kleinmembranern die dreipolige, männliche XLR-Buchse eingelassen ist, findet man keine weiteren Merkmale. Doch, halt! Ein kleiner Schalter ist vorhanden, mit dem sich bei Bedarf das Hochpassfilter aktivieren lässt. Dessen Grenzfrequenz erscheint auf den ersten Blick mit 150 Hz recht hoch angesetzt, doch relativiert dies die Entspanntheit, mit der es zu Werke geht: Durch die Steilheit erster Ordnung beträgt die Abnahme des Pegels nur 6 Dezibel pro Oktave (also Frequenzhalbierung). Die deutlichste Dämpfung erfährt das Signal also dort, wo AT die untere Übertragungsfrequenz angibt, bei 20 Hz. Laut Frequenzdiagramm kommt das bei deaktiviertem Filter auch tatsächlich hin. Unterhalb von 200 Hz ist aber generell eine sanfte Absenkung zu erkennen, bei 80 Hz sogar ein deutlicher Dip. Dadurch wird das Mikrofon wahrscheinlich etwas höhenlastiger wirken, außer, man mikrofoniert näher an der Schallquelle. Der Frequenzgang gilt nur für Abstände von 30 Zentimetern und mehr, denn darunter bekäme man es mit dem Nahbesprechungseffekt zu tun, der bekanntlich für eine Bassanhebung sorgt. Allerdings ist dieser Effekt bei Kleinmembranern und bei den meisten damit aufgenommenen Schallquellen eher unerwünscht. Oberhalb von 2 kHz beginnt ein stetiger Anstieg im Graphen, der nur unterbrochen wird durch einen kleinen Dip bei etwa 7 kHz und in einem deutlichen Boost von ca. 8 dB bei 12 kHz gipfelt. Bei der von Audio-Technica angegebenen Grenze von 20 kHz durchquert die Linie wieder die 0 dB, die bei 1 kHz immer als Ausgang für Messungen genommen wird.

Ordentlich empfindlich zeigt sich unser Kandidat mit 19,9 mV/Pa, das Rauschen scheint moderat (17 dB SPL), die Pegelfestigkeit sehr hoch. 141 dB SPL werden hier angegeben, jedoch für 1% THD, nicht für 0,5%. Aber das ist immer noch vollkommen in Ordnung. Die Impedanz des Mikrofons liegt bei 85 Ohm, also eher im unteren Bereich. Allerdings sind die Eingangsimpedanzen heutiger Mikrofon-Vorverstärker meist weit über einem Kilo-Ohm (also wie "vorgeschrieben" mindestens fünfmal so hoch), sodass eine zu geringe Höhenwiedergabe recht unwahrscheinlich scheint.

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