Test
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25.07.2017

Audio-Technica AT-LP120-USBHC Test

DJ-Turntable

Mit dem AT-LP120-USB präsentiert Audio-Technica einen umfangreich ausgestatteten DJ-Turntable, der mit Features wie Phono-Preamp und USB-Schnittstelle auf die preisbewusste Käuferschaft schielt. Womit wir thematisch auch schon beim Verkaufspreis angelangt wären. Dieser liegt meist deutlich unter 300 Euro (Straße), womit sich der LP120 preislich in das untere Mittelfeld einordnet.

Das Erscheinungsbild des Testprobanden macht unmissverständlich deutlich, dass man sich bei der Entwicklung des Äußeren sehr nahe am Vorbild eines Technics gehalten hat. Das Suffix „HC“ (AT-LP120-USBHC) weist auch auf die neuste Produktionscharge hin, die – so wie bei Technics – in zwei Farben erhältlich ist. Ob Performance und Klang ebenso nah am Original liegen, werden wir sehen.

Details

Lieferumfang

Zum Lieferumfang des AT-LP120-USB gehören ein auf dem AT-HS10 Headshell vormontierter AT95E mit elliptischer Diamantnadel, der Aluminium-Platter, Gegengewicht, ein 45-RPM-Adapter, eine Abdeckhaube aus Acryl, Slipmat, Netz- und USB-Kabel. Dazu kommen eine CD mit der Software Audacity für die Aufnahme von Schallplatten sowie eine ausgedruckte fünfsprachige Bedienungsanleitung. Eine Überhangschablone oder ähnliches ist nicht dabei, genauso wenig wie eine antistatische Gummimatte.

Montage

Nun, wo wir doch schon alles ausgepackt haben, geht’s an den Aufbau. Plattenspieler am Zielort aufstellen und mit den höhenverstellbaren Gerätefüßen und einer Libelle das Chassis ausbalancieren, Eurostromkabel in die Steckdose und in die Geräterückseite, das fest montierte Cinch-Kabel an den DJ-Mischer anschließen und Haube aufstecken. Zu guter Letzt arretiere ich die Headshell vorne am Tonarm. Das ging schnell. Verwunderlich: Weder Masse- noch Kaltgerätekabel. 

Erste Eindrücke

Eingeschaltet wird der Turntable mit Hilfe eines Drehschalters, der an prominenter Stelle vorne links untergekommen ist und die Aktivierung rot quittiert. Der Start-/Stopp-Schalter für den Motor befindet sich ebenso an gewohnter Position vorne links. Direkt benachbart: die Geschwindigkeitsauswahl mit den Tastern 33 und 45. Den Unterschied macht hier das Add-On des AT: Drückt man beide Buttons simultan, werden 78 rpm aufgerufen. Wer noch Schellack auf dem Dachboden hat, dem sei gesagt: Es wird für die Wiedergabe ein spezielles Mono-Abtastsystem benötigt, das separat erworben werden muss; 78 rpm allein reicht nicht!

Der 100-Millimeter-Pitchfader kann mit +/-10 und +/-20 Prozent in zwei verschiedenen Arbeitsbereichen agieren und der Gleichstrommotor kann vorwärts wie rückwärts laufen! Ein über dem Pitch-Slider befindlicher Taster wählt die Arbeitsrichtung aus, auch im laufenden Betrieb. Doch soviel sollte klar sein: Es handelt sich hier nicht um ein Instant-Reverse. Hierfür wäre der Motor wohl auch ungeeignet, zudem das Anlaufdrehmoment mit ein wenig mehr als 1,6 kgf-cm zu schwach und die Steuerung zu schwammig ist. Aber egal, wir verbuchen auf der Habenseite: „Mit Rückwärtsgang!“

Beim Warmmixen kommt mir der Antrieb aber nicht zu schwach dimensioniert vor, kein einziges Mal ist das Vinyl unter meiner Hand zum Stehen gekommen. Natürlich fühlt sich das nicht so mächtig an wie beim Gegenüber, einem Pioneer PLX-1000, aber es reicht aus, um alle Platten mühelos abzuwerfen. Kompliment!

Die Fein-Justage

Nach Ausbalancieren des Tonarms stelle ich zwei Gramm Auflagegewicht ein. Bleibt noch das Antiskating zu justieren, was aber leider nicht das gewünschte Ergebnis bringt. Auch beim Wert „7“ schmiert der Tonarm noch ab und zieht zur Mitte und das, obwohl er auch komplett in Waage aufgestellt ist. Das Rädchen bei diesem Exemplar des LP120-USB scheint ohne Funktion zu sein, was doch eher ungewöhnlich ist.

Leider stelle ich zudem beim AT-LP120-USB, wie auch schon bei den letzten Plattenspielern, die ich zum Test hier hatte, fest, dass die Hersteller gern mit einem vollständigen Setup werben und einen vormontierten Tonabnehmer gleich mitliefern, dafür aber auf eine Dreingabe verzichten, die früher als Cent-Artikel galt, dazu gleich mehr. Meiner Ansicht nach erweckt das zudem den Eindruck, man würde ein Plug-n-Play-Gerät erwerben und könne direkt loslegen. Im Prinzip geht das, theoretisch auch, aber:

Der Tonarm liegt nicht parallel zum Vinyl auf, nachdem man die Nadel aufgesetzt hat. Da der Arm nach vorne hin abfällt, liegt die Tonarmbasis im Verhältnis zum Platter zu hoch; sie lässt sich aber hinsichtlich der Höhe nicht mehr weiter hinuntersetzen. Die Skala steht auf „0“.

Es hilft also nur die Manipulation auf der Plattentellerseite, sprich verschiedene Auflagen ausprobieren, bis es passt. Oder man investiert in einen Spacer aus Holz oder Carbon (drei oder vier Millimeter, Kostenpunkt 15 - 20 Euro) und montiert diesen zwischen Headshell und Tonabnehmer. Die Gummimatte, die ich beim Auspacken so vermisst habe, wäre jetzt ein echter Segen. Nehmen wir eine von meinen, was tatsächlich exakt passt! 3,5 Millimeter Höhe fehlt also. Kostet einen halben Stern in der Endwertung.

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