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Test
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30.01.2018

Audified Synergy R1 Test

Hallgerät

This is not a Reverb

Wir haben es beim Audified Synergy R1 mit einer klugen und sehr flexibel einsetzbaren Kombination aus gleich mehreren Aspekten verschiedener Welten zu tun: Distanz, Nähe, Scharfzeichner, Weichzeichner, Digital, Analog, Software, Hardware. Das führt in einen kleinen Paradiesgarten an klanglichen Möglichkeiten, die ich in den folgenden Abschnitten etwas näher erläutern will.

Audified ist keine so junge Firma, wie es den Anschein haben mag: Hinter dem Namen, den die Firma erst seit etwa vier Jahren trägt, stecken alte Hasen der Digitaltechnik. Die waren schon seit den frühen 90er-Jahren unter den Namen DISK, Dsound und Audiffex als Hersteller von Gitarren-Effektplugins und in Sachen komplexe Beschallungssysteme tätig und haben dort die eine oder andere Pionierleistung erbracht. Zu den Produkten von Audified zählen Plugins, die auf digitaler Ebene analoge Sättigung simulieren. Bedenkt man, was für eine Aufmerksamkeit API-500er-Module zurzeit genießen, ist es also ein absolut naheliegender Schritt, nun auch analoge Geräte mit Real-Life-Sättigung anzubieten.

Das Synergy R1 besteht technisch gesehen aus zwei Modulen: digitales Hallgerät und analoge Sättigungseinheit. Die Reverb-Einheit ist klassisch algorithmisch aufgebaut (also kein Faltungshall) und erscheint zunächst simpel: Sie verfügt über sieben Grundalgorithmen, bei denen sich jeweils nur Länge, Vorverzögerung und Klangfarbe ändern lassen. Die überraschend große Vielfalt klanglicher Möglichkeiten liegt zum einen daran, dass der Parameter für Klangfarbe offenbar ein Bündel verschiedener Faktoren ist, die sich mit einem Regler gleichzeitig steuern lassen: Je nach Algorithmus ist die Wirkung unterschiedlich. Zum anderen liegt es daran, dass der Saturator einen sehr großen Einfluss darauf hat, wie der Hall sich entfaltet. Je nach verwendeter Sättigung kann das Reverb warm, kühl, klar oder wolkig daherkommen.

Als Sättigung werden drei Modi angeboten, die nicht simuliert, sondern mit echten Bauteilen realisiert wurden: Germanium-Dioden, einem diskreten Operationsverstärker und einer Schaltung mit integriertem JFET-Transistor.

Details

Das Gerät umfasst zwei Modulbreiten, macht äußerlich einen wertigen Eindruck und verfügt über ein übersichtliches Bedienfeld. Alle Potentiometer sind gerasterte Impulsgeber, dadurch ist der Wert unabhängig von der Position der Potis speicherbar. Oben links befindet sich die Funktion zum Laden und Speichern der neun direkt in der Hardware angebotenen Speicherplätze. Direkt daneben wird der Wert angegeben, der gerade verändert wird. Diese Anzeige teilen sich alle Funktionen. Im Ruhezustand erscheint hier die Nummer des geladenen Presets. Rechts oben lässt sich die Ausgangslautstärke einstellen und die Einheit global bypassen.

Die klangverändernden Regler befinden sich in der unteren Sektion: links Hall, rechts Sättigung. Beim Design war offenbar optische Symmetrie das wichtigste Kriterium, also kommen sowohl Reverb als auch Saturator mit jeweils zwei Potis aus, obwohl das Reverb wesentlich mehr Parameter bietet. Decay, Predelay, Colour und Reverb Type werden über nur ein Poti gesteuert, das Wechseln des Parameters erfolgt über einen Druck auf das Poti. Die Bedienung ist wegen dieser Mehrfachbelegung etwas nervig, weil man ständig damit beschäftigt ist, zwischen Drücken und Drehen zu wechseln. Darunter liegt der Regler für Dry-/Wet-Mix und Bypass der Reverb-Sektion.

Der Saturator rechts daneben kommt mit seinen zwei Potis besser zurecht: Das obere ist für Gain zuständig, ein Druck darauf wechselt die Schaltungstypen. Darunter liegt Dry/Wet beziehungsweise Bypass für diese Sektion. Angesichts der Tatsache, dass das Panel über gleich zwei Dry-/Wet-Regler und drei separate Bypass-Knöpfe verfügt, sollte die Frage erlaubt sein, wieso sich alle vier Parameter des Reverbs eigentlich ein Poti teilen müssen.

Praktisch ist indes, dass der Status aller Potis zusätzlich zum erwähnten Zahlendisplay jeweils über eine einfache LED-Kette angezeigt wird, sodass man mit etwas Übung schnell erkennen kann, wie die Aktien gerade stehen. Die LEDs leuchten im Normalzustand grün. Gelb ist der Parameter, der gerade geändert wird. Rot bedeutet Bypass. Zwar funktioniert die Anzeige des Bypass bei meinem Testgerät nicht ganz unfallfrei, Audified versicherten mir aber auf Anfrage, dass zeitnah mit einem entsprechenden Firmware-Update zu rechnen sei.

Leider bietet das Gerät keinerlei Information über Eingangs- oder Ausgangspegel, das mag eine Art pädagogische Absicht sein, weil man dann aufmerksamer auf Verzerrungen hört als sie nur optisch zu lesen. Ich persönlich hätte allerdings doch gerne die Option, mich auch mal faul auf eine Anzeige zu stützen.

Unter der LED-Sektion befindet sich ein USB-Anschluss für den Computer, was neben der Automatisierbarkeit aller Parameter auch weitere Speicherplätze für User-Presets ermöglicht.

Die Control-Software bietet im Wesentlichen eine Nachahmung des Hardwarepanels, glücklicherweise sind hier alle Mehrfachbelegungen eliminiert und jeder Parameter hat seinen eigenen Knopf. Auf die Software kann ich leider nicht im Einzelnen eingehen, da sie mit meinem Testgerät nicht fehlerfrei lief. Die Rücksprache mit Audified ergab, dass es sich dabei offenbar um eine Ausnahme handelt, auch hier versicherte der Hersteller, mit Hochdruck an der Beseitigung aller Probleme zu arbeiten.

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