Test
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06.12.2011

Atomix Virtual DJ Remote Test

DJ-Software für iPad

Atomare Fernsteuerung

Man mag es zunächst kaum glauben, aber in Zeiten hart umkämpfter Euronen hat sich das Softwarehaus Atomix dazu entschlossen, seine DJ-Software für Mausakrobaten – Virtual DJ Home 7 – kostenlos zu verteilen. Mausgesteuert deshalb, weil Home weder externe Kontrollkonsolen noch Timecodes unterstützt. Dabei übertrifft die Freeware in einigen Aspekten sogar Platzhirsche in LE-Versionen, welche so manchem Controllerpaket beiliegen. Mein heutiger Testkandidat Virtual DJ Remote hat sich auf die Fahne geschrieben, eben diese Freeware und natürlich auch sämtliche kommerziellen Fassungen des beliebten Mixprogrammes über das iPad fernzusteuern. Die App ist nicht eigenständig lauffähig, sondern lediglich in Verbindung mit VDJ auf dem Mac oder PC einzusetzen und fungiert quasi als Wireless MIDI-Controller. Nach einer Investition von 8,99 Euro können wir der Sache auf den Grund gehen.

DETAILS

Virtual DJ7 ist aktuell in fünf unterschiedlichen Versionen erhältlich ist. Bis auf die Limited-Edition (max. 4 Softwareplayer) sind alle in der Lage, bis zu 99 Spuren zu mischen. Sie verfügen über einen internen Mixer mit Dreiband-EQ, Killswitches und Gain. Auch sind ihnen Sampler, Effekte und Loops gemein. Mit modernen Features wie automatischer BPM-Erkennung, Synchronisation auf Tastendruck, klicksensitiven Wellenformen, Hotcues und Beat-Indikatoren bestückt, spielen sie Musik, Videos und Karaoke-Dateien ab. Mixsessions zeichnet der interne Disk-Rekorder für die Nachwelt auf. Zu den Unterschieden: Die Home-Version muss leider ohne Web-Streaming, Mikrofonunterstützung, Hardware-Controller und Timecode-Kontrolle auskommen. Ferner ist es ihr nicht möglich, Video im Vollbild auszugeben oder Skins, Effekte, Mappings und Tools von der Website zu laden. Das Audiorouting kennt vier Voreinstellungen von Mono-Split bis zur Vierkanal-Ausgabe mit Master und Preview. Die Einzelausgabe der Decks ist nicht möglich. Virtual DJ Broadcaster ist offen für Skin- und FX-Downloads und streamt den Mix auf Wunsch an einen Webserver. Pro-Basic (79 Euro) unterstützt zusätzlich ein Mikrofon und die separate Audioausgabe jedes einzelnen Decks. Nur die Vollversion (239 Euro) hat Timecode-Kontrolle, MIDI-Unterstützung und Fullscreen-Videoausgabe an Bord.

Die Installation gestaltet sich absolut einfach: Ab zum iTunes Store, Artikel für 7,99 Euro kaufen, aufs iPad laden und dafür Sorge tragen, dass sich iPad und Notebook im gleichen Netzwerk befinden. Dann Virtual DJ 7 auf den Rechner und die App starten. Im Config-Tab sollte das Tablet dank SSD-Protokoll unter dem Reiter iPhone/iPad auftauchen. Der Handshake wird durchgeführt, sobald der User auf Connect klickt. Alternativ besteht die Möglichkeit, ein separates Netzwerk manuell anzulegen und die IP-Adresse auf dem Rechner einzugeben. Außerhalb der eigenen vier Wände ist eine Ad-Hoc-Verbindung, der lediglich die Kommunikationspartner beitreten, absolut zu empfehlen. Dann ist es nämlich unerheblich, ob am Bestimmungsort ein WLAN vorhanden ist, oder nicht. Werfen wir nun einen Blick auf die unverblümte Originalfassung der VDJ-Remote aus dem iTunes Store.

Die Bedienoberfläche ähnelt einer Matrix von drei mal drei Feldern. Zentrales Element ist der Zweikanalmischer mit zwei 25mm-Volume-Fadern, denen ein Pegelmeter und ein Überblendregler zur Seite stehen. Equalizer suche ich vergebens. Na so was! Der Mixer wird von zwei identisch ausgestatteten Decksektionen flankiert, deren Mitte das typische Redlabel-Vinyl mit dem bekannten Schriftzug präsentiert. Rechts neben der virtuellen Schallplatte sind die Pitchfader (30 mm) arrangiert. Darunter befindet sich die Transportsektion mit den Tasten Cue, Pause, Play und Sync sowie einer Loop-Schaltfläche.

Rechts unten sehe sich je ein Effektrack pro Deck sowie ein bipolares Filter mit Reset-Funktion. Die Attribute der Klangverbieger werden nicht über einen virtuellen Drehregler, sondern über einen Slider mit ebenfalls kurzen 30 Millimetern festgelegt. Es ist nicht möglich, den Effekt vom iPad aus zu tauschen. Auf der gegenüberliegenden Außenposition haben vier Slots des Sampleplayers Platz gefunden. Jedes Sample verfügt über einen Lautstärkeregler sowie eine Loop- und eine Abspieltaste. Ein kurzer Hieb auf “Rec” befüllt den Tank mit einem Auszug aus dem laufenden Audiomaterial. Leider ist es nicht möglich, ein Sample über WiFi zu syncen oder in den Beat zu schubsen. Allerdings offeriert die Desktop-Version im Loop-Modus automatisches Pitch- und Beatmatching. Besondere Beachtung verdient die Browser-Sektion, da sie bidirektional mit der Software zusammenarbeitet und aktuelle Ordnerbezeichnungen und Songs mit den Tags Artist, Title, Time, BPM direkt auf dem iPad anzeigt. Folder setzt den Fokus auf den Verzeichnisbaum, die beiden Richtungstasten lenken auf und ab. Ein erneutes Betätigen von Folder, und der Fokus rutscht eine Hierarchieebene tiefer, wo dann weiter gebrowst wird. Mittels “Song” gelangt der DJ in die Titelliste. Mit den Tasten “Load Left Deck” und “Load Right Deck” wandert der aktuell angezeigte Titel in das Softwaredeck der Wahl. Prima, da muss der Beschallungsverantwortliche nicht so oft zum Notebook schielen. Jetzt noch eine inkrementelle Suchfunktion, und die Sache wäre geritzt.

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