Test
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21.01.2021

Praxis

Spinne ist notwendig

Das Aston Element Bundle aus Mikrofon, Spinne und Poppschutz ruft einen Preis auf, der deutlich unter dem Preis für manche Spinnen für Premium-Mikrofone liegt. Dafür erhält man mit der Aston-Halterung ein recht simples, aber funktionelles Konstrukt. Es ist zu hoffen, dass der Kunststoff nicht irgendwann spröde wird und die Nuten, mit denen das Mikrofon in die Spinne eingeclipt wird, irgendwann nicht mehr eine so feste Verbindung eingeht. Ich bin ein Freund davon, wenn Mikrofone immer auch ohne elastische Halterung funktionieren. Zu schnell geht eine solche kaputt, wird irgendwo liegen gelassen, verlegt oder vertauscht. Allerdings ist das Aston Element ziemlich empfindlich gegenüber Körperschallübertragungen, da ist die Spinne eine fast schon notwendige Abhilfe. Das Mikrofonkabel ist aber weiterhin eine mögliche Trittschallbrücke.

Kleine, starke Magneten halten die Poppfilterkonstruktion an ihrem Platz. Das Metallfilter funktioniert ganz ordentlich und beeinflusst die Höhen weniger stark, als man befürchten musste. Dennoch sind Stoff- oder Schaum-Poppfilter etwas weiter im Vorteil (sehen aber auch einfach nicht so toll aus). Ohne Filter ist das Aston Element genau so empfindlich wie andere Mikrofone auch.

Nicht „picky“, was Preamps angeht

Als aktives Tauchspulenmikrofon ist es notwendig, dass Phantomspeisung anliegt. Dass dies der Fall ist, erkennt man am dann illuminierten Aston-Logo auf der Vorderseite. Vielleicht ist an dieser Stelle angebracht mitzuteilen, dass das Aston Element mit wirklich allen Preamps gut klarkommt, auch mit wirklich einfachen, die in preiswerte Audio-Interfaces eingebaut sind.

Springt mich nicht an – muss es auch nicht

Die ersten Töne aus dem Aston offenbaren, dass das Signal aus dem Mikro sehr breitbandig und fehlerlos klingt, aber in jedem Fall eigenständig ist. Es ist gar nicht so, dass ich sagen könnte, dass mir der Klang des Aston Element wirklich gefallen würde. Er springt mich nicht an, das Mikrofon klingt nicht edel oder atemberaubend detailliert. Das muss aber auch gar nicht jedes Mikrofon liefern, im Gegenteil. Edler Klang wird meist erreicht durch bestimmte Klangfärbungen, das Element ist hier sehr nüchtern. Der Detailreichtum eines typischen, hochwertigen Groß- oder gar Kleinmembran-Kondensatormikrofons wird nicht erreicht. Allerdings ist auch das kein wirklich ausschlaggebendes Kriterium, denn sonst würde wohl niemand mehr auf die Idee kommen, Vocals beispielsweise mit einem SM7B

Kleiner Hinweis: Im ersten File ist ein Versprecher: Es sind auch dort 30 cm Abstand, nicht 10 cm. 

Keine künstlichen Höhen

Als „luftig“ kann man die Höhenwiedergabe nicht beschreiben, wenngleich das Element keinesfalls höhenarm ist. Auch das oberste Frequenzband ist mit ausreichend Pegel vorhanden, spielt sich aber nicht in den Vordergrund und klingt nicht so künstlich, wie man es bei einigen anderen Mikrofonen (durchaus auch Kondensern) beobachten kann. Bei der Verwendung mit der Stimme lässt sich gut erkennen, dass das Aston Element kein Stückchen kratzt und beißt. Auch scharfe Aussprache wird meist gelassen und eher zahm übermittelt, außer. Dadurch, dass der Präsenzbereich etwas verhalten ist, können manche Signale eine anschließende Erhöhung der Durchsetzungsfähigkeit vertragen, wenn das gewünscht ist. Die Ausrichtung des Element kann in vielen Anwendungen sehr vorteilhaft sein, vor allem als Gegenspieler zu den vielen auf „In your face“-Präsenz getrimmten Mikrofone im unteren Preissegment. Und wenn man bedenkt, dass viele Menschen sich diese Tonalität explizit gewünscht haben, scheint ja definitiv Bedarf für ein derartig getrimmtes Mikrofon vorhanden zu sein.

Erstaunlich knackiger Bass

Besonders im Vergleich zum Shure SM7B fällt auf, wie stark dieses in den Mitten den Brustton betont. Diese Eigenschaft ist treffend mit „kernig“ beschrieben. Das Aston Element hingegen setzt mehr auf ein solideres Bassfundament, was ihm gut gelingt: Selbst bei geringem Abstand und entsprechender Basserhöhung durch den Nahbesprechungseffekt entsteht kein überbordender und verschwimmender Anteil tiefer Frequenzen. Das Element ist im Bass knackig, präzise und trocken, dabei aber nicht von hohem Pegelanteil. Damit ist das Aston ganz anders als die meisten Bändchen, die die hohen Bassanteile im Signal bisweilen stark harmonisch anreichern. Toll ist das Element auch für eher brave und wohlige Bass-Signale beim Cabinet-Miking.

Zurückhaltend – das ist aber nicht schlecht!

In seiner Gesamtheit wirkt das Aston Element zwar warm und etwas zurückhaltend, aber weder höhenarm noch schwammig oder anreichernd. Es klingt damit einerseits natürlich, aber eben auch eigenständig. Das Lob, hier eine wirklich spannende Grundausrichtung gewählt zu haben, geht der Entwicklungslogik zufolge allerdings nicht an Aston, sondern an die vielen User, die mehrheitlich ein so klingendes Mikrofon ihr Eigen nennen wollten.

Grobdynamik in Ordnung

Feindynamisch ist das Mikrofon absolut in Ordnung, die meisten vergleichbaren kosten mehr, etwa das EV RE-320. Grobdynamisch kann das Element geradezu begeistern: Die aktive Elektronik ist sehr gelungen, das Mikrofon ist im Betrieb tatsächlich sehr leise und wird erst bei wirklich hohen Pegeln kratzbürstig.

Pattern schmal in den Höhen

Bei bewegten Schallquellen – und damit sind vor allem Stimmen bei Sprach- oder Gesangsaufnahmen gemeint – sollte der Bereich möglichst begrenzt bleiben und den Hochmitten und Höhen besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Das Nierenpattern ist dort, wohl als Konsequenz der großen Membran, recht eng, wodurch besonders auf den Zischlauten eine Klangfarbenänderung eintritt, wenn sich der Schalleintrittswinkel zum Mikrofon ändert.

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