Hersteller_Arturia
Test
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16.03.2010

Praxis

Die vielen Knöpfe und Taster sowie der logische Aufbau machen das Handling des Origin zum Vergnügen.Alle wichtigen Parameter der Oszillatoren, Filter, LFOs, Hüllkurven, Mixer, Effekte und des Sequenzers stehen direkt und immer zur Verfügung. Wenn ich also über den Bildschirm gerade an der Zusammenstellung eines Synths schraube, kann ich per Direktzugriff trotzdem schnell die Filterfrequenz verändern. Das ist genau der Vorteil, den man an einer Hardwaremaschine schätzt und das ist Arturia hier sehr gut gelungen. Direktzugriff heißt, dass ich über den weißen Drehregler den Oszillator oder Filter auswähle, den ich verändern möchte, und ihn dann mit den schwarzen Reglern justiere. Will ich mehr verändern, taucht mit einem Druck auf den weißen Regler das ganze Modul auf dem Bildschirm auf.Neben den dedizierten gibt es übrigens auch noch acht nicht festgelegte Regler, die nach eigenem Gusto belegt werden können. Hat man also einen Patch erstellt, wird man sich die meiste Zeit mit den Knöpfen und Reglern auf der Oberfläche beschäftigen können, ohne in die darunter liegenden Computer-Synth-Tiefen hinabsteigen zu müssen.

Keine Frage: Der Origin klingt fett. So stellt man sich einen analogen Synthesizer vor und die von Arturia bekannte Klangqualität ist auch hier zu finden. Hier zwei Beispiele mit MiniMoog:

Es geht aber auch ein wenig kühler:

Im Handbuch wird anhand von Grafiken „bewiesen“, dass der Origin aliasingfrei ist. Nachdem ich die ersten Sounds gehört habe, wollte ich das noch einmal selbst nachprüfen. Hier der Origin-Oszillator als Dreieck, ohne Filter oder andere Parameter direkt zum Ausgang geleitet:

Kein Aliasing hört sich anders an. Ich habe den Gegentest mit einem Synth der gleichen Preisklasse eines bekannten schwedischen Herstellers gemacht, verkneife mir aber, das hier einzustellen. Sagen wir einfach: besser.

Der MiniMoog klingt sauber und macht wirklich Spaß. Hier ein typischer Moog-Sound und ein paar Filtersweeps:

So sieht das Ganze übrigens auf dem Bildschirm aus:

Mich stört tatsächlich die Unschärfe des Bildes, aber das mag eine ganz persönliche Sache sein, da ich in dieser Beziehung sehr empfindlich bin. Viel schlimmer ist aber, dass der Origin reproduzierbar abstürzt, und zwar bein mindestens zwei Gelegenheiten: einmal, wenn man sich mit dem Jogdial aus der Modulationsmatrix herauswählt, und zum anderen, wenn man in das Spielhilfen-Menü (Pitchbend etc.) hinein möchte. Da hilft nichts anderes, als ihn ein- und wieder auszuschalten. Diese Bugs stehen auf der Liste für das nächste Update, sollen hier aber trotzdem aufgeführt werden, denn das gute Stück ist durchaus auch mal beim Testen der Presets abgestürzt.

Interessant am Origin ist die Möglichkeit, sich aus den verschiedenen Modulen seinen „eigenen“ Synth zusammenzustellen. Da liegt es doch nahe, sich einfach einmal das Moog-Template zu nehmen, dort den Filter auszubauen und die anderen auszuprobieren. Leider geht das so direkt aber nicht, weil man die Templates nicht editieren kann. Also müssen wir uns etwas Neues einfallen lassen und nehmen eben nur zwei Moog-Oszillatoren, einen Filter und einen LFO, der die Filterfrequenz verändert. Die Resonanz machen wir dann von Hand.

Keine Frage, das war jetzt sehr pädagogisch, deshalb auch keine Wiederholung. Aber wer sich den Origin zulegt, macht das ja genau aus dem Grund, dass er die alten analogen Synth-Meisterwerke nicht nur spielen möchte. Das kann er ja auch mit der Software allein. Der Reiz besteht eben gerade darin, dass er aus den verschiedenen Bauteilen auswählen kann.

 

Hier ein Beispiel, wie so ein Patch aussehen könnte; einmal in der Rack- und einmal in der Patch-Ansicht:

Hört man sich so durch die mitgelieferten Patches, dann fällt auf, dass es im Moment nur zwei Synths zur Auswahl gibt: Den oben besprochenen MiniMoog und den Arturia Origin, der mit den Mitteln von heute seinen Modulen auch mehr Möglichkeiten gibt, also beispielsweise einen 24-db-Filter. Das kann sich dann so anhören:

Der Origin bietet 1000 Programmplätze, 444 Programme werden frei Haus geliefert. Im Patch-Browser lässt es sich sehr schön nach bis zu zwei Parametern suchen, also zum Beispiel nach Patchname, Programmierer, oder CPU-Belastung. Genial gelöst ist die „Programmvorschau“, die ein paar Sekunden lang den gewählten Sound abspielt.

 

Das machen wir uns zunutze und hören uns einige Beispiele an:

Wie man an den Nachhallfahnen gut hören kann, ist die Qualität des Halls höchstens mittelmäßig. Das ist schon problematisch bei einem Gerät, das sich preislich in der Profi-Liga befindet.

Zu erwähnen bleiben noch das Galaxy-Modul und der 2D-Envelope. Den 2D-Envelope stellt man sich am besten als ein Werkzeug zur Automatisierung des Joysticks vor. Auch der Origin-Joystick hat vier verschiedene „Ecken“, obwohl er rund ist. Zwischen diesen Eckpunkten kann man mit seiner Hilfe navigieren, und weil man dann immer zwei Werte gleichzeitig verändert, nämlich auf der X- und auf der Y-Achse, spricht man von 2D. Mit dem 2D-Envelope kann man jetzt einen Startpunkt sowie vier weitere Punkte auf der X/Y-Achse festlegen, die dann innerhalb einer bestimmten Zeit „angefahren“ werden. Das ist für Soundloops natürlich prima. Der 2D-Envelope hat im Übrigen mit dem Joystick gar nichts zu tun, er lässt sich nur prima mit ihm programmieren.

 

Das Galaxy-Modul hat gewisse Ähnlichkeiten mit dem 2D-Envelope, und wir können uns wieder eine X/Y Achse vorstellen. Ein LFO A, den wir auf die Tonhöhe eines Oszillators einwirken lassen, schwingt dabei immer auf der X-Achse hin und her. LFO B, der die Filterfrequenz moduliert, auf der Y-Achse. Der Schnittpunkt der beiden schwingt also mehr oder weniger wild durch den Raum. Jetzt schlägt aber noch ein dritter LFO zu, der anfängt, das X/Y-Kreuz zu drehen, was natürlich dazu führt, dass dem armen Punkt kotzübel wird. Und das hört sich dann so an: Wir beginnen mit einem Sound, dann kommt LFO A dazu, dann LFO B und schließlich noch der Galaxy-LFO Phi.

Bleibt noch der Step-Sequenzer mit 32 Schritten, der sich über die 16 Frontpanel-Regler und Knöpfe prima programmieren und spielen lässt. Eigene Patterns lassen sich abspeichern, MIDI-Dateien können allerdings nicht gelesen werden.
Der Arpeggiator wird ein bisschen stiefmütterlich behandelt - bis auf fünf Spielmodi und Oktavauswahl gibt es dort nämlich nichts zu holen.

Das Handbuch scheint sich an Anfänger zu richten, mit Hinweisen, welche Wellenformen sich für welche Sounds eignen und einer Einführung in die subtraktive Synthese. Am Ende ist es aber doch ein ziemlich technisches Handbuch geworden, dem leider ein Stichwortverzeichnis fehlt.

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