Test
2
21.08.2015

Praxis

Combo-Buchsen ohne Combo-Stecker

Wenn ich die Rückseite des Antelope MP8d betrachte, bin ich voll des Lobes: Die digitale Connectivity und die Clocking-Möglichkeiten sind grandios und in höchstem Maße professionell. Heimstudio, Recording-Studio, Broadcasting, überall kann Antelopes Pre/ADC eingesetzt werden. Die Combo-Buchsen sind bei einem 1HE-Gerät die logischste Entscheidung, wenngleich man sich natürlich bei Rack-Einbau die gemütliche Software-Umschaltbarkeit von Mikrofon- auf Line-Input wünschen würde. Dadurch ließen sich Recording- und Mixing-Modi einfacher bewerkstelligen, also „to-tape“ die Mikrosignale, im Mix dann Rückspielungen der externen Effektgeräte oder dergleichen. Außer, ein Hersteller erfindet passend zur Combobuchse noch einen Combostecker. Neutrik? Amphenol? Anybody?

Rackblende mit Mehrwert

Die – ich nenne das Kind ruhig mal beim Namen – mangelhafte Ausstattung des MP8d mit Bedienelementen hat natürlich auch ihre Vorteile, darunter einen insgesamt durchaus günstigen Preis und ein kleiner Footprint im Rack. Allerdings finde ich es immer nachteilig, nicht mit einem Gerät autark alle Einstellungen vornehmen zu können. An/Aus, Quelle, Gain, Headphone-Level: Damit liegt der Hardware-Funktionsumfang nur einen Schritt über einer Rackblende. Die eigentlichen Möglichkeiten bedürfen der Bedienung eines Computerprogramms. Ich persönlich würde lieber ein paar hundert Euro mehr ausgeben und die zukunftssicherere Möglichkeit haben, die ganzen feinen Möglichkeiten auch mit dem autark betriebenen Gerät auszuschöpfen. Und noch etwas: Steht der MP8d nah bei den Mikros im Aufnahmeraum, macht einem schnell die maximale Länge der USB-Verbindung einen Strich durch die Rechnung (oder erweitert diese Rechnung um Repeaterlösungen). Da wäre dann doch WiFi mit einer Steuerungs-App ganz praktisch…

Riesenlob: Control Panel

Doch bevor ich mich hier ins Kritteln und Fabulieren versteige: Die Möglichkeiten des kleinen Geräts sind insgesamt grandios, die Software ist nichts, was man nur wiederwillig benutzt: Das gesamte Panel ist aufgeräumt, logisch und schlau durchdacht. Das kann nicht jede Kontrollsoftware von sich behaupten. Wirklich: Ich habe mich selten direkt nach dem Öffnen eines Control-Panels so wohl gefühlt. Prädikat: „Instant Living Room“.

Und jetzt: Sound

Jetzt habe ich aber lange hinter dem Berg gehalten, denn bei einem Mikrofonvorverstärker mit Wandler wie dem MP8d zählt vor allem natürlich der Sound. Und der ist… na, wer errät's…? Hervorragend! Wie schon bei anderen Antelope-Geräten erwartet das analoge Input-Signal eine äußerst feine Vorverstärkung, die als Basis für jegliche Arbeit mehr als geeignet ist: Details werden absolut sauber dargestellt, Transienten unbehelligt in die digitale Domäne übersetzt – und alle acht Channels sind absolut identisch. Super: Der Preamp verfügt selbst bei Maximalverstärkung über ein sehr geringes Rauschen und klingt über den ganzen Regelbereich absolut konstant. Das gilt genauso für DI- und Line-Signale. Über den Frequenzgang lässt sich kaum eine charakterliche Aussage treffen, außer, dass der reine Mic-Pre schon vor der Wandlung eine Nuance dicker erscheint als der True Systems P-Solo Ribbon und, mit Phantomspeisung betrieben, eine kleinste Spur kratzbürstiger als etwa der DPA HMA-5000 mit P48-Converterbarrels. Bezüglich Auflösung, Stereobühne und Mikrodynamik kann sich der MP8d im Test leicht über dem MotU 896 mkIII positionieren, muss sich aber erwartungsgemäß wie so viele Wandler dem Lavry Black AD-11 unterordnen, selbst wenn dieser „nur“ mit seiner maximalen Samplerate von 96 kHz antritt. Hier kommt aber wieder der Preis ins Spiel, denn der Vergleich mit einem zweikanaligen Pre/AD für weit über tausend Euro (Lavry) und einem Mono-Preamp für viele hundert (True) ist dann doch etwas ungerecht. Das ist insgesamt ein sehr gutes Ergebnis, denn bedenkt man zusätzlich zur Kanalzahl noch die Anschlussvielfalt des Antelope, steht er äußerst gut da. Die hochwertigen Achtfach-Preamps/ADCs beispielsweise von Grace Design (m801), Millennia (HV3D) oder RME (Micstacy) sind auch hervorragend clean und detailliert, kosten aber gerne mal das Doppelte. 

2 / 3
.

Verwandte Artikel

RME OctaMic XTC Test

Acht hochwertige Vorverstärker, vielfältige digitale Anschlussmöglichkeiten und eine Nebenfunktion als Audiointerface – der RME OctaMic XTC hat viele Talente, von denen wir uns im Test überzeugen.

Behringer ADA8200 Ultragain Test

Ein einzelner Kanal dieses achtfachen Preamp-Moduls kostet in etwa so viel wie eine einfach belegte Familienpizza. Das klingt doch verlockend!

User Kommentare