Software
Test
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13.10.2017

Praxis

Vorbereitung ist die halbe Miete

Harmony Engine EVO wird als Plug-in in den Insert des DAW-Kanals geladen. Wichtig ist, dass ausschließlich cleane Signale (ohne Effekte wie Hall, Choirs etc.) genutzt werden sollten, um zu guten Ergebnissen zu kommen. Zudem muss das Ausgangsmaterial vorher am besten in Melodyne bzw. AutoTune oder vergleichbaren Pitch Correction Tools sauber „in Tune“ sein. Wenn zu hohe Tonhöhenschwankungen und Abweichungen von eingestelltem Grundton und der Skala bestehen, kommt die Engine nicht mehr klar und ordnet die Töne falsch zu, wodurch deutliche Artefakte auftreten – und die klingen wirklich schrecklich. Daher sollte man am besten in den ersten Insert-Slot ein Pitch Correction Plug-in und in den zweiten Harmony Engine EVO laden. 

Beim Ausgangsmaterial darf es sich grundsätzlich nur um monophone Signale handeln, etwa Vocals sowie Instrumente, die keine Akkorde spielen. Handelt es sich beim zu bearbeitenden Material um eine Vocal, sollte man, bevor es losgeht, noch die Stimmlage des Sängers einstellen. Verfügbar sind Soprano, Alto/Tenor und Bass/Baritone. Falls es sich um ein Instrument handelt, hält das Plug-in auch dafür eine Option bereit. Um die Stimme des Sängers noch genauer zu definieren – damit möglichst gute Ergebnisse erzielen werden können –, bietet Harmony Engine Optionen für „Model Glottal“. Bei der Lautbildung der menschlichen Stimme dient die sogenannte Glottis als Artikulationsorgan. Je nachdem mit wie viel Ausdruck und Energie der Sänger eine Performance abliefert, kann die Vocal als Soft, Medium, Loud und Intensive eingestuft werden. Ist man sich nicht sicher oder ändert sich die Vocal im Song von weich gesungen bis zu intensiven Gesangseinlagen, belässt man den Parameter am besten auf Medium, was im Test oftmals zu den besten Ergebnissen führte.

Harmonies auf Knopfdruck!

Um der Hauptstimme eine Harmonie hinzuzufügen, wird lediglich ein Intervall ausgewählt. Sofern man sich zuvor Grundton und Skala entsprechend zum Song ausgewählt hat, erzeugt die Engine gleich passende Harmonien – allerdings auch nur dann, wenn das Material vorher wirklich in der Tonhöhe korrigiert wurde. Andernfalls treten starke Artefakte auf, was ich aber auch nicht anders erwartet hatte. Jeder Kanal lässt sich hinzumischen, stumm und solo schalten wie auch im Panorama verteilen, auch die Main-Vocal. 

Gemeinsam hören sich Haupt- und zweite Stimme (Intervall + 8) schon mal gut an; zur Kontrolle höre ich sie mir solo an. Da fallen dann stellenweise Artefakte auf, die besonders bei den Konsonanten entstehen. Auch mit Feinjustierung von Vocal Range, Model Glottal und Tracking konnten die Artefakte nicht ganz beseitigt werden. Letztere Option kann zwischen Relaxed und Choosy das anliegende Signal unterschiedlich bewerten: Handelt es sich um ein in der Tonhöhe korrigiertes Signal, tendiert man am besten in Richtung Choosy. Ist das Ausgangsmaterial eher unruhig oder nicht getuned, sollte das Tracking besser „Relaxed“ justiert werden. In den folgenden Klangbeispielen hört ihr die Leadvocal und daraufhin die mit Harmony Engine erzeugten Voices.

In der Humanize-Sektion habe ich die Parameter auf etwa 25 geregelt, da mir die Abweichungen zu stark geworden sind, was sich bei der Timing Variation bis hin zu einem kurzen Delay äußern kann. Mit dem Choir habe ich die Dopplungen ebenfalls nicht zu stark abweichen lassen und Werte zwischen 25 und 50 gewählt. Die Ergebnisse klingen bis auf hin und wieder kurz auftauchende Artefakte wirklich authentisch, was besonders im Kontext mit dem restlichen Arrangement des Songs natürlich wirkt.  

Die Engine funktioniert auch sehr gut mit monophonen Instrumenten, etwa dem Cello, das ihr in den nächsten Klangbeispielen hören könnt. Auch hier habe ich erst die Stimmen und daraufhin die Choirs hinzugeschaltet und feinjustiert: Das Ergebnis klingt wirklich brauchbar, da Harmony Engine gut auf das anliegende Signal reagiert! Die Choirs liefern authentische Dopplungen, die je nach feinjustierten Stimmen ein in sich stimmiges Klangbild ergeben.

Was fehlt?

Leider muss das Plug-in ohne Multi-Output auskommen, weshalb die sich nicht auf einzelne Kanäle der routen lassen. Sehr schade, denn dadurch muss man sich mit dem Klangbild abfinden, das aus Engine herauskommt. Man möchte instinktiv zu EQ und Co. greifen. Da tiefere und höhere Stimmen durch ihre unterschiedlichen Tonlagen auch andere Frequenzbereiche besetzen wäre es sinnvoll sie unabhängig von der Hauptstimme zu bearbeiten. Das ist so nicht möglich. Daher ist man darauf angewiesen das Ausgangsmaterial auf weitere Spuren der kopieren und in jede eine Engine-Instanz laden, was wiederum jedes Mal mit Konfiguration und kostbarer Rechenleistung verbunden ist.

Davon abgesehen fehlt dem Plug-in ein eigenes Pitch-Correction-Modul, denn ohne vorige Tonhöhenkorrektur erhält man keine anständigen Ergebnisse – worauf sogar im Manual hingewiesen wird. Hier hat man bewusst auf entsprechendes Feature verzichtet, um den AutoTune-Absatz anzukurbeln. Dadurch, dass die meisten gängigen DAWs heutzutage mit diversen Plug-ins oder Editoren ausgestattet sind und selbst der Freeware-Markt einiges zum Pitch Editing hergibt, ist es zu verkraften.

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