Hersteller_AmericanAudio
Test
5
18.10.2011

DETAILS

Ein harter Brocken

Mein lieber Herr Gesangsverein! Was sein Gewicht angeht, hinterlässt der VMS2 schon mal einen bleibenden Eindruck. Satte fünf Kilo bringt er auf die Waage, die er in erster Linie dem äußerst robustem Stahlpanzer verdankt. Und auch die fetten Gummischützer an den Kanten sind nicht ohne. Seine Bauart prädestiniert ihn für den mobilen Einsatz, wo es schon mal etwas rauer zugehen kann. Mit Maßen von 400 x 300 x 65 mm empfiehlt er sich gleichfalls für den Rucksack des Wander-Deejays oder das Handgepäck am Airport, welche man wahrscheinlich getrost in die Ecke feuern könnte, ohne dass es dem Controller etwas ausmachen würde - wäre nicht das Notebook drin. Den Schütteltest besteht der Testkandidat ebenfalls mit Auszeichnung. Da wackelt und klappert rein gar nix. Sämtliche Buttons haben eine praxistaugliche Größe und sind überwiegend beleuchtet. Alle Channelfader sind fest verbaut und gleiten angenehm, ohne zu schleifen auf der Leiterbahn. Die gummierten Potis zeigen eine rastende Mittenstellung und haben ausreichend Platz zueinander. Hier ist eine deutliche Verbesserung zum VMS4 festzustellen, denn die neuen Regler sind nicht mehr so wackelig und leichtgängig. Obendrein liegen sie auch besser in der Hand. Prima. Bei dem uns vorliegenden Exemplar gibt es jedoch - genau wie beim Vorgänger - minimale Ungenauigkeiten in der Fertigung, denn in Nullstellung stehen nicht alle Markierungen an den Potis exakt auf zwölf Uhr. Aber wir wollen nicht päpstlicher sein als der Papst. Zum Lieferumfang gehören Netzteil, USB-Kabel, Installer-CD und Rackohren. Für ein Dustcover gegen Staubbefall hat es indes nicht gereicht, doch behalten wir dabei im Hinterkopf, dass der Testkandidat sich bei einem Straßenpreis von 300 Euro einpendelt und dass der Fachhandel bei Bedarf passende Schutzabdeckungen ab 15 Euro anbietet.

In Anbetracht der Tatsache, dass der große Bruder VMS4 (UVP: 609 Euro) bereits seit über einem Jahr erfolgreich am Markt vertreten ist, verwundert es erst einmal kaum, dass das schicke anthrazitfarbene Design, das nahezu symmetrische Layout (hat sich bei der Cue-Sync-Abteilung verändert) und einige Baugruppen ähnlich gehalten sind. Allerdings fehlen zwei Kanäle und American Audio verzichtet auf die FX-Sektionen und ihre Drehregler. Nix für effektverliebte Traktorianer also? Zumindest würde sich das mit der Herstellerbeschreibung decken. Laut dieser haben die Produzenten ihren Schützling nämlich für DJs konzipiert, die einen robusten All-in-One Controller zum Abspielen von Laptop-Musik und zum Einbringen externer Quellen, wie CDs und Schallplatten suchen. In diesem Tenor gehört es sich natürlich, einen Mikrofonkanal zu integrieren. Denn dort, wo nicht die technoiden Bässe und Filterfahrten das willige Tanzvolk dirigieren, könnte die Notwendigkeit zur Moderation oder auch zum Rap bestehen. Da kommt die neue Mikrofonschaltung „Pro-Stage“ gerade recht und empfiehlt sich für Wedding-Deejays, Promoteams und Partyrecken. Bevor es weitergeht, lassen wir uns kurz einmal einige Auszüge aus der Featureliste auf der Zunge zergehen:   ·

  • zwei umschaltbare MIDI-Log-Kanäle
  • Integrierte 4-In/4-Out-Soundkarte
  • zwei symmetrische XLR-Ausgänge
  • Dual-Layer MIDI-Steuerung per Shift
  • Dedizierte Loop- und Cue-Sektionen
  • Virtual DJ LE „für lau“  

Klingt verlockend,

oder?

Front- und Backpanel

Mit Ausnahme des vorderen Kopfhörerausgangs positioniert die Konstruktionsabteilung sämtliche Schnittstellen zur Außenwelt an der Hinterseite - damit ist der DJ gegen Kabelgeflecht auf der Arbeitsfläche gefeit. Ein Blick aufs Backpanel zeigt von links nach rechts zunächst den Power-Schalter, eine Buchse für ein externes Steckernetzteil sowie einen USB-Port-Typ-B. Daneben haben zwei symmetrische XLR-Ausgänge für den Master Platz gefunden, welcher wie der Booth-Out ebenfalls als Cinch vorliegt. Dann folgen die analogen Eingänge gleichen Formates. Sie können per Switch im Phono- oder Line-Modus arbeiten. Damit es beim Betrieb von Plattenspielern nicht zu Brummschleifen kommt, hat jeder Kanal eine eigene Erdungsschraube spendiert bekommen. Den Abbinder macht eine XLR-Klinken-Kombi für dynamische Mikrofone.

Am vorderseitigen Anschlussfeld sind auf halblinker Position Gain- und Tone-Regler für die Mikrofon-Sektion untergebracht. Der Drucktaster trennt das Signal störfrei von der Summe, was sicherlich nicht nur Moderatoren, sondern auch MCs oder andere sangeskundige Personen erfreuen wird, die keinen Schalter am Mikrofon haben. Was den Sound selbst angeht: Der ist gemessen an der Preisklasse des VMS2 neutral und rauscharm und sollte dank der neuen Schaltung auch allen Mikros gerecht werden – eine Verbesserung gegenüber dem VMS4.0. Das nachfolgende Audiofile haben wir mit sämtlichen Reglern in Mittenstellung aufgezeichnet.

Auf der gegenüberliegenden Seite ist der Kopfhörerausgang positioniert. Er wird von einem Gain-Regler und dem obligatorischen Cuemix-Poti unterstützt, welches stufenlos zwischen Master und Monitorsignal blendet. Was aus der Buchse rauskommt, hat genug Saft für Bars, Stages, Partys oder mittellaute Clubs – keine Frage. Eine Mono-Split-Funktion zum Aufteilen der Signale auf die linke und rechte Muschel oder Box suche ich indes vergebens. Schade auch, dass keine zweite 3,5-Millimeter-Buchse für Kopfhörer mit Miniklinke verbaut ist.  

Letzte Frontpanel-Ingredienzien sind ein Drehregler für die Flankencharakteristik des Crossfaders und der Umkehr-Switch. Erstgenannter regelt zwischen schneller, linearer Blendcharakteristik und gemächlich ansteigender Kurve. Letztgenannter ermöglicht eine Umkehrung der Blendrichtung. Nicht zu vergessen sind die beiden MIDILOG (Kunstwort aus MIDI & Analog) - Schalter. Sie legen fest, ob der jeweilige USB-Playout oder analoge Input auf dem Master ausgegeben wird. Dass sie entgegen gängiger Mischpultlösungen an der Vorderseite und nicht auf der Oberfläche angebracht wurden, stört mich persönlich nicht. Nur am Backpanel wäre unpraktisch, denn wer hat schon Lust, im laufenden Betrieb hinter dem DJ-Tisch rumzufummeln. Und um es gleich vorwegzunehmen. USB-Playout bleibt auch nach einem Wechsel auf analog erhalten, was einen Gemischtbetrieb zwischen DJ-Software und externen Zuspielern sicherstellt. 

Kommandobrücke

Trotz recht kompakter Maße bringen American Audios Entwickler insgesamt 43 Tasten, zehn Drehregler, einen Encoder, fünf Fader und zwei Jogwheels auf der Bedienoberfläche unter – ohne dass der Proband dabei unübersichtlich wirken würde. Zum einen liegt das sicherlich am zweckdienlich bemessenen Abstand zwischen den Bauteilen zum anderen an der deutlich ablesbaren Beschriftung der einzelnen Funktionsauslöser. An zentraler Position lacht mir das Mischpult mit seinem Dreiband-EQ entgegen. Ein kompletter Kanalzug ist wie folgt ausgestattet:  

Er beginnt im Norden mit dem Gain-Regler, dann folgen Treble-, Mid- und Bass-Equalizer samt Vorhörtaste und ein 45 Millimeter langer Linefader. In welchem Regelbereich der Cut-Boost liegt, lässt sich von der Hardware nicht ablesen, da die Skalierung einfach von null bis zehn reicht. Dies kann man bei einem DJ-Mischpult infrage stellen. Wir schlagen also im Handbuch nach und erfahren, dass die maximale Anhebung bei +6 dB liegt, die maximale Absenkung bei -100 dB. Es handelt sich also um Kill-EQs. Wir haben Hörproben des Cut-Boost der einzelnen Bänder und der Killfunktion nachstehend aufgezeichnet. Audio: HiBC

Für Überblendungen zeichnet ein regelbarer 45-Millimeter-VCA-Crossfader verantwortlich. Er ist austauschbar und kompatibel mit den Modellen Marke Innofader. Darüber sitzt das Peak-Meter und informiert mit zwei Mal zwölf LEDs (Ampel-Farben, versteht sich) über die Pegelverhältnisse am Master Out. Leider ist es nicht möglich, die Einzelkanäle separat zu visualisieren, allerdings können diese bei Bedarf in der Softwareoberfläche abgelesen werden.

Über der Aussteuerungsanzeige sind zwei Load-Buttons beheimatet, die zusammen mit dem Browser-Encoder und seinen beiden Richtungstasten (rechts, links) die Navigationseinheit für die Musikbibliothek auf dem Laptop bilden. Was es mit den Tasten hoch und runter auf sich hat, erfahrt ihr an anderer Stelle – nur so viel sei gesagt: Mit Navigation haben sie nichts zu tun. In meinen Augen ist es grundsätzlich als positiv anzusehen, dass sich die Produzenten gegen das Touchpad des VMS4 zugunsten einer Tasten-Encoder-Navigation entschieden haben. Nicht unbedingt, weil ich kein Touchpad mag - sondern einfach, weil die Umsetzung am VMS4 zu fummelig war. Noch eine Verbesserung. Nur weiter so.

Je ein Master und Booth-Poti hoch im Norden stellen sicher, dass Haupt-PA und Nebenanlage mit unterschiedlicher Lautstärke beschallt werden können. Am Booth liegt das gleiche Signal an, wie am Master. In der Praxis schaut vielleicht nicht jeder nach der dB-Skala, doch bei manchen Anlässen kann sie zum Einpegeln recht hilfreich sein, daher ist es schade, dass auch hier nur eine Skalierung von null (ganz links) bis zehn (ganz rechts) stattfindet. Ein Hinweis: Stehen sämtliche Regler in Mittenstellung (Gains, Master), pegelt das Signal etwa bei 0 dB ein. Was die Ausgangsleistung angeht, deckt sich die Pegelanzeige des VMS2 ungefähr mit dem, was beim DJM-600 als Eingangspegel angezeigt wird (Cinch).  

Master und Booth klingen sehr transparent und machen ordentlich Pegel. Erstgenannter vor allem an den symmetrischen Ausgängen. Die Phono-Preamps produzieren ein ziemlich authentisches Audiosignal, könnten aber für meinen Geschmack etwas druckvoller sein. Ich habe mir es natürlich nicht nehmen lassen, die Soundqualität der beiden VMS-Geschwister im direkten Vergleich zu prüfen und muss feststellen, dass der VMS2 dennoch in Sachen Audioqualität gegenüber seinem Vorgänger zugelegt hat. Auch der Kopfhörerausgang ist zerrfreier.

Deck-Sektionen und Jogwheels

Die Buttons CUE, PLAY und PAUSE stehen für die Transportabteilung. Darüber ist ein berührungsempfindliches 120-Millimeter-Jogwheel untergebracht, welches mit einer nominalen Auflösung von 2048 Ticks pro Umdrehung aufwarten kann. Der Tellerrand ist in typischer Turntable-Optik gefertigt. Das Oberflächendesign irgendwo zwischen Schallplattenrillen und Lakritzschnecke. Eine Buttonfunktion ist nicht integriert, stattdessen arbeitet der komplette Teller elektromagnetisch. Was bedeutet, dass die Impulse, die den Scratch-Modus auslösen, am Tellerrand unterbrochen werden müssen, soll ein Anschubsen ohne Scratch bei eben dieser Funktion möglich sein. Aus diesem Grund haben American Audio zwei durchsichtige, abnehmbare Gummiringe für die Seiten angefertigt.  

Wird der Teller also unter VDJ während der Wiedergabe seitlich angestoßen, erhöht sich das Tempo des Softwaredecks kurzzeitig um dann wieder auf Normal abzubremsen. In umgekehrter Richtung bremst es ab. Im Praxistest fiel auf, dass die Geschwindigkeit bis zu einem werkseitig festgelegten Wert variiert, der unabhängig vom gewählten Pitch-Intervall ist.  

Um einen Scratch-Vorgang auszulösen, ist der Vinyl-Button zu betätigen und beide Funktionen können genutzt werden. Schaltet der DJ „Smartscratch“ ein, werden nur die Vorwärtsbewegungen wiedergegeben. Anfangs ist die Tellerübersetzung im Handling noch etwas gewöhnungsbedürftig, denn ein Turnus an der Hardware entspricht etwa 1,5 Umdrehungen in der Software. Ferner zeigte sich, dass es eine leichte Verzögerung gibt, bevor der Track wieder anläuft. Auch kam es zeitweise vor, dass die Scratch-Funktion nicht auslöst, wenn ich zu sanft auf den Teller gedrückt habe. Beim Scratchen packt man halt härter zu, also nicht wirklich ein großes Problem – oder? Wer nicht scratchen will, kann die Kunststoffringe im Übrigen auch abnehmen. Im Pausenmodus lässt sich per Jogdial durch das Audiomaterial spulen.

An den oberen äußeren Flanken haben die Tempofader Unterschlupf gefunden. Sie sind mit 60 Millimetern keine Riesen, arbeiten aber in Abhängigkeit zum gewählten Pitchwert bis zu einem Zehntel genau. Daneben ist eine Schaltfläche platziert, die sich um das Regelintervall kümmert (6, 8, 10, 12, 20, 25, 33, 50 und 100 Prozent). Zwei Bend-Taster beugen das Tempo kurzzeitig, wobei die Geschwindigkeit konstant zunimmt, bis der vorgegebene (in VDJ7.05 pitch-unabhängige) Maximalwert erreicht ist. Vielleicht könnte hier ja ein Update nachhelfen, damit sich der Temposchub an die persönlichen Gepflogenheiten anpassen lässt!  

Virtual DJ

Ein Blick auf die Software: Atomix Virtual DJ7LE ist eine funktionsreduzierte Fassung von VDJ7-Pro und versteht sich auf das Mixen digitaler Audiodateien auf zwei virtuellen Decks (MP3, AAC, AIFF, WAV, WMA, OGG). Auch Videoformate wie DIVX, MPEG oder MOV stellen für den Kandidaten kein Problem dar. Insgesamt fünf Videoeffekte sind mit an Bord. Jedes Softwaredeck kommt in eigener, kontraststarker Farbgebung, die sich auch in den Wellenformen und im Beatmatcher widerspiegelt. In diesem Fall entschieden sich die Beteiligten für Blau (Deck-A, links) und Orange (Deck-B, rechts). Die grafische Umsetzung orientiert sich an der Hardware. Der Funktionsumfang der Light-Fassung beinhaltet nicht nur Funktionen, die mit den Bedienelementen am Controller gesteuert werden können, denn Atomix spendiert ferner einen integrierten Rekorder zum Aufzeichnen der Mixsession und einen Sampler, der beim Abfeuern mitgelieferter oder selbst extrahierter Audiodateien behilflich ist. Eine Lademöglichkeit für bestehende Sample-Bibliotheken ist nur in der Vollversion integriert.

2 / 4
.

Verwandte Artikel

User Kommentare