Software iOS
Test
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25.03.2013

PRAXIS

Jedes Deck kann auf ein eigenes Pop-up Panel zugreifen, welches über vier Funktionsreiter verfügt. EQ blendet einen Dreiband-Equalizer nebst Gain ein, der mit vier etwas kleinen Touchslidern dirigiert wird. Der zweite Tab öffnet die dreiteilig untergliederte Effektsektion - im Detail gibt es hier: 

A.) Manual FX (Bit-Crusher, Echo, Flanger, Gate, Phaser) mit Parameter- und Kombifilter-Fader.

B.) Die gleichen Effekte steuerbar via FX PAD, mit horizontaler Parameterachse und vertikalem Kombifilter (oben Hipass, unten Lowpass).

C.) Instant-FX (Absorb, Drift, Sway, Crush, Punch, Twist) als FX-Kombinationen mit temporärem Auslöseverhalten, solange der „Button“ gedrückt ist.  

Grundsätzlich kann ich der Effektsektion einen hohen Spaßfaktor attestieren, wenngleich die Fader aufgrund des geringen Platzangebotes recht klein ausfallen. Nachstehend ein paar Audio-Eindrücke:

Schleifen und Hotcues

Dann folgt der Schleifenbaukasten mit manuellen, automatischen und „gebouncten“ Loops. Wird der mittlere Button mit der Aufschrift „Loop“ aktiviert, setzt DJAY einen nahtlosen Audiozyklus voreingestellter Länge (1/16 – 32 Beats). Er wird grundsätzlich an der Auslöseposition gesetzt und nicht an einem Beat-Raster quantisiert. Die flankierenden Pfeiltasten sind für die Vorauswahl der Länge zuständig und verdoppeln oder halbieren die Länge bei laufendem Loop. Dann folgt das Highlight dieser Sektion: der Bounce-Mode. Er arbeitet im Stile eines Serato Loop-Rolls und offeriert sechs Schaltflächen, die einen Loop mit einer festgelegten Länge von zwei bis zu einem sechzehntel Takt setzen. Damit kann der DJ on-the-fly schon prima Instant-Loop-Jumps generieren lassen. Der Clou ist allerdings, dass der Titel dabei im Hintergrund unhörbar weiterläuft und nach Beenden der Manöver an der Stelle weiterspielt, wo er angelangt wäre, hätte der DJ nicht interagiert, sodass die Titel ständig in Sync bleiben sollten. Beim Autoloop hingegen kann es abhängig vom Verlassen bei kleinsten Schleifenintervallen zu einem Taktversatz kommen. Wie sich jedoch herausstellte, funktionieren auch die Rolls im Mix noch nicht perfekt. So musste ich leider bei Instant-Doubles öfter nachregulieren. Schalte ich noch eine Seite weiter, kommt der manuelle Setzkasten zum Vorschein. Er wartet mit den obligatorischen Buttons IN, OUT und RELOOP auf. Nachstehend haben wir für euch zwei Audiobespiele aufgezeichnet, die den Unterschied zwischen den beiden Auto-Loop Arten verdeutlichen sollen.

Ein weiteres Panel bringt eine Hotcue-Palette zum Vorschein, die drei virtuelle Lesezeichen setzen und abspielen kann. CUE 1-3 werden durch farblich unterschiedliche Punkte auf der virtuellen Platte gekennzeichnet und sind auch in der Wellenform als dünne Linien zu erkennen. So ist es ein leichtes, sich Markierungen für das Scratchen oder für Intros, Outros und Breaks anzulegen. Allerdings wäre hier eine zoombare Wellenform von Vorteil. Ferner stünde der Software auch Cue-Quantisierung und ein Grid fürs Snapping gut zu Gesicht.

Zwischen zwei laufenden Songs blendet der Crossfader. Er lässt sich auf traditionelle Weise manuell bedienen, indem der DJ mit dem Finger von einem Pol zum nächsten wischt. Mit einem Tipp auf die Pfeiltasten erfolgt alternativ eine automatische Blende in die gewählte Richtung. Dieser Vorgang ist mit einer „Autostart-Funktion“ ausgestattet, sodass angesprochene Decks von der aktuellen Position aus mit der Wiedergabe beginnen.

Multi-Audio

Die meisten Anwender werden wohl zunächst einmal den Kopfhörer anschließen und sich mit der App ein wenig vertraut machen. Und nach einer Aufwärmphase stellt sich natürlich das Verlangen nach einer Vorhörfunktion für den gegenüberliegenden Song ein. Das ist bei Verwendung des iPads ohne weiteres Interface nur per Adapter-Splitting (zum Beispiel Griffin DJ Cable) möglich, wobei DJAY das Master-Signal links ausgibt und das Cue-Signal rechts. Stereoinformationen gehen dabei natürlich verloren. Doch DJAY ist Multi-Audio-fähig, unterstützt also Master- und Monitor-Playout in Stereo, jedoch nicht die separate Ausgabe der einzelnen Decks. Für das klassische Previewing benötigt ihr ein iOS kompatibles Audiointerface, wie das ESI UDJ6 für 99 Euro oder ein Traktor Audio 6, das jedoch lediglich im Scratchpack für 299 Euro erhältlich ist. Der Vorteil des Native Instrumentes Interface: Es kann direkt an ein Camera Connection Kit angeschlossen werden, da es über eine eigene Stromversorgung verfügt. Beim ESI hingegen führt der Weg über ein „gepowertes“ Hub mit eigener Stromversorgung. Bei beiden Modellen kann ich daraufhin in DJAY die Ausgabekanäle einstellen und mit dem Mixen unter professionellerem Routing beginnen.

Library

Aufwendiges Importieren der Mediensammlung ist bei DJAY for iPad nicht nötig, denn es bedient sich kurzerhand aus der iPad-Bibliothek des Apfel-Tablets. Das bedeutet, die Songs stehen sowohl als Playlisten als auch nach Interpreten, Titel oder Album sortiert zur Verfügung. Eine Verfahrensweise, die Mac-User sicherlich als Vorteil deuten würden. Über die Voreinstellungen lässt sich das Auswahlmenü für die Mediathek auf Wunsch auch im Vollbildmodus anzeigen. Eine inkrementelle Suchfunktion erleichtert das Aufstöbern von Tracks in umfangreichen Datenbeständen. iPad hat ja eine virtuelle Tastatur. Mit einem Fingertipp landet der Song im gewünschten Deck. Der DJ hat die Möglichkeiten, beim Laden eines neuen Titels die Equalizer automatisch zurückzusetzen, den sofortigen Start eines Titels einzustellen oder zum ersten Cuepoint, statt zum Anfang zu springen. DRM geschütztes Material spielt der Player nicht ab.

Der iTunes Store ist im Übrigen direkt in die App integriert ist, sodass Deejays potenzielle Titel am Set vorhören und danach direkt im iTunes Store shoppen können. Plattenwünsche wären somit vielleicht selbst dann zu erfüllen, wenn der Titel noch nicht im eigenen Sortiment ist und sich mit den Vorstellungen von Publikum und DJ deckt, versteht sich. Allerdings entpuppte sich dieses Feature als noch nicht ganz ausgereift, da etwa ein Abbruch über die View-Taste Djay abstürzen ließ oder per Doppelklick auf den Home-Button einen Neustart verursachte.

Pitch, Match, Scratch!

Der ziemlich verlässliche Beatcounter benötigt am iPad 4 rund zehn Sekunden, um sich auf ein Songtempo festzulegen. Alternativ kann der User die Geschwindigkeit per Hand eintappen. BPM-Werte lassen sich ferner verdoppeln und halbieren. Die Anzeige erfolgt in Ganzzahlen und ist über dem Pitchfader abzulesen. Das Analyse-Ergebnis steht nur DJAY zur Verfügung und wird nicht in die Datei oder iTunes Bibliothek eingetragen. Leider stellte sich heraus, dass der Berechnungsvorgang neuer Tracks deutlich länger dauert, wenn beide Titel noch nicht kalkuliert sind. Dabei kann es dann auch zu gelegentlichen Aussetzern in der Wiedergabe kommen. Besonders schmerzhaft in diesem Zusammenhang: Es fehlt eine Funktion um die Musikbibliothek - vielleicht über Nacht - mit einem Rutsch auszuwerten. 

Dann geht es ans Beatmatching. Für den Pitchfader ist standardmäßig ein Regelbereich von zehn Prozent in beide Richtungen eingestellt. Obendrein ist es möglich mit 8, 25, 50 und 75 Prozent zu arbeiten. Der Fader lässt sich invertieren und kann optional auch als Finepitch genutzt werden. Gegen Leiereffekte beim „Rauf- und- Runterpitchen“ schützt die automatische Tonhöhenkorrektur, zugegen ab iPad 2.

Selbstverständlich hat die App auch zwei Pitch-Bend Taster zum Anschubsen und Abbremsen im Gepäck, was sicherlich auch daran liegt, dass sich die Scratch-Funktion des Plattentellers nicht deaktivieren lässt. Wer möchte, kann natürlich auch den Sync-Button bemühen, um die Titel auf das gleiche Tempo zu setzen und die Beats übereinanderzulegen. Sollte es dabei zu einem Taktversatz kommen - zum Beispiel trifft die die Eins auf die Zwei - springt der Titel mit jedem erneuten Tastendruck auf SYNC genau einen Halbtakt nach vorn, sodass ein Deejay mit geschultem Gehör und dem Wissen um seine Tracks innerhalb von Sekundenbruchteilen alles ins Lot bringen kann.

Wann immer der Benutzer ein Loop- oder Scratch-Manöver ausübt, zoomt die Wellenformanzeige auf etwa sechs Schläge hoch, sodass potenzielle Stellen zum Scratchen oder Tweaken auch am Screen abzulesen sind. Leider funktioniert dies aber nur während der zuvor genannten Manöver und nicht dauerhaft. Schade, gerade für die Cuepoints wäre es sehr interessant. Und natürlich auch, um einen Beat-Abwurf optisch zu kontrollieren. Spielt ein Deck gerade eine Schleife ab, lässt sich diese sogar an einen der vier möglichen Cuepoints verschieben, wobei der Einsprungspunkt identisch mit der Position des Hotcues ist. Loopjumpers-Delight. Außerdem ist ein Power-Off-Effekt implementiert. Das hört sich wie folgt an.

Was das Scratchen angeht, kann man mit diesen kleinen Tellern natürlich keine anspruchsvollen Techniken umsetzen, aber für ein paar Babyscratches reichen sie aus. Vielleicht hat man daher gleich eine Auto-Cut-Funktion implementiert, die sich einschaltet, wenn der DJ zwei Finger auf das virtuelle Vinyl legt. Der Crossfader bewegt sich wie von Geisterhand und das Ergebnis klingt ungefähr so, wie ihr es im nachfolgenden Audiobeispiel hört.

Automix

Übt der DJ einen automatischen Übergang aus, kann er eine von vier Transitionen auswählen. Neben der Standardblende stehen Brake, Backspin und Reverse zur Auswahl sowie Random als Zuffi. Die Dauer wird in zwölf Schritten von 0,5 bis 30 Sekunden gesetzt. Das ist schon komfortabel, aber auch hier setzt Algoriddim noch eins drauf und implementiert eine automatische BPM-Synchronisation, die allerdings nur funktioniert, wenn die Geschwindigkeit der Tracks nicht höher variiert, als die aktuelle Pitchfader-Einstellung in Prozent. Die Freiflug-Titel kommen wahlweise aus der aktuellen Playlist oder werden per Zufallsgenerator geschuffelt. Für nahtlose holperfreie Übergänge Techno-Beats reicht es zwar nicht immer, aber mit einer kurzen Überblendzeit ist das Ergebnis durchaus für die Autofahrt oder den nächsten Grillabend zu verwerten. Oder nützlich, wenn der Beschallungsverantwortliche während einer Kellerparty bei Lisa aus dem Volleyball Verein kurzzeitig einen Ausflug zu den Sanitäranlagen vorhat oder ein wenig Socializing betreiben will. Aber sicherheitshalber sollte er das Pad entweder festketten oder in geeignete Obhut übergeben. By the way, Apple, wie sieht´s denn mit einem Sicherheitsfeature im Stile eines Kensington-Locks für die nächste Generation aus?

Recording und Airplay

Hat sich der Protagonist warmgespielt und möchte nun seine Session für die Nachwelt oder Lisas Schwester festhalten, genügt ein Tastendruck auf den Record-Button und die Software schneidet den Master-Output mit. Der Austausch zum Rechner geschieht über iTunes. Dort ist im Apps-Tab das Programm DJAY bei den Dateifreigaben aufgeführt und zeigt die erstellten Musikalien mit Aufnahmedatum an.

Was gibt es noch zu sagen? Solltet ihr einen iCloud-Account haben, lassen sich Metadaten und Cuepoints zwischen sämtlichen DJAY „Apps“ (nicht PC/Mac-Versionen) austauschen. Leider funktioniert dies jedoch nicht für BPM-Analysedaten. Schade. Zuletzt möchte ich noch die Airplay Funktion erwähnen. Sie ermöglicht die direkte drahtlose Tonausgabe mit einem Airplay kompatiblen Gerät, wie Apple-TV, Dockingstations oder Lautsprechern. So lässt sich die komplette Familie vom Keller bis zum Dachgeschoss mit den neusten Metalcore Sounds beglücken oder der Partyalarm-Knopf im Studentenheim auslösen.

Ganz preiswert ist die Airplay-Technologie allerdings nicht. Geeignete Starter-Konfigurationen wie Denons N7 schlagen mit über 600 Euro zu Buche. Allerdings erlaubt Apple laut DJAY-Support Website (Stand 19.04.2011) nicht, das interne Tablet-Audiointerface (etwa zum Vorhören) in Kombination mit der Airplay-Technologie einzusetzen.

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