Test
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16.08.2017

Praxis

Auf den großen Pads fühlt sich der Akustik-Drummer sofort zu Hause...

Als Drummer, der mit Akustik-Sets groß geworden ist, freut man sich ja immer, wenn ein E-Drumset von den äußeren Dimensionen her dem traditionellen Schlagzeug ähnelt. In diesem Aspekt kann das Alesis Strike Pro Kit mit den großzügig bemessenen Pads schon einmal punkten. Eine Umgewöhnung ist kaum erforderlich, und während man bei vielen E-Drumsets, wenn man nicht genau hinschaut, versehentlich schonmal den Rand treffen kann, lässt sich das Strike Kit quasi auch blind spielen. Das Spielgefühl der Mesh Head Pads ist angenehm und vor allem sehr geräuscharm, was Mitbewohner oder Nachbarn begrüßen dürften. Auch das Rebound-Verhalten sowie die Zonentrennung der Becken-Pads gehen absolut in Ordnung. 

… wenn sie doch nur halten würden

Ein gravierendes Manko entdecke ich jedoch am Rack. Während genau dasselbe Gestänge in den Tests der Alesis Mittelklasse-Sets wie DM10 MK2 oder Crimson insgesamt als gut bewertet wurde, kann es beim Strike Pro Kit seine Hauptaufgabe, welche darin besteht, sicheren Halt der Komponenten zu gewährleisten, leider nicht zufriedenstellend erfüllen. Grund dafür ist das hohe Gewicht der Pads, vor allem der 12“ und 14“ Toms. Die Kunststoffklammern, an denen die Pads aufgehängt werden, umgreifen direkt die glatten Chromrohre, und ich habe äußerste Mühe, die beiden großen Tom-Pads so zu fixieren, dass sie auch harten Schlägen standhalten, ohne in die Knie zu gehen, sprich: nach unten abzusacken. Tatsächlich funktioniert es nur, wenn ich die Schrauben an den Schellen im wahrsten Sinne bis zum Gehtnichtmehr festziehe. Ich denke, eine gummierte Zwischenlage zwischen Rohr und Klammer könnte das Problem eventuell lösen. So jedenfalls wäre mir das ganze beispielsweise für einen Live-Auftritt zu heikel. 

Ein weiterer, allerdings weniger relevanter Kritikpunkt bezieht sich auf die Kunststoffaufsätze, auf denen die Becken ruhen. Beim Festziehen selbiger sollte man behutsam vorgehen, denn diese Teile, die das selbsttätige Rotieren der Becken-Pads verhindern sollen, neigen beim Anziehen der Vierkantschrauben dazu, sich zu verziehen und könnten bei übermäßiger Belastung beschädigt werden.

Ansonsten gibt es am Rack nicht viel auszusetzen, allerdings sollte man bedenken, dass das Gestänge selbst schon ziemlich schwer ist, so dass das komplette Set, sollte ein Standortwechsel erforderlich sein, kaum von einer Person bewegt werden kann.

Der mitgelieferte Snareständer ist ein einfaches Basismodell, das seinen Zweck erfüllt. Mit Extras wie beispielsweise einer stufenlosen Einstellung des Neigungswinkels kann er nicht aufwarten. 

Die 115 Preset Kits bieten reichlich Auswahl an Elektro- und Akustiksounds  

Das Modul begrüßt den User nach dem Einschalten mit der grafischen Darstellung sämtlicher Komponenten des Strike Pro Kits. Ein Schlag auf ein Pad lässt selbiges in der Grafik kurz aufleuchten, wobei selbstverständlich auch zwischen verschiedenen Spielzonen unterschieden wird. Mit dem großen Dateneingaberad können die 115 Preset Kits durchfahren werden. Was dabei auffällt, sind die teilweise unausgewogenen Lautstärkeverhältnisse. In vielen Kits muss ich mit den Fadern nachjustieren. Beim Aufrufen eines neuen Presets dauert es jeweils eine Weile, bis dieses vollständig geladen ist. Das können im besten Fall zwei Sekunden, im schlimmsten bis zu 45 sein... eine scheinbar endlose Zeit. Ein Balken zeigt den Fortschritt des Ladevorgangs an. Immerhin ist das Kit schon während des Ladens spielbar, allerdings funktioniert in diesem Zeitraum das Öffnen der Hi-Hat nicht, und das Kit erklingt völlig „trocken“, also ohne die Effekte, mit denen alle Presets versehen sind. Für meinen Geschmack wurde übrigens diesbezüglich etwas zu dick aufgetragen, da viele Kits förmlich mit Hall zugekleistert sind. Für die folgenden Soundfiles, die euch einen kleinen Überblick über die Preset Kits vermitteln sollen, habe ich den Hall in einigen Fällen etwas reduziert, um vor allem die Qualität der akustischen Sounds besser beurteilen zu können.

Los geht‘s mit sieben Akustik-Kits:

Hier drei Kits aus der Percussion-Abteilung:

Und zu guter Letzt vier elektronische Kits:

Die Elektrosounds machen Spaß, und auch die Percussion-Abteilung klingt überzeugend 

Es muss klar gesagt werden, dass die hier zu hörenden Kits nur einen kleinen Ausschnitt des Klangspektrums, welches das Gerät abdeckt, wiedergeben, aber eine Tendenz wird hier schon ersichtlich. Die elektronischen Sounds klingen druckvoll und sauber und meines Erachtens wirklich überzeugend. Viele der elektronischen Kits beinhalten auf einzelnen Pads komplette Tonfolgen, gut zu hören in den ersten drei der obigen Soundbeispiele. Es handelt sich hierbei um vorgefertigte Sequenzen, die nicht variiert werden können, aber trotzdem mächtig Spaß machen. Auch die Percussion-Sounds des Strike Pro Kits finde ich größtenteils gelungen. 

Licht und Schatten bei den akustischen Drumsounds

Bei den Akustik-Kits fallen mir zunächst die Tomsounds positiv auf, im Jazz Kit 2 beispielsweise wirken vor allem die eingestreuten Randschläge mit ihren typischen Obertönen sehr authentisch. 

Und auch in den beiden folgenden Soundfiles können die Toms überzeugen. Vom berüchtigten Machine Gun Effekt ist hier so gut wie nichts zu hören.

Die akustischen Snaresounds lösen bei mir trotz verlockender Namensbezeichnungen wie Slingerland Radio King oder Ludwig Black Beauty – hier wurden offenbar tatsächlich die Originalinstrumente gesampled – keine Begeisterungsstürme aus. Sie klingen zwar nicht so steril wie bei vielen anderen E-Drumkits, was daran liegt, dass hier häufig singende Obertöne oder Teppichrascheln zu vernehmen sind, also die nötige Portion „Schmutz“, aber mir fehlt insgesamt die klangliche Tiefe und auch der Druck. Eine DW Maple Snare, die im Kit 45 / Nother Metal verwendet wird, könnt ihr hier hören:

Becken und Hi-Hat klingen tendenziell höhenlastig und lassen Wärme vermissen

Das „schwierigste“ Instrument eines E-Drumsets ist und bleibt die Hi-Hat. Die dynamischen Feinheiten und die Pedalbetätigung einer akustischen Hi-Hat sind schwer nachzubilden, und das Ergebnis kommt meines Erachtens, selbst nach genauester Justierung, auch beim Strike Pro Kit bei weitem nicht an die Performance einer „echten“ Hi-Hat heran. Dafür müsste die Ansprache im untersten Dynamikbereich sensibler sein. Man kann theoretisch den Sensitivity-Wert zwar noch erhöhen, allerdings tauchen dann unschöne Mehrfach-Trigger auf, die den Spaß doch deutlich beeinträchtigen. Auffallend ist auch, dass beim Spielen im Randbereich die Ansprache schlechter ist als in der Mitte der Spielfläche. Hier ist also eine Umgewöhnung erforderlich. Ein Phänomen, das man auch im Soundfile hören kann, ist das zeitweilige Nachklingen des oberen Beckens, obwohl das Pedal schon wieder geschlossen wurde. Positiv hervorzuheben ist die Leichtigkeit, mit der Hi-Hat Splash Sounds durch leichtes Antippen des Pedals erzeugt werden können. 

In den Bezeichnungen der Beckensounds finden sich ähnlich illustre Namen wie in der Snare-Abteilung. Alle großen Hersteller sind hier mit einigen ihrer bekanntesten Modelle vertreten. Während die Crashsounds einen recht guten Eindruck hinterlassen, klingen die Hi-Hats und vor allem die Rides in vielen Fällen harsch und kühl. Hier eine kurze Sequenz, in der ich ausschließlich Becken und Hi-Hat spiele:

Gute Umsetzung der Dynamik, aber hohe Latenzwerte

Bezüglich der Dynamik sollte die Lautstärke des ausgelösten Sounds exakt proportional zur physischen Anschlagstärke des Pads verlaufen. Unsere bisherigen E-Drum Tests haben leider immer wieder gezeigt, dass dies in der Praxis selten funktioniert. Umso überraschender, dass die dynamische Umsetzung beim Alesis Strike Pro sehr akkurat verläuft. Unterschiedliche Anschlagstärken werden relativ fein aufgelöst wiedergegeben. In der folgenden Grafik seht ihr in der oberen Kurve die reale Anschlagstärke des Snare-Pads, aufgenommen mit einem Mikrofon und darunter den Lautstärkeverlauf des Modulsounds.

Ein Gradmesser für die Geschwindigkeit der internen Signalverarbeitung ist die Latenz. Dieser Wert, der die Zeitspanne zwischen dem Pad-Anschlag und dem daraus resultierenden Modulsound misst, lag bei den Alesis Mittelklasse-Sets DM10 MkII und Crimson bei acht bis neun Millisekunden und damit in einem mittleren Bereich, der leicht spürbar ist, aber im Allgemeinen noch nicht als störend empfunden wird. Leider kann der große Bruder diese Zahl nicht unterbieten, im Gegenteil, er ist mit 13 Millisekunden sogar deutlich langsamer in der Signalverarbeitung, was sich beim Spielen auch in einem etwas trägen Feeling bemerkbar macht. Was in diesem Bereich technisch möglich ist, zeigt das preislich ähnlich angesiedelte Roland TD-25 mit drei Millisekunden Latenz.

Die Voices lassen sich dank des großen Displays bequem und vielfältig editieren

Die 115 Preset Kits des Strike Pro können nicht überschrieben werden, aber man kann die Voices innerhalb der Kits editieren und – sofern die mitgelieferte 8GB SD Card installiert ist – die Kits in veränderter Form als User Kits abspeichern. Alternativ gibt es auch ein leeres User Kit Template, welches man nach Wunsch belegen und dann speichern kann. User Kits werden also grundsätzlich extern auf der Karte abgelegt, wofür 85 Speicherplätze zur Verfügung stehen. Zum Editieren begibt man sich in den Voice-Modus, schlägt das entsprechende Pad an und sieht nun, welcher Sound bzw. welche Sounds  (jedes Pad kann mit zwei Sounds belegt werden) diesem zugeordnet sind. Auf der ersten Ebene finden sich Regler für Decay, Panorama und Lautstärke, in einer weiteren Ebene kann die Tonhöhe im Bereich von +/- 12 Halbtönen variiert und ein Hoch- oder Tiefpass mit variablem Cutoff-Wert gesetzt werden. Der „Velocity“-Bereich erlaubt das Steuern von Parametern wie Level, Filter, Decay und Pitch über die Anschlagdynamik. 

Unter „FX/MIDI“ werden die Effektlevels sowie die MIDI Settings für das betreffende Pad eingestellt. Für jedes Kit steht ein Reverb (es kann zwischen 22 Reverb-Typen ausgewählt werden) sowie ein weiterer Effekt wie Chorus, Flanger oder Delay (17 Typen) zur Verfügung.

In den Trigger-Einstellungen kann individuell für jedes Pad eine eigene Velocity Curve ausgewählt werden. Hier werden auch die Einstellungen für Sensitivity, Crosstalk Retrigger und Threshold vorgenommen. 

Dank des großen und übersichtlichen Displays gestaltet sich die Editierung der Voices angenehm und unkompliziert, was prinzipiell auch auf die Bedienung im allgemeinen zutrifft.

Der Import von .wav-Dateien funktioniert leider nur für Play-Alongs

Als Besonderheit verfügt das Strike Pro Kit über die Möglichkeit, Sounds von maximal 01:49 Min. Länge mono bzw. 00:54 Min. stereo über den Aux In zu samplen und direkt im Modul zu schneiden und zu loopen. Der Vorgang ist sehr einfach: Sample Menu aufrufen, Record-Taste drücken und Aux In als Eingabequelle wählen. Anschließend die Aufnahme starten. Nach dem Stoppen landet man automatisch im Sample Edit Menu, wo in der grafischen Darstellung der Wellenform das Sample auf die gewünschte Länge geschnitten und bei Bedarf geloopt werden kann. Die Speicherung des Samples erfolgt auf der SD Card. Möchte man sein eigenes Spiel aufnehmen, muss man als Eingabequelle „Internal“ wählen. Der Vorgang ist das derselbe wie beim Sampling. Für das Begleiten eines extern eingespielten Songs ist auch eine Kombination aus Aux In und Internal möglich. 

Das Strike Modul verfügt über keine eigenen Play-Along- Songs oder -Loops, aber man kann externe Play-Alongs als .wav-Dateien dauerhaft ins Gerät laden und diese dann per Tastendruck am Modul als Samples abspielen. Warum es allerdings nicht möglich ist, importierte .wav-Dateien über die Pads zu spielen, bleibt ein Rätsel. Laut Hersteller ist diese Funktion, die dem Gerät einen klaren Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz bescheren könnte, derzeit nicht vorgesehen. Zum Erstellen von User Kits mit eigenen Sounds bleibt also nur der umständliche Weg über die Sampling-Funktion.

Die aktuelle Version des Software Editors ist alles andere als ausgereift  

Auf der Alesis Website kann ein Strike Editor für Windows oder Mac heruntergeladen werden. Hier können sowohl Kits als auch Instrumente editiert werden. 

Der Kit Editor Modus bietet alle Parameter, die im Modul auf verschiedene Pages aufgeteilt sind, auf einen Blick, die Voices werden durch Clicken auf das entsprechende Pad in der Grafik aufgerufen. Nun hätte ich erwartet, dass der dem Pad zugeordnete Sound auch hörbar ist, wenn man auf selbiges clickt, aber das ist leider nicht der Fall. Schlägt man direkt auf das (physische) Pad, hört man lediglich den Preset Sound, auf den die Änderungen am Editor keinen Einfluss haben. Sinn und Zweck des Kit Editors wollen sich mir nicht erschließen, wenn es keine andere Möglichkeit gibt, als „blind“ vor sich hin zu editieren. 

Im Instrument Editor Modus können die Velocity Ranges bestehender Instrumente verändert und neu belegt werden, zudem können eigene Instrumente als Multisamples kreiert werden, indem man zunächst die Velocity Ranges bestimmt und diesen dann Voices zuweist. Eine Auto Mapping Funktion kann die Einteilung und Belegung der Zonen bei Bedarf vereinfachen. Durch ein Anclicken in der Liste werden die Voices für den jeweiligen Velocity-Bereich hörbar, aber leider kann man auch hier, ähnlich wie im Kit Editor, den zu editierenden Sound nicht durch ein Anschlagen eines Pads auslösen, um die Veränderung über die gesamte Velocity Range zu checken. Ebenso wenig nachvollziehbar ist, dass Parameter-Veränderungen im oberen Panel (Level, Pan, Decay,...) keine hörbare Veränderung des Sounds bewirken, und zu allem Überfluss ist der Editor im Testverlauf mehrfach abgestürzt. Somit ist auch der Instrument Editor in der derzeit bestehenden Form nur eingeschränkt verwendbar, und es bleibt zu hoffen, dass die Fehler mit zukünftigen Updates ausgemerzt werden.

Die Ansteuerung externer Sounddatenbanken funktioniert mit Einschränkung

Über den USB-Port stelle ich eine Verbindung zum Macbook her und teste, wie die Ansteuerung von Garage Band Drumkits funktioniert. Das Hi-Hat Pad sendet, wie übrigens auch beim Alesis DM10 MK2, kein MIDI-Signal im geschlossenen Zustand, also wenn der Controller mit dem Fuß gedrückt wird. Somit ist ein Wechsel zwischen offen und geschlossen während des Spielens nicht möglich. Hier könnt ihr das Garage Band „Sunset“ Kit, eingespielt auf dem Strike Pro, hören:

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