Hersteller_AKG
Test
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15.09.2015

Praxis

Clip statt Stativ

Dass das Set im Koffer mit Formschaumstoff daherkommt, ist ungemein praktisch. Natürlich reicht der Koffer selbst noch nicht, man muss noch einige Mikrofonständer (mindestens einen hohen und einen kleinen), ausreichend viele Kabel und eventuell noch Interface, DAW-Software und vielleicht weitere Mikros einkalkulieren. Die Clips ermöglichen den Betrieb direkt an Toms und der Snare, ohne dabei auf Stative zurückgreifen zu müssen. Allerdings ist diese Praktikabilität dadurch erkauft, dass man die Mikros nicht flexibel genug ausrichten kann und sich teilweise beim Fluchen erwischen wird. Fette Die-Cast-Hoops können einen bei der Installation zur Verzweiflung bringen. Insgesamt sind die Clips zwar besser als die manch anderer Hersteller, als wirklich „gut“ bezeichnen möchte ich sie dennoch nicht.  

P2: Ordentlicher Bassdrum-Sound – aber kein perfekter

Wie bei Soundcheck auf Bühnen und Studios, soll die Aufmerksamkeit zunächst der Bassdrum zuteil werden. Sofort wird deutlich, dass es sich beim AKG P2 um die Art Bassdrum-Mikrofon handelt, die schon den klanglichen Weg vorgibt, aber genug Platz zum Umsetzen eigener Soundvorstellungen lässt. Es ist also nicht so, dass man das P2 einfach an oder in die Bassdrum hängt und einen fast vorgefertigten Bassdrumsound erhält. Es muss schon ein EQ her, um den Kickanteil, der im Vergleich zu Bassdrum-Klassikern wie D112, RE20, SM7B oder MD 421 ein wenig an Agilität vermissen lässt, herauszukitzeln. Dem Bassfundament tut meist ein zusätzlicher schmalbandiger Boost gut. Insgesamt erzielt man hervorragende Ergebnisse, die Abstriche, die man machen muss, sehe ich eher dynamischer Natur: Teurere Mikros sind meist etwas weniger schwammig, sind kürzer, trockener, definierter.

Die "alternative Mikrofonierung" besteht aus 2 x Oktava MK-012 (OH), AKG D112 mkII (BD), Shure 545SD (SN), Beyerdynamic M88 (FT) und Aspen Pittman DT1 (TT).

Hier könnt ihr das mit dem AKG-Set abgemikte Drumkit leicht vorgemischt hören:

AKG P4 ähneln dem P2 in vielerlei Hinsicht

Bemerkenswert, wie sich die bauliche Ähnlichkeit von P2 und P4 auch klanglich bemerkbar macht, denn die Eigenschaften lassen sich absolut übertragen. Die Signale sind sauber, haben durchaus Punch, lassen sich gut bearbeiten, doch bei Toms wird man ein wenig Attack vermissen, wie auch das P2 klingt das Signal etwas blass. Auch allzu feine Rolls und Ghosts auf der Snare werden möglicherweise etwas zusammengedrückt und können nicht ausreichend „atmen“. Was im Studio für manche Trommler und Musikrichtungen negativ sein kann, ist live meist vor allem eins: egal.

P17 erfüllen die Erwartungen

Nun, wie schon der zugehörige Testmarathon zeigt, sind Kleinmembran-Kondensatormikrofone umso besser, je teurer sie sind. Und da das gesamte AKG Drumset Session I weniger kostet als so manches Kleinmembraner-Pärchen, kann man natürlich keine Maximalleistung erwarten. Und tatsächlich, es gibt sie auch nicht. Lässt man den Preis nicht aus den Augen, erhält man mit den beiden P17-Stäbchen ordentlich funktionierende Kondenser, die wenig rauschen, ausreichend pegelfest und detailreich genug sind, um ein komplettes Drumset, vor allem aber seine Becken abbilden zu können. Die Richtcharakteristiken sind im relevanten Bereich frequenzkonstant genug, erstaunlich gut ist das Matching der beiden Mikros (besser gesagt: die Herstellungstoleranzen). In den Präsenzen sind die beiden P17 jedoch leicht bissig und klirrend, die Höhen reiben leicht. Wer also beispielsweise rauchige Jazz-Cymbals aufzeichnen möchte, sollte ein teureres Mikrofonpaar einkalkulieren, eventuell sogar direkt Großmembraner oder Ribbons.  

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