Software
Test
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14.05.2018

Praxis

Einfache Einrichtung eigener Mappings

Um die Features der MPC mit einem externen Controller zu verbinden, hat AKAI den MIDI Learn Browser ins Leben gerufen. Die Mappings lassen sich global oder pro Projekt in Presets abspeichern. Versetzt man die Software in den Learn Mode, werden alle Parameter, die sich mappen lassen, gelb hinterlegt. Ein Mausklick auf den Parameter und ein anschließendes Betätigen des entsprechenden Bedienelements am Controller genügen, um die Verbindung herzustellen. Im Browser werden alle Verbindungen inklusive MIDI Channel und CC-Daten angezeigt und lassen sich weiterbearbeiten, was sehr übersichtlich gelöst wurde. Im Browser lassen sich nämlich die Sektionen Pads, Padbanks, Q-Links, Transport, Undo/Redo, Sequence Parameters, Step Sequencer, Pad Panel, Looper, Modes, Views und Panels einblenden, deren gemappte Parameter daraufhin dargestellt werden. Für jeden Parameter kann auch definiert werden, um welche Art von Bedienelement des Controllers es sich handelt (Momentary Button, Toogle Button, Fixed Button, Note usw.).

Steuerung der MPC Software über vorgefertigte Controller Templates

Die Einrichtung vorgefertigter Controller verläuft je nach Hersteller unterschiedlich. Zur Nutzung von Native Instruments’ Hardware beispielsweise stehen im AKAI-Account Templates bereit, die sich in Native Instruments’ Controller Editor Software importieren lassen, der bei der Installation von Maschine und Co. standardmäßig mitinstalliert wird. Aktiviert man in den Settings der MPC Software den gewünschten Controller, muss daraufhin nur noch das entsprechende Controller Preset geladen werden. Diese befinden sich im Global-Bereich des MIDI Learn Browsers sortiert nach Hersteller. Schon lässt sich die MPC Software mittels Controller Preset steuern. Im Test habe ich dazu Maschine MK3 verwendet. Sehr viele Sektionen der MPC lassen sich über die Maschine-Bedienelemente steuern. Da Maschine und MPC sich in ihrem Funktionsumfang und der Bedienoberfläche immer ähnlicher werden, ist die Bedienung recht intuitiv: Transport, Sampling, Mixer, Arranger, Browser, Note-Repeat, Pad-Mode, Keyboard, Step Sequencer und weitere Bedienelemente der Maschine sind auf die entsprechenden MPC-Features gemappt. Die acht Encoder der Maschine steuern die Q-Links, deren Bänke sich auch mit den Page-Tastern durchblättern lassen. Bei den oberen Softbuttons der Maschine hat man mit Main Mode, Sample Edit, Looper und Pad Mute nur fünf von acht Buttons belegt. Die vorgefertigten Templates lassen sich über die Learn-Funktion glücklicherweise auch nach Belieben erweitern und als User Presets abspeichern!

Kann man ab sofort auf MPC-Hardware verzichten?

Ja und nein: Grundsätzlich ist es denkbar, sich die reine MPC Software für 200 Euro zu kaufen und diese mit einem externen Controller zu bedienen, für den es im Idealfall auch noch Controller Templates gibt. Obwohl sich MPC Software beispielsweise mit der Maschine schon recht flüssig bedienen lässt, kommt aber meinem Empfinden nach kein richtiges MPC-Feeling auf. Immer wieder greift man zur Maus, um auf spezielle Features zuzugreifen, was auf Dauer auch nicht so richtig glücklich macht. Auch Dinge wie die „Lauflichter“ des Step Sequencers werden nicht an Maschine übertragen. Und die hochauflösenden Maschine-Displays geben nicht sonderlich viel Feedback dazu, was gerade in der Software abgeht. Auf einer MPC hat man eben immer das entsprechende Feedback, und Funktionen sind dank des Touchscreens der neueren Generationen zum Großteil zugänglich ohne zur Maus zu greifen – je nach MPC X oder Live, versteht sich.

Der MPC-Workflow ist an sich schon ein wenig verschachtelt und eine Welt für sich. Das Ganze dann mit Controllern zu bewerkstelligen, die gar nicht dafür gedacht sind, ist noch mal eine andere Baustelle. Wer den vollen MPC-Workflow genießen möchte, sollte dann lieber zum Komplettpaket greifen. Dieses bekommt man beispielsweise mit der MPC Studio Black bereits für einen vergleichsweise günstigen Kurs. Auch wenn nicht alle Features so griffbereit sind wie bei einer MPC X oder Live, ist ihr Workflow jedoch eben MPC-typisch und harmoniert entsprechend mit der Software. 

Besser geeignet als zusätzlicher Controller!

Der Vorteil des „offenen“ Systems ist meines Erachtens eher der, dass man zusätzlich zu einer bereits vorhandenen MPC einen Controller ins Setup einbinden kann, um den leicht verzwickten Workflow an die eigenen Anforderungen anzupassen. So könnte man eher verschachtelte Optionen, die man öfter benötigt, auf einen zweiten Controller legen, um sie ähnlich wie Shortcuts immer griffbereit zu haben. Sinnvoll wäre auch der Einsatz von Controllern für spezielle Aufgaben: beispielsweise den MPC-Mixer über einen DAW-Controller mit (Motor-)Fadern zu bedienen.

Humanize und Random-Events

Das Ganze erinnert an die Variation Engine der Maschine: Auch hier heißen die Funktionen übrigens Humanize und Random. Im Vergleich hat man bei MPC mehr Optionen, um die gewünschte Änderung präziser einzustellen, die Ergebnisse sind allerdings ähnlich.

Generell lohnt sich Humanize immer dann, wenn ein Beat mit dem Step Sequencer programmiert, mit dem Stift eingezeichnet oder hart quantisiert wurde und daher statisch klingt. Die Abweichungen von Velocity und Notenlänge lassen sich prozentual justieren. Für Humanize Time sind Werte zwischen 1 und 240 Ticks einstellbar; mit einem zusätzlichen Eagerness-Wert können die zeitlichen Abweichungen vor dem Beat, nach dem Beat oder in beide Richtungen humanisiert werden – so bekommt man zum Beispiel beim Micro Timing authentische Ergebnisse, da sich alles präzise justieren lässt! In den folgenden Klangbeispielen habe ich mit einem Drumkit aus der mitgelieferten 809-Library im Step Sequencer einen Basic Beat programmiert und alle Noten sind auf absolutem Wert. Mit der Humanize-Funktion markiere ich zunächst die Clap und lasse sie mit einem Wert von 25 Ticks und Eagerness -50 nach vorne humanisieren, daraufhin werden die Hi-Hat und Shaker 25 Ticks und Eagerness +50 nach dem Beat humanisiert. Das verleiht dem statischen Beat einen locker-flockigen Groove und das Ergebnis klingt danach weniger maschinell.

Die Random-Funktion kann als Ideengeber dienen. Schön ist, dass man Noten zu bisherigen Sequenzen hinzufügen lassen kann, oder aber komplett neue Sequenzen erstellt werden können. Die Funktion eignet sich meiner Ansicht nach eher für melodische Sequenzen. Der Algorithmus legt bei zufälligen Drums leider oftmals sehr viele Drums auf den selben Schlag, was nicht wirklich zu authentischen Ergebnissen führt. Melodisch sieht das schon viel besser aus, da sich zuvor Grundton und Tonart einstellen lassen – und das funktioniert auch sehr gut und liefert inspirierende Ergebnisse! In den folgenden Klangbeispielen hört ihr den mitgelieferten Software-Synth Hybrid 3. Sowohl die monophone Achtel-Bassline, die später mit einem Arpeggio aus dem Synth angereichert wird, als auch die polyphone Sechzehntel-Sequenz wurden komplett von der Zufalls-Funktion generiert. Zu guter Letzt hört ihr beide Funktionen zusammen – erstaunlich, wenn man überlegt, dass ich abgesehen vom Step Sequencer dafür nicht einmal selbst etwas einspielen oder programmieren musste. Zumindest hat man ein Grundgerüst, das man ausarbeiten kann…

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