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Test
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12.11.2018

Praxis

Hilfe mittels iMPC University


Wer noch nie mit einer MPC oder der Vorgänger-MPC-App gearbeitet hat, erhält neben dem Online-Manual auch Zugriff zur sogenannten iMPC University; beides von der App aus aufrufbar. Letztere bietet (kostenlose) Online-Kurse, in denen die Sektionen anhand von Beispielen erklärt werden.  

Sampling mit Drum Tracks


Mit den Audio Recording Tracks lassen sich, wie in einer DAW, komplette Audiospuren anlegen, die daraufhin abgespielt werden. Natürlich gibt es aber auch weiterhin die obligatorische Sampling-Funktion, mit der sich kurze Samples aufnehmen lassen, um sie mit den Pads zu spielen. Diese Sampling-Features befinden sich in den Drum Tracks, in denen für jedes der 16 Pads in den Bänken A bis D ein eigenes Sample erstellt werden kann. Als Aufnahmequelle dienen das interne Mikro bzw. Audiointerfaces, aber auch Inter-App-Audio-fähige Apps oder das Summensignal der App selbst (zum Aufzeichnen der eigenen Sequenzen). Hinzu kommt ein „Turntable“-Feature, mit dem Songs von Spotify und iTunes importiert und mit einem virtuellen Deck abgespielt und gescratcht werden können.  

Die Aufnahmen lassen sich daraufhin im Sample Editor mit typischen MPC-Editing-Features wie Fade, Normalize, Reverse, Duplicate, Split und weiteren bearbeiten. Auch das Slicen und Choppen der Aufnahmen lässt sich mit wenigen Handgriffen leicht durchführen, um beispielsweise Teile der Samples auf verschiedene Pads zu belegen. Nach dem Bestätigen der Editierungen im Sample Editor können im Tweak Mode weitere Anpassungen vorgenommen werden, um die Sounds mit Tuning, Pan sowie Amp- und Filter-Envelope zu bearbeiten oder auch One-Shots und Mute-Groups zu erstellen, damit Pads gemutet werden, sobald ein neues getriggert wird. Was das Editing angeht, vermisst man also eigentlich nichts, da alles Wesentliche an Bord ist.

Leider ist das Sampling von Spotify nicht so sinnvoll, wie es sich zunächst anhört. Statt der ganzen Songs sind nur 30-sekündige Ausschnitte importierbar, die man zudem nicht selbst aussuchen kann. Das könnte man bei einem Spotify-Free-Account verstehen, aber als Premium-User – warum? Mit iTunes funktioniert es wie erwartetet gut, wobei sich Songs aus der iTunes-Library des iPads importieren lassen. So kann man natürlich auch Samples und Loops vom Rechner in iMPC Pro 2 importieren. Auch hier wäre eine Drop-Anbindung etwas praktischer.


Aufnehmen mit Audio Recording Tracks


Die neuen Audio Recording Tracks ermöglichen die Aufnahme von externen Quellen, dem internen Mikrofon sowie iOS-internen Signalen über Inter-App-Audio. Bereits während des Recordings lassen sich Hall, Delay und Chorus in den Kopfhörermix hinzumischen und das Signal mit einem 3-Band-EQ bearbeiten. Die fertigen Recordings lassen sich leider nicht mit den gleichen Features des Sample Editors bearbeiten, lediglich Reverse, Duplicate, Split, Rename, Delete und AudioCopy stehen zur Verfügung. Mal eben ein Fade setzen ist also beispielsweise nicht möglich. Nach der Aufnahme können die Audioaufnahmen wie gewöhnliche Regionen in einer DAW in der Zeitachse verschoben, geschnitten und mit Features wie Reverse etc. bearbeitet werden. So wird die iMPC zu einer digitalen Audio Workstation für iOS. Zumindest annähernd, denn das gleichzeitige Aufnehmen mehrerer Spuren ist nicht möglich.

Time-Stretching und Pitch-Shifting erfolgt ebenfalls in der Tweak-Ansicht, in Echtzeit wohlgemerkt. Hält man eine Audioregion gedrückt, wird sie grün hinterlegt und erhält an den Ecken Editpoints, mit denen sich Start- und Endposition, Stretchlänge, Tonhöhe und Gain verändern lassen. Die Bedienung ist grundsätzlich simpel und man kommt auch zu guten Ergebnissen, allerdings verändert sich die Wellenform nicht passend zur Stretchlänge, was präzises Arbeiten erschwert. Da es sich beim Algorithmus um Bearbeitung in Echtzeit handelt, können Tempoänderungen vorgenommen werden, ohne die Geschwindigkeit des Audios nachträglich angleichen zu müssen; das erledigt Timestretch automatisch. Schade ist allerdings, dass es keine verschiedenen Algorithmen für monophones, polyphones und rhythmisches Material gibt, wie man es von einigen DAWs kennt. Die Qualität der Zeit- bzw. Tonhöhenänderungen ist akzeptabel, führt aber nicht immer zu guten Ergebnissen – das ist natürlich, wie immer, vom Ausgangsmaterial und den Settings abhängig.


Beat Programming und MIDI-Editing

Das neu gestaltete Interface ist in allen Punkten übersichtlicher geworden und ermöglicht einen intuitiveren Workflow. Dadurch geht die Beatproduktion verglichen mit der ersten Version leichter von der Hand. In Verbindung mit den neu hinzugekommenen Features hat man jede Menge Möglichkeiten, was Sampling, Editing und nicht zuletzt das Einspielen und Arrangieren von Grooves angeht. Nach dem Start von iMPC Pro 2 lassen sich leere bzw. vorhandene Projekte öffnen. Damit man ohne Weiteres gleich loslegen kann, hat die App sechs Templates für die Musikstile Hip Hop, Trap, Urban Trap, Tech House, Future House, Future Bass und 2 Step Garage  am Start, in denen sich bereits mit Sounds befüllte Programs befinden. Auch der Import von Projekten ist möglich.

Wer schon mit der neuen MPC-Software bzw. einer Hardware-MPC der neuen Generationen gearbeitet hat, kommt auch mit der App sofort zurecht, da sich viele Sektionen ähneln. Im Track View lassen sich Spuren anlegen und entfernen, wobei mittlerweile Drum, Audio und AU zur Verfügung stehen. Wie auch bei einer großen MPC werden Programs wie gewohnt in den Drum Tracks geladen. Im Perform View lassen sich die Sounds über die virtuellen Pads abfeuern und in Sequenzen einspielen sowie arrangieren. Weiterhin erhält man während des Einspielens Zugriff auf Note-Repeat, Swing, Time Correct, Erease, Track Mute, Pad Mute, Note Variation und 16 Levels. Das Schöne: Jedes dieser Features lässt sich sehr präzise und übersichtlich über ein direkt darüber liegendes Display steuern, das je nach Funktion auch passend zum X/Y-Pad wird.

Mit Note Variation lassen sich pro Sample bzw. Pad Abweichungen für Tonhöhe, Filtern, Velocity und Filter über einen Fader regeln. Die Parameter lassen sich als Automationen in den Sequenzen aufnehmen. Über dem Display kommen noch Full Level und 3D Perform hinzu. Letztgenannte Funktion ermöglicht es, die Parameter der Note Variation und Note Repeat mit der Ausrichtung des iPads zu steuern. Je nach horizontaler und vertikaler Bewegung des iPads ändert sich entsprechend der Sound des ausgewählten Pads. Das kann man mit einer echten MPC zwar nicht, ob man es braucht, ist die andere Frage. Bis auf Note-Repeat funktionieren im Test alle Performance-Features wie erwartet. Beim Wechsel der Rasterwerte setzt die Funktion hin und wieder kurz aus, sodass keine sauberen Übergänge entstehen.

Eingespielte Sequenzen sind im Timeline View (ähnlich einer Pianorolle) editierbar, um die MIDI-Noten zu korrigieren. Leider gibt es bislang kein Keygroup Programs, daher können die Samples nicht chromatisch bzw. in vorgegebenen Tonleitern gespielt werden, wie es mit den Klangerzeugern über AUv3 möglich ist, schade.

Im Song View sind Tempo, Bars und Taktart pro Sequenz einstellbar. Mit den virtuellen Pads lassen sich die Sequenzen steuern, um so den Song zu arrangieren. Pad 1 spielt Sequenz 1, Pad 2 spielt Sequenz 2 und so weiter. Die Sequenzen lassen sich wie vom MPC-Workflow gewohnt anlegen, klonen und löschen. Hinzu kommt eine AudioCopy-Funktion, um einzelne Sequenzen direkt an andere Apps zu übertragen.

Die Projekte lassen sich über iTunes-File-Sharing an den Rechner übertragen und an einer großen MPC ausarbeiten. Gleiches gilt für Audiomixdown und Stems der Mixer-Tracks, die sich zudem über AudioCopy an weitere Apps wie Cubasis übertragen lassen. Zudem können die Beats auch aus der App direkt zu YouTube hochgeladen werden. Warum iMPC Pro 2 nicht auch gleich den Export über Dropbox, iCloud Drive, AirDrop und Co. ermöglicht, erschließt sich mir nicht.

MIDI-Support

Da auch die neuen MPC-Generationen über einen Touchscreen bedient werden können, ist die App zumindest in der grundsätzlichen Bedienung gar nicht mehr so weit von ihrer großen Schwester entfernt. Um auch haptisch noch mehr ans „echte“ MPC-Feeling heranzukommen, kann die App mit einem Controller wie beispielsweise einer MPC Element oder MPC Fly kombiniert werden, die recht günstig zu haben sind. Durch den MIDI-Support ist die App aber mit jeder iOS-kompatiblen MIDI-Hardware bedienbar. In den Settings lassen sich MIDI-I/Os verwalten und Controller-Mappings erstellen, um die Pads und den Note-Variation-Fader zuzuweisen.

Häufige App-Abstürze

Die App läuft glücklicherweise auch auf betagten Geräten (ab iPad 2), bei einem iPad 4 ist jedoch nach 3 Tracks keine Produktion mehr möglich. Besonders der Einsatz von AUv3-Instrumenten lässt die App schnell einfrieren. Das Interface bietet eine CPU-Anzeige, mit der man die Prozessorauslastung im Blick behält. Auch bei geringer CPU-Last stürzt die App regelmäßig ab, selbst bei weniger aufwendigen Routineaufgaben. Das spiegelt sich auch in den Rezensionen im Appstore wider. Hier muss dringend nachgebessert werden, denn App-Abstürze sind in iOS nicht nur ungewöhnlich, sondern erschweren den Arbeitsfluss und nehmen auf Dauer den Spaß an der Sache. Leider bietet die App auch keine Einstellungen, um den Audiobuffer hochzuschrauben, wenn man mit dem Einspielen fertig ist. Immerhin speichert iMPC 2 Pro die Projekte automatisch vor einem Crash, so gehen die aktuellen Änderungen nicht verloren.

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