Hersteller_Akai
Test
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30.01.2015

Praxis

Im Inneren des AMX arbeitet ein Audiointerface mit maximal 24 Bit und 96 kHz. Schleife ich das Signal eines Plattenspielers in die Applikation ein, kann ich dieses mit Effekten, EQs inklusive Kill und dem Filter bearbeiten, wobei letztgenannter im Touch-Modus natürlich den Roll vermissen lässt. Über die Through-Funktion, der sicherlich auch ein MIDI-Direktzugriffs-Mapping gut zu Gesicht gestanden hätte, ist es also möglich, seine alten Vinyl-Schätzchen alternativ zum entsprechenden Software-Deck in den Mix zu integrieren, wobei die Aufholverstärkung bedingt durch den Phono Preamp angepasst werden muss. Jenem mangelt es in meinem Augen ein wenig an Brillanz und zudem fehlt mir der Druck in den tiefen Frequenzen. Beides wird besonders deutlich, wenn ich einen Direktvergleich mit beispielsweise dem Pioneer DDJ-SX2, der zugegebenermaßen das Vierfache kostet, anstelle. Dazu zwei Audiobeispiele nachstehend. Obendrein ist es nicht möglich, einen Input-Channel zum Digitalisieren direkt auf den integrierten Session-Recorder zu schicken. Er nimmt beim AMX grundsätzlich das Mix-Signal, also die Summe auf.

Der Kopfhörerverstärker erwies sich im Test als grundehrliche Haut, doch ist er einerseits nicht der lauteste und andererseits passiert zwischen 2 und 5 Uhr, anders als beim zuvor erwähnten Produkt, dann nicht mehr viel, wobei es dann auf dem letzten Teiler noch mal einen ganz kleinen Boost gibt. Zugutehalten muss ich dem Kopfhörerweg dann wieder, dass er bei starkem Pegel zerrfrei arbeitet und man nicht Gefahr läuft, sich das Trommelfell zu zerschießen.

Für den Bedroomer, die Spontanparty mit den Buddies und semiprofessionelle Einsätze ist das durchaus eine gangbare Lösung. Der Pegel des Masterausgangs ist gemessen an manchem Netzteil-gespeisten Kollegen selbstverständlich ein wenig geringer. Ich habe einen Vergleich mit seinen USB-gespeisten Mitbewerbern angestellt, bei dem sich der AMX gewiss keinesfalls verstecken muss, weder hinsichtlich des Ausgangspegels noch in punkto Soundqualität, denn das Signal, was aus AKAIs integrierten Konvertern zu den Ausgängen geführt wird, klingt wirklich klasse.

Workflow

Mit Hilfe des zentralen Rotary-Encoders, der bei Betätigung des Search-Buttons auch für das zugegebenermaßen eher feine als grobe Spulen im betreffenden Player zuständig ist, selektiere ich die Tracks und befördere diese mit den „Load“-Tasten in das Software-Deck. Das ist eine hinlänglich adaptierte Vorgehensweise und funktioniert auch hier anstandslos. Eine Handvoll Tasten widmen sich den separaten Transportsteuerungen der Decks, nämlich „Play“, „Cue“ und „Sync“, die über „Shift“ mit den Funktionen „Sync Off“, „Back“ und „Stutter“ belegt sind. Es gibt zwar nur einen „Cue“-Punkt, aber die insgesamt am AMX zur Verfügung gestellten Kommandos reichen definitiv aus, um mit dem Pult auch mal ohne das große Timecode-Besteck zu arbeiten, so dies erforderlich oder gewünscht ist, ganz zu schweigen von Tastatur und Maus. Ich hätte mir nur eine Taste für einen einfachen viertaktigen Loop gewünscht. Nach einigen Mixes muss ich sagen, dass hier grundsätzlich alles so läuft, wie man es sich vorstellt. Mixen, blenden, cutten, EQing, Filtern – alles kein Problem. Kommt nur der AMX zum Einsatz, muss man jedoch auf die Pitchbend-Funktion verzichten und mit der „CSS-Methode“ (Cue-Start-Sync) Vorlieb nehmen. Beim „Pitch“-Encoder heißt es zudem Abstriche in Kauf zu nehmen, da er im Gegensatz zu den meist viel feiner aufgelösten Fadern nur mit rund 4/10 auflöst und man beim Regeln die „Shift“-Taste halten muss. So ist man natürlich immer mit beiden Händen „am Ball“ Und bevor ich es vergesse: Mit dem Panel Switch schalte ich durch die Tabs mit Ausnahme des (nicht angesteuerten) Video-Panels. Wenn man jedoch bedenkt, dass die Funktionen der Panels nicht mit dem AMX bedienbar sind, sondern nur mit dem AFX, dieser jedoch eben keinen Panel-Switch hat, mutet dies schon etwas seltsam an. Okay – im Verbund beider Geräte macht es mehr Sinn. Gegenüber ist der „Touch“-Button zur (De)-Aktivierung der gleichnamigen Funktion der Regler beheimatet. Einmal betätigt, reagieren die EQ-Potis kapazitiv und eliminieren das jeweilige Frequenzband, sobald sie angefasst werden, daher sollte man beim Mixen darauf achten, dass diese Funktion nicht versehentlich eingeschaltet ist. Beim deutlich größeren Filter-Encoder, mit dem man sehr fein arbeiten kann, löst die „Touch“-Funktion ein „Loop Roll“ mit veränderbaren Schleifengrößen aus. Das hört sich wie folgt an:

Der Master-Cue-Abteilung fehlt es in Anbetracht separater Regler für die Haupt- und Kopfhörerlautstärke und eines Cuemix-Drehreglers sowie zwei Preview-Buttons an nichts. Die Channel Fader sind 60 Millimeter lang. Dass AKAI dem AMX je eine LED-Kette (mono) für die Kanäle und ein Stereo-Meter für die Summe spendiert hat, finde ich klasse. Vor dem Hintergrund, dass es sich beim AMX eher um ein semiprofessionelles Tool handelt, habe ich an den „lediglich“ fünf ampelfarbcodierten, unbeschrifteten Skalierungen nichts weiter auszusetzen, auch wenn vielleicht vom Platz her noch zwei LEDs mehr drin gewesen wären.

DVS-Modus

Dieser ermöglicht die Steuerung der Software über externen Timecode. Zu diesem Zweck sind die zwei Paar Cinch-Eingänge am Backpanel vorgesehen. Der DVS-Betrieb funktioniert nach Anschluss der Zuspieler, Aktivierung des Plugins und Einschalten einer DVS-Betriebsart, sobald das erforderliche Serato-Medium mit der Noisemap wiedergegeben wird, sprich Plug´n´Play. Allerdings sind für das DVS-Plugin 99 Euro fällig. Der Timecode-Betrieb mit Turntables am AMX funktioniert tadellos. Der Cut in liegt bei gut einem Millimeter, damit kann zumindest ich leben. Im DVS-Verbund kommt das Tool dem gängigen Turntable-Mixer-Workflow recht nahe, obschon die flache Bauweise des Mixers im Gegensatz zu Oldschool-Equipment aufgrund des Höhenunterschiedes erst einmal „verinnerlicht“ werden muss. Aber Vielleicht hat AKAI hier ja auch einen neuen Trend zu ultrakompakten MIDI-DVS-Battlemixern eingeleitet, da ja auch die Versorgung mit Schallplatten, die einen normalen Mixer einfordern, immer schwieriger wird und gerade Neueinsteiger dürften diesbezüglich ohnehin wenig Berührungsängste haben. Kommt hier ein Stein ins Rollen, würden vielleicht andere Hersteller bald nachziehen. Warten wir es ab und nehmen als Nächstes mal den AFX dazu.

AKAI AFX zum Zweiten

Das Gerät bedient zwei FX-Sektionen mit bis zu drei Effekten pro FX-Rack, die ihren Status in gediegenem Blau melden. Die Selektion der Klangverbieger erfolgt über das Gerät, doch über die Drehregler ist dies nicht so toll geglückt, weil man von oben nach unten durchscrollt. Das FX-Timing lässt sich über einen Encoder vorgeben, wobei dieses auch gleich im Display angezeigt wird. Praktisch, da man dann nicht zum Rechner schielen muss. Das Effekttempo darf zudem eingetappt, der Modus von „Solo“ auf „Gruppe“ umgeschaltet und jede Einheit den Kanälen 1-4 zugeordnet werden, wobei im Verbund mit dem AMX, der ja nur zwei Kanäle offeriert, das „Shifting“ auf 3 und 4 nicht funktioniert. Im Multimode bediene ich drei Effekte in einem Parameter, der Single-Mode erlaubt den Zugriff auf mehrere Kenngrößen eines Effekts. Mit eingeschalteter Touch-Funktion laufen die FX nur kurz, respektive solange der Regler festgehalten wird. Die FX-Sounds klingen dabei weder aus noch ein, sondern sind halt an oder aus.

Pad-Sektion

Im Hotcue Mode lassen sich bis zu acht Schleifen quantisiert anlegen und abrufen. Für jeden dieser Marker gibt es dann eine individuelle Farbgebung. Auf dem zweiten Layer liegt hier der Transportmodus, mit den üblichen verdächtigen „Play“, „Sync“, „Cue“ und „Stutter“. Darüber logieren vier Cuepoints. Die Tasten selbst lassen sich gut spielen und haben eine adäquate Größe, um sie auch zu treffen. Als nächstes wäre der Auto Loop-Modus mit vordefinierten Größen, die sich Software-seitig ändern lassen, zu erwähnen. Ich kann die Bandbreite also vorgeben, prima! Arbeitsebene 2 ruft Loop Rolls auf, ebenfalls anpassbar. Der Parameter- Encoder halbiert und verdoppelt Schleifenlängen oder ermöglicht Loop Jumps via „Shift“. Als besonders praktisch entpuppt sich das Display in der Mitte, da es jederzeit Auskunft über aktuelle Parameter gibt.

Manual Loop ermöglicht das Anlegen (Zeile 2: In, Out, On/Off, Reloop) und Abspeichern von vier Loops (Zeile 1). Der Slicer macht, was er soll, nämlich ein Teilstück des Tracks in acht Slices zu „schneiden“ und diese Elemente auf die Pads zu legen, wobei sich die Größe der Domain (Teilstück) und der Slice-Quantisierung mittels Encoder einstellen lässt. Das gefällt mir. Obendrein ist auch hier ein geloopter Slicer auf Layer 2 zu finden.

In der Betriebsart „Sampler“ offeriert die Matrix das Anspielen von sechs Sample Slots mit den Wiedergabemodi „Trigger“, „Hold“ (Taste 4) und „Repeat“ (Taste 8) sowie einer optionalen Anschlagdynamik. Im „Flip“-Modus triggern die Pads je einen von sechs „Flips“. Der Abspielende wir durch Blinken des zugehörigen Pads angezeigt uns kann via „Shift“ direkt gestoppt werden. Taste Nr. 4 lässt den Flip beatgerecht loopen, Taste Nr. 8 ordnet aufgezeichnete Flips einem Pad zu. Interessant!

Stripe und Slip

Der Toucstrip bietet drei unterschiedliche Arbeitsweisen. Im „Search“-Modus stellt die Länge des Streifens die Länge des gesamten Tracks dar. Lege ich meinen Finger auf einen Punkt des Ribbons, springt der Track an die entsprechende Stelle, was natürlich etwas ungenau ist. Ferner lässt sich der Stripe auch zum Pitchbending nutzen. In der Betriebsart „SFX“ dirigiert er stattdessen den Wertebereich oder besser gesagt die Encoder sämtlicher aktiven Effekte, ähnlich wie man es vom „Superknob“ aus Scratch Live kennt. Ob man gerade als DVS-User sämtliche Funktionen nutzen wird, sei mal dahingestellt, jedoch dürften AMX-Besitzer, wenn sie mal ohne Timecode arbeiten, dies sehr begrüßen. Die drei Funktionstasten für den Stripe legen via „Shift“ auch die DVS-Betriebsarten „Rel“, „Abs“ und den internen Modus fest. AFX kann über dedizierte Tasten auch „Flippen“ oder besser gesagt Cue-Punkt-Automationen aufzeichnen, loopen und wiedergeben, was richtig Laune macht. Das normalerweise 29 Euro teure Expansion Pack erhalten Käufer des AFX in Form einer Serialcard „gratis“ dazu. Das nehmen wir gern mit. In der Summe möchte ich dem AFX mit seinem umfangreichen Arsenal an Reglern, Pads und Tastern attestieren, dass er ein ausgezeichneter „Add On Controller“ zur kreativen Steuerung von Serato DJ ist, der im Bundle mit dem AMX eine gute Figur macht. Die Burschen bringen Leben in die Bude, sei es als Mixer-Ersatz (AMX) für Ein- oder Umsteiger oder für die Live Remix Action (AFX). Auch wer keine Ambitionen hat, mit Timecode zu arbeiten, findet im AMX einen kompakten Weggefährten. Beide Controller lassen sich zudem auch mit Traktor, Mixvibes und VDJ einsetzen, in den beiden letztgenannten Fällen gilt für den AMX: auch „out of the box“ als DVS-Interface. Dennoch sehe ich den AMX primär im Einsteigerbereich und bei semiprofessionellen Anwendern, allein schon deswegen, weil die Schnittstellen durchweg Cinch und Miniklinke sind, die Ausgabe- und die Kopfhörerlautstärke nicht unbedingt das Nonplusultra darstellen und die Phono Preamps etwas matt klingen. Gut, das wird rein digitale DJs nicht weiter jucken und der AKAI nennt sich selbst auch nicht umsonst MIDI-Controller, daher fließt das nicht unbedingt in die Gesamtwertung ein, die nun folgen soll.

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