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DJ TechTools Midi Fighter 3D Test

Praxis

Direkt vorweg: Wer mit dem Kauf eines Midi Fighter 3D liebäugelt, sollte der englischen Sprache mächtig sein. Bei der Einrichtung und Inbetriebnahme muss man sich nämlich unweigerlich die nötigen Informationen und Mappings auf der Homepage des Herstellers zusammensuchen. Erschwerend kommt hinzu, dass zum Herunterladen von Mappings die Registrierung im Forum erforderlich ist und dabei stellt die Spam-Sicherheitsfunktion zufällige Fragen wie etwa „Wofür steht das C. in Washington D.C.?“ Wer hieran scheitert, dürfte auch große Probleme mit der erfolgreichen Einrichtung seines Controllers haben – nicht unbedingt global gedacht, das alles.
Das Erkenntnisinteresse galt im Test natürlich vornehmlich der Königsdisziplin, nämlich dem Einsatz des Midi Fighter 3D als Befehlsgeber für die Remix-Decks in Traktor. Brav befolgte ich dazu die Hinweise des online verfügbaren PDFs. Also zunächst einmal den Controller mit der Firm-/Software für die Remix-Decks bestücken und nach dem Starten von Traktor und dem Aktivieren mindestens zweier Remix-Decks über den Controller eines der zu steuernden Decks auswählen. Ist der Midi Fighter einmal erkannt, kann er im „4 Banks Mode“ natürlich auch abwechselnd alle vier möglichen Remix-Decks steuern. Gesagt getan. Nur blieben die Taster am Controller bei mir zunächst einmal dunkel. Und das, obwohl auf meinem Testsystem sowohl die Treiber des Native Instruments Traktor Kontrol F1 installiert waren UND mein Testkandidat sogar vom Controller Editor als angeschlossener F1 identifiziert wurde.
Nach dem ergebnislosen Durcharbeiten der gesamten zwanzig englischsprachigen Seiten des Forums (typischerweise mit sehr locker formulierten, teilweise kryptischen Postings, was das Lesen nicht unbedingt vereinfacht), die sich mit der Problematik beschäftigen, bin ich entnervt, will die Kommandozentrale bereits in die Ecke schmeißen und einen thermonuklearen Erstschlag in Richtung des kalifornischen Firmensitzes starten, da erinnere ich mich: Erstens, ich bin Pazifist. Zweitens, ich besitze zwar viel Elektronikschrott, darunter aber keine Kernwaffen. Dann bleibt als dritte Lösung nur das letzte Mittel der strukturierten EDV-Problemlösung. Wildes Herumprobieren. Und tatsächlich, nachdem ich an so ziemlich allen möglichen und unmöglichen Stellschrauben gedreht habe und zufällig in den Voreinstellungen von Traktor auf „Restore“ klicke, erwacht das Taster-Board urplötzlich zum Leben und signalisiert durch das freudige Leuchten von vier Buttons, dass es sich in Zuweisungsbereitschaft zu einem der Remix-Decks befindet.

Fotostrecke: 3 Bilder DJ TechTools Midi Fighter 3D: Erst durch ein Rücksetzen des F1-Controllers …
Fotostrecke

Und ab da fängt der Spaß erst richtig an: Clips starten, stoppen, umkehren, innerhalb der Zeilen des Decks navigieren – alles ist von der handlichen schwarzen Box aus steuerbar und die mit den Clip-Farben korrespondierende Lightshow trägt nicht unerheblich zur Übersichtlichkeit bei. Heckspoilert man die Sache noch mit einem parallel betriebenen MIDI-Mapping (wir erinnern uns: mit dem Taster rechts und kann man zwischen HID und Standard-MIDI umschalten), wie etwa dem „DeckGratMotion“-Template, das sich ideal zur Effektsteuerung eignet, kommt die Sau so richtig zum Fliegen. Man kippt und wedelt den Midi Fighter 3D wie selbstverständlich in seinen Händen und kommt dadurch fast automatisch ins „Performen“. Also genau das, was die Zielsetzung einer solchen Hardware ist. Weg von der Maus und dem Stieren auf den Monitor, hin zu einer publikumswirksamen Bühnen-Präsenz. Und nicht zu vergessen einem extrem gesteigerten Potenzial an Interaktionsmöglichkeiten. 26 Taster (alle einzeln mit der Möglichkeit auf den Gyrosensor zuzugreifen) bieten einfach deutlich mehr Funktionen, als ein schnöder Mauszeiger, der nur die XY-Achse kennt und nebenbei auch zur Steuerung des Betriebssystems dienen muss.

Audio Samples
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Granuphase Macro-FX Steuerung über links/rechts Neigung. Zzzurp Macro-FX Steuerung über vorne/hinten Neigung.

Überhaupt „lebt“ der Midi Fighter 3D vom Engagement der DJ TechTools Community. Die Redakteure und die umtriebigen Forenmitglieder haben in den letzten Monaten bereits knapp dreißig Templates (hauptsächlich für Traktor und Ableton Live) entwickelt, die stellenweise ziemlich ungewöhnliche und dennoch praxisorientierte Bedienkonzepte verfolgen. Exemplarisch sei hier Mad Zach’s Ableton Template erwähnt, das durch seine trickreiche Programmierung spektakuläre Breaks und dramatische Build-Ups nur mit dem Controller in der Hand ermöglicht. 

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deutschlehrer sagt:

#1 - 13.12.2012 um 22:55 Uhr

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Profilbild von Lateinlehrer

Lateinlehrer sagt:

#2 - 14.12.2012 um 06:13 Uhr

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versatilis = beweglich, veränderlich

Kommentare vorhanden
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