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Casio CTK-3500 Test

Praxis

Sounds

Mit seinen 400 Sounds kann das CTK-3500 zahlenmäßig nicht ganz mit dem Soundvorrat des Konkurrenten Yamaha PSR-E363 mithalten. Dennoch dürfte die Soundpalette allemal groß genug sein: Sie umfasst von Klavieren und Orgeln über Gitarren, Bässe und Orchesterinstrumente bis hin zu Synthesizer-Sounds und Weltmusik-Instrumenten fast alles, was klingt. Die Qualität ist typisch für ein Einsteiger-Keyboard und recht durchwachsen. Das Stereo Grand Piano klingt noch am besten und lässt sich beim CTK-3500 dank der Anschlagdynamik sogar recht ausdrucksstark spielen. Danach lässt die Qualität stark nach und einige der Sounds scheinen sich gegenüber ähnlichen Keyboards von vor 20 Jahren kaum verbessert zu haben. Moderne Synthesizer-Sounds für aktuelle Dance- und Hip-Hop-Stile sucht man vergeblich, obwohl es in diesem Bereich einige Neuheiten zu verzeichnen gibt. Ganz besonders negativ fallen wie bei fast allen günstigen Keyboards die verzerrten E-Gitarren auf, deren sägender Sound leider auch manchen Begleitrhythmen seinen Stempel aufdrückt. Insgesamt ist das Klangangebot des CTK-3500 aber durchaus typisch für ein Keyboard dieser Klasse. 

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Stereo Grand Piano E-Piano 60s E-Piano verschiedene Orgeln Nylon Guitar, Steel Guitar Clean Guitar, Overdrive Guitar, Harmonic Guitar Overdrive Guitar + Bass Wide Strings, Octave Strings Breathy Alto Trumpet Sfz Trance Bass Detuned Square Lead Chorus Pad

Rhythmen

Auch bei der Zahl der Rhythmen kann das CTK-3500 nicht ganz mit der Konkurrenz mithalten: 100 Styles sind an Bord, beim PSR-E363 sind es ganze 165. Dennoch werden viele Genres abgedeckt, darunter sogar auch viele exotische Stile. Gegenüber dem Vorgänger sind einige neue Dance-Styles hinzugekommen, die aber auch nicht gerade top-aktuell wirken. Jeder Style enthält zwei Variationen, zwei Fill-Ins sowie je ein Intro und ein Ending. Außerdem lässt sich für jeden Style ein „One Touch Preset“ aufrufen, wodurch das Keyboard automatisch auf eine passende Klangfarbe eingestellt wird.
Der Sound der Begleitautomatik ist typisch für die Preisklasse: Es klingt besser als ein Kinderspielzeug-Keyboard, aber man merkt doch sehr deutlich, dass man kein Keyboard der Mittel- oder gar Oberklasse vor sich hat. Vor allem bei rockigen Styles, die unter den künstlichen Gitarrensounds leiden, und in den Bereichen Dance und Hip Hop, wo sich der Mangel an modernen Synths und Drumsounds bemerkbar macht, klingt das Ergebnis oft künstlich, statisch und manchmal auch ein bisschen dünn. Dennoch kann man sich hier nicht wirklich beschweren: Im Kreise der Einsteiger-Keyboards dieser Klasse können die Rhythmen des CTK-3500 durchaus mithalten.

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8 Beat 8 Beat Pop EDM 1 Medium Big Band Rock Waltz Slow Soul Straight Rock

Dance Music

Die Sampling-Funktion wurde also gestrichen – was ist neu hinzugekommen? Die wichtigste Neuheit ist der Modus „Dance Music“, der mit dem entsprechenden Taster aufgerufen wird. Er umfasst 50 vorprogrammierte Patterns aus verschiedenen Stilistiken der elektronischen Musik. Um es mit der an manchen Stellen etwas bizarr übersetzten Bedienungsanleitung zu sagen: „Im Tanzmusikmodus können Sie verschiedene Musterphrasentypen kombinieren und zur Steigerung des Vergnügens Effekte auf die laufenden Songs auflegen.“ 
Im Einzelnen sieht das so aus: Jedes Pattern besteht aus den vier „Tracks“ Drums, Bass und 2x Synth, für die es jeweils drei Variationen gibt. Diese lassen sich durch Druck auf bestimmte Tasten der Klaviatur ein- und ausschalten und beliebig kombinieren. So kann man sich wie ein DJ fühlen und Dance-Tracks aus den vorgefertigten Bausteinen zusammensetzen und live arrangieren. Währenddessen kann man per Tastendruck verschiedene Effekte spontan zum Einsatz bringen, darunter Filter, Flanger und ein Lo-Fi-Effekt. Auch Dance-typische „Buildups“ und Rolls lassen sich per Tastendruck starten.
Das macht eine Menge Spaß und erinnert etwas an die DJ Patterns, wie sie von Yamaha Keyboards bekannt sind. In den 50 Patterns findet sich genügend Material für ausgedehnte Jamsessions. Ob die Patterns einen wirklichen musikalischen Nutzen haben, möchte ich bezweifeln; letztlich ist der Vorrat doch begrenzt und man ist auf die vorgefertigten Bausteine festgelegt. Aber es kommt DJ-Feeling auf und der Spaßfaktor – Verzeihung: das Vergnügen! – wird gesteigert.

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Dance Music: Future Dance 1 Dance Music: Power Dance 1 Dance Music: Deep Soul 1

Songs und Übungsfunktionen

Die „Song Bank“ des CTK-3500 umfasst 60 interne Songs. Davon besteht ungefähr die Hälfte aus traditionellen Titeln des englischen Sprachraums. Hier hätte ich mir etwas mehr Globalität gewünscht. Die andere Hälfte ist mit bekannten klassischen Stücken, Klaviermusik und einigen Weihnachtsliedern gefüllt. Die integrierte Übungsfunktion besteht aus den beiden Lektionen „Listen“ und „Follow“. Im Modus „Listen“ hört man sich den Song an, wobei im Display gezeigt wird, welche Tasten gespielt werden und welcher Fingersatz verwendet wird. Dann wechselt man in den Modus „Follow“, in dem man mitspielt. Das Keyboard wartet mit der Wiedergabe, bis man die richtige Taste gespielt hat. Der Fingersatz wird zusätzlich zur Anzeige von einer Stimme angesagt. Beide Hände können getrennt geübt werden; außerdem ist es möglich, die Songs zum Üben in Abschnitte aufzuteilen. Am Ende der Lektion bewertet das Keyboard das Spiel und schlägt entweder vor, es noch einmal zu versuchen, oder verteilt ein Lob. Das macht Spaß, wobei natürlich klar sein sollte, dass man so nicht wirklich Keyboard spielen lernt. Wer echte Fortschritte machen möchte, sollte sich trotzdem einen menschlichen Lehrer suchen.

Fotostrecke: 4 Bilder Das CTK-3500 ist mit der Chordana Play App für iOS- und Android-Geräte kompatibel.
Fotostrecke

App-Funktion: Chordana Play

Die App „Chordana Play“ ist für iOS und Android verfügbar und kann in den jeweiligen App-Stores kostenlos heruntergeladen werden. Sie enthält 50 Songs, die man auf dem Keyboard wiedergeben und üben kann. Dazu wird das Tablet oder Smartphone mit einem handelsüblichen Stereo-Miniklinkenkabel an das Keyboard angeschlossen und der App-Modus aktiviert. Dann überträgt das Mobilgerät über die Verbindung nicht nur Audio, sondern auch Daten, sodass im Display des Keyboards die korrekten Informationen angezeigt werden. Auf dem Display des Mobilgeräts werden bei der Wiedergabe zusätzlich die Noten und eine Art Pianorolle angezeigt.
Songs lassen sich aus der App auch in den Speicher des Keyboards übertragen. Dafür bietet das CTK-3500 30 Benutzer-Speicherplätze. Diese können nicht nur mit den in der App enthaltenen Songs gefüllt werden, sondern auch mit externen MIDI-Files, die man zuvor in die App geladen hat. Damit lässt sich der Songvorrat des Keyboards erweitern. Die Möglichkeit zum Import von MIDI-Files ist bei Keyboards dieser Klasse selten und deshalb sehr willkommen. Bei genauerem Hinsehen entpuppt sie sich aber als sehr einfach gestrickt: Nicht nur bietet das Keyboard lediglich magere 32 kB Speicher, es versteht auch keine kompletten, 16-kanaligen MIDI-Arrangements. Abgespielt werden nur eine Melodiespur und ein Style, den man in der App vor der Übertragung auswählen kann. Von einer vollwertigen MIDI-Import-Funktion, wie man sie aus größeren Keyboards kennt, ist das also noch ein ganzes Stück entfernt.

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