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Baby Audio Smooth Operator Test

Praxis

as simple as that

Die Details klangen vielleicht kompliziert, die Nutzung ist es nicht: Mit den Filter-Punkten visiert man Problembereiche an, dann global etwas nachregeln, fertig! Im Alltag geht das flink und im Gegensatz zu Soothe 2, Gullfoss 2 und DSEQ3 kann man hier kaum eine unnötige Wissenschaft draus machen: Mit den unteren Bändern konzentriert man sich beispielsweise auf „Mumpf und Dröhn“, mit den oberen Bänder wiederum auf Kratzen und De-Essing. Weil der Übergang zwischen den mittleren Punkt „smooth“ anpassbar ist, kann man kaum obskure Kurven provozieren und nicht unnatürlich übertreiben.

BabyAudio_SmoothOperator_smiley.jpg
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Mit den Low-Shelf lässt man Signale schnell fetter und Hi-Fi-mäßig werden, da so nur der Bass „tight“ komprimiert wird – eine Paradedisziplin der durchaus komplizierteren Multi-Band-Compression. Aber auch als flexibler HF-Compressor arbeitet Baby Audio und besänftigt so beispielsweise scharfe Overheads. Natürlich kann man auch exklusiv die Mitten verdichten, wenn man das möchte.
Lange Rede kurzer Sinn: der pragmatische Ansatz mit den fünf Punkten der Threshold-Kurve und dem ungefähren Konzept eines Tilt-EQs überzeugt. Insbesondere bei Einzelsignalen darf es auch mal mehr sein, bei stärkeren Verdichtungen machen sich dann aber durchaus die fehlenden Attack und Release bemerkbar.

Bei Synth-Beispielen fällt auf, dass der Baby Audio Smooth Operator sie weniger anstrengend macht. Nackt waren die Synths für meine Ohren zu schrill und eklig-aggressiv. Das Ganze hat wenige Klicks gebraucht und keine Selbstzweifel aufkommen lassen, wie das „Profi-Tools“ mit unnötig vielen Parametern oft tun. Man sollte aber nicht glauben, dass es sich hierbei um die günstige Kinderversion von Soothe handelt – auch wenn der Firmenname und die gewählten Farben durchaus den Eindruck vermitteln. Smooth Operator ist ein empfehlenswertes und eigenständiges Tool, aber eher für Sounddesigner und kreative Producer. Für Post-Production-Soldaten eignet sich etwas weniger.

Audio Samples
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Picking – BABY Picking – DRY Crunch – BABY Crunch – DRY Bass – BABY Bass – DRY Drums – BABY Drums – DRY Synth – BABY Synth – DRY

Alles in allem gestaltet sich das Arbeiten mit dem Smooth Operator jedenfalls einfach und übersichtlich: Es gibt keine Funktion, bei der man nicht direkt heraushört, was sie bewirkt. Verbessern könnte man das Handling in kleinen Details: Wünschenswert wäre, dass sich der mittlere Threshold-Punkt mit verschiebt, wenn man mit einem der seitlichen Punkte darüber hinaus will. Ferner finde ich die Ankerpunkte zu klein gewählt, sodass Änderungen des Q mit dem Mausrad echt fummelig werden. Gleiches gilt für den Output-Regler, der für präzises Level-Matching zu grob ist – und eine Auto-Gain-Funktion wäre an diese Stelle ebenfalls wünschenswert.

collect them all?!

Abgesehen von den höchst unterschiedlichen Bedienungsansätzen, die Plugins wie Gulfoss 2, DSEQ3 und Soothe 2 bei ähnlichen Konzepten verfolgen, brennt mir die Frage auf der Zunge: Welcher „intelligente EQ“ ist der beste? Und brauch ich die alle? 
Man kann diese Frage nicht pauschal beantworten, man kann es aber zumindest versuchen: Meines Erachtens nach eignen sich Gulfoss, Soothe und auch der DSEQ3 bestens für komplexe oder bereits summierte Signale, darunter Location-Sound, Busse, Mixe und Master. Ferner bekommen Soothe 2 und DSEQ3 „Probleme“ noch besser in den Griff, sprich: Sie sind gut darin, Sachen wegzunehmen. Man kann mit ihnen sehr detailliert und chirurgisch in die Probleme hineingrätschen – ohne, dass es am Ende nach Bearbeitung klingt. Gullfoss schafft es wiederum sehr gut, in „überambitionierten Laien-Mixen“ Ausgewogenheit herzustellen.
Smooth Operator kann das zwar grundsätzlich auch – aber nur solange man dezent arbeitet. Ohnehin zeigt er sich für die breiten, kreativen Pinselstriche besser tauglich. Vergleichbar ist die Situation für mich mit der alten Entscheidung zwischen Multi-Band-Kompressor oder Dynamic-EQ. Mit Smooth Operator kann man also, genau wie mit Multi-Compression, Signale unkompliziert „fetter“, griffiger und größer machen. Bei Einzelsignalen ist Smooth Operator ebenfalls zielführender. Man muss nur aufpassen, dass es in der Summe aller Einzelsignale nicht zu viel wird – dann kann auch Soothe oder DSEQ gegenregeln. Nochmal: Soothe erschien mir für die Problembeseitigung bestens geeignet, während der Smooth Operator schönere Vibes kreiert und Signale in die kreative Richtung schiebt. 
DSEQ3, Soothe 2 und Smooth Operator unterscheiden sich in den Extremen vor allem in den Kompressionskennlinien. Soothe ist hier eher linear, während Smoothe Operator als Soft-Clip arbeitet, der DSEQ ist wiederum mit einer S-Kurve versehen. Gullfoss komprimiert so gesehen gar nichts. 

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