Clavia Nord Drum 2 und Nord Pad 6 Test

Für E-Drummer, elektronische Musiker und Akustiktrommler, die ihren Sound mit weiteren  Klangfarben aufpeppen möchten, empfiehlt sich dieser bonedo Test zum Clavia Nord Drum 2 und seinem Erweiterungsset Nord Pad 6 als Lektüre. Das Clavia Nord Drum 2 ist eine runderneuerte und um viele Features erweiterte Fassung des originalen Nord Drum, eines virtuell-analogen Percussion-Synthesizers. Und obwohl die erste Version viele Freunde fand, gab es auch Stimmen, die den Funktionsumfang zu spartanisch fanden. 

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Und so hat Clavia zwei Jahre nach Erscheinen des Nord Drum vergleichsweise zügig nachgelegt und neben dem Modul selbst zusätzlich noch ein Nord Pad 6 genanntes Triggerpad mit sechs Schlagflächen veröffentlicht. Beide Geräte werden laut Hersteller in Schweden von Hand hergestellt. Clavia ist übrigens ein Veteran der E-Drum-Herstellung. Diese Firma hat unter dem Namen ddrum elektronische Schlagzeugmodule produziert, die damals ihrer Zeit weit voraus waren und auch heute noch benutzt werden. Mit diesem Knowhow lässt sich doch bestimmt ein guter Drum-Synthesizer mit Pads produzieren, oder? Wir haben es für euch in diesem Test herausgefunden!

Details

Roter Nord Familien-Look trifft Metallgehäuse

Das Auspacken der beiden Teile macht schon mal Spaß. In appetitlich-schlicht aufgemachten Pappschachteln findet sich neben dem Nord Drum 2 die Stromversorgung plus Adapter, eine Haltevorrichtung zum Befestigen des Gerätes an einem beliebigen Stativ. Dazu bedarf es einer nicht im Lieferumfang enthaltenen Multiklammer. Auch dabei ist eine gedruckte Bedienungsanleitung auf Englisch. Beim Nord Pad findet sich ein Ethernet-Kabel im Karton, welches zum kabelsalatfreien Anschließen der sechs Pad-Flächen an das Nord Drum 2 fungiert. Clevere Sache, allerdings nur kompatibel mit diesem Modul. Sowohl das Pad als auch das Modul wirken robust, die Kabel-Buchsen sind mit dem Gehäuse verschraubt, nichts klappert oder wackelt. Die von anderen Nord Geräten bekannten Schalter haben definierte Druckpunkte und der zentral platzierte, gerasterte Endlos-Encoder läuft auf einer Metallachse. 

Fotostrecke: 2 Bilder Über fehlendes Zubehör kann sich ein Nord Drum 2 und Nord Pad 6 Käufer nicht beklagen.

Funktionsweise des Nord Drum 2 Moduls

Als virtuell-analoges Percussion-Synthesizer-Modul verfügt das Nord Drum 2 über einen digitalen Klangprozessor (DSP), welcher einen analogen Signalfluss simuliert. Es arbeitet somit nicht auf Basis von Samples. Das Konzept virtuell-analoger Geräte findet sich auch bei Klaviatur-Synthesizern. Hier werden die Vorteile von annähernd analogem Sound mit den Vorzügen verbunden, die digital arbeitende Geräte bieten. Dazu zählen – neben dem häufig günstigeren Preis – die Speicherbarkeit von eigenen Setups, die Update-Fähigkeit, sowie ein erweiterter Funktionsumfang.

Anschlüsse

Betrachtet man das Gerät von hinten, offenbaren sich – neben dem Stromanschluss – folgende  Buchsen: zwei große Mono-Klinkenbuchsen (Nord Drum 1: eine) für den Stereobetrieb, MIDI in und MIDI out, sechs Mono-Triggereingänge als große Klinkenbuchsen ausgelegt (Nord Drum 1: vier), sowie der CAT6 Anschluss für das Nord Pad (Nord Drum 1: nicht vorhanden). Ein Kopfhörer kann am Nord Drum 2 – im Gegensatz zum Vorgänger – ebenso angeschlossen werden.

Fotostrecke: 2 Bilder Das Modul zeigt sich in der Heckansicht.

Bedienelemente und Funktionen

Mit Ausnahme des Master Level Reglers besitzen alle Bedienelemente des Nord Drum 2 mehr als eine Funktion. In acht Bänken können jeweils 50 Kits gespeichert werden. In den ersten vier Bänken befinden sich vorprogrammierte Presets, die andere Hälfte ist frei. Natürlich können auch alle 400 (!) Speicherplätze (zum Vergleich, das Nord Drum 1 hatte 99 Speicherplätze) mit Userkits gefüllt werden. Weiter geht es mit den „Channel Select“-Tastern, diese dienen – wer hätte es geahnt – zum Umschalten der jeweils sechs Sounds innerhalb eines Kits, beziehungsweise Programms. In Kombination mit dem „Trig/Tap“- Taster lassen sich hier die Klänge eines Programms vorab anhören, ohne dass externe Trigger angeschlossen sein müssen. Womit wir direkt zu den acht Parameter-Tastern kommen, mit denen sich die Sounds editieren lassen. Durch den „Row Select“-Taster gelangt man auf eine weitere Menüebene („Row“), ein mit den Worten „Lower Param“ bedruckter Schalter aktiviert jeweils eine weitere Funktion, welche in roter Schrift unter den Primärfunktionen vermerkt ist. Es bleibt die „Shift“-Taste, welche in Kombination mit den anderen Tasten unter Anderem für globale Einstellungen und Kopierfunktionen zuständig ist. 
Zu erwähnen ist noch die Möglichkeit, das Nord Drum 2 per Midi CC Steuerbefehl von externen Geräten, Apps oder DAWs zu dirigieren, sowie – ebenfalls per MIDI – Soundbänke auf den Rechner zu transferieren. Dies funktioniert über die Software Nord Drum 2 Manager sowohl mit einem Mac- als auch einem Windows-Computer. Diese Funktionen bedienen sich der MIDI-Schnittstelle, USB sucht man am Gerät vergebens. 
Nicht getestet wurde die Nord Beat genannte iOS App, da der Tester nicht über ein entsprechendes Gerät verfügt. Kurz gesagt handelt es sich hier um einen iPad-Sequenzer, der in Verbindung mit dem Modul und dem Pad ein kleines, mobiles Produktionsstudio macht. Clavia stellt dazu ein Video bereit.

Fotostrecke: 3 Bilder Hier fehlen für massiven Analogsound-Genuss nur Kopfhörer und Sticks.

Soundarchitektur

Zunächst möchte ich vorausschicken, dass es mit dem Nord Drum 2 möglich ist, sich eine sehr lange Zeit nur mit dem Programmtaster und dem Endlos-Encoder zu beschäftigen. Vier mal 50 Programme wollen erst einmal durchgehört werden und die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass die meisten User dort bereits haufenweise brauchbare Sounds finden. 
Ein einzelner Sound des Nord Drum 2 Moduls setzt sich grundsätzlich aus den drei Bestandteilen „Noise“, „Tone“ und „Click“ zusammen. Hier hat sich im Vergleich zum ersten Nord Drum nichts geändert, wohl aber bei der Anzahl der Parameter, die innerhalb dieser drei Bestandteile beeinflusst werden können. Und hier darf auch der percussion-affine Musikfreund tief in klassisches Klangsynthese-Territorium eintauchen, denn neben diversen Filtertypen kann hier auch an Hüllkurven geschraubt werden. E-Drummer sollten sich der strukturellen Einschränkungen bewusst sein, die beiden Versionen gemein ist: hier geht es um synthetische Sounds, nicht um die realistische Abbildung und Spielbarkeit eines Drumsets.
Beginnen wir mit dem Bereich „Tone“. Wie der Name andeutet, wird hier die tonale Beschaffenheit des Sounds modelliert. Drei Synthese-Formen stehen zur Verfügung: subtraktive Synthese mit den klassischen Wellenformen Sinus, Triangel, Rechteck und Sägezack; Frequenzmodulationssynthese sowie Resonanzsynthese, welche beim Nord Drum 2 zur Simulation gestimmter Percussion-Sounds verwendet wird. Insgesamt findet der Anwender 33 unterschiedliche Algorithmen vor (beim Nord Drum 1 waren es noch 17), einige von ihnen sind in der Bedienungsanleitung explizit zur Modellierung von Fellsounds und Becken kategorisiert. Das Werkzeug „Noise“ basiert auf weißem Rauschen, welchem eine Vielzahl von Filtern nachgeschaltet werden können. Sieben Filtertypen stehen zur Auswahl, und während es beim Nord Drum 1 damit grundsätzlich getan war, bietet der Nachfolger zusätzlich die Möglichkeit, die Cutoff-Frequenz zu definieren, die Filterresonanz einzustellen und die Filterparameter per Hüllkurve zu beeinflussen. Damit ist es allerdings nicht genug, denn über den Parameter „Attack/Rate“ kann zusätzlich festgelegt werden, wie schnell der Rauschanteil seine volle Laustärke erreicht, zusätzlich bieten sich verschiedene Optionen der Hüllkurvenbeeinflussung.
Stattliche 36 unterschiedliche Clicks stellt die Nord Drum 2 Soundengine zur Verfügung und damit sind nicht etwa unterschiedliche Metronom-Sounds gemeint, Click ist hier vielmehr der Bereich, der für den Transienten (grob vereinfacht: den Anschlagsklang) des jeweiligen Sounds zuständig ist. 

Die Effekt-, beziehungsweise Kanalsektion

Ebenfalls eine Neuerung zum alten Nord Drum ist die Möglichkeit, die Sounds mit Effekten zu versehen. Distortion, Equalizer und Echo stehen zu Verfügung, wobei das Nord Drum 2 nicht das Nord Drum 2 wäre, wenn es damit schon getan wäre. So teilt sich der Bereich Distortion in die Variationen „Drive“, „Sample Rate Reduction“ sowie – im letzten OS Update hinzugekommen – eine Ringmodulation. Der „Drive“ imitiert Röhrensättigung und addiert von leichtem Gewicht zu massiver akustischer Zerstörung alles, was der Verzerrerfreund mag. „Sample Rate Reduction“ lässt den Sound körnig werden und erzeugt Retrofeeling, während der Ringmodulator tut, was ein Ringmodulator eben tut. Auch der „EQ“ gibt keine Rätsel auf, nach Geschmack lassen sich mit einem parametrischen Band Frequenzen um jeweils bis zu 24db absenken oder anheben. Filigrane Anpassungen können hier ebenso vorgenommen werden wie brachiale Betonungen, beispielsweise des Bassbereichs. Der Echo-Parameter ist selbsterklärend. Der User kann hier sowohl Intensität als auch Länge einstellen. Die Geschwindigkeit kann direkt am Nord Drum 2 „eingetappt“ werden.

Der Gang des Klangs innerhalb des Nord Drum 2.
Der Gang des Klangs innerhalb des Nord Drum 2.

Die Ausstattung des Nord Pad 6

Das Nord Pad 6 besteht aus sechs quadratischen – relativ harten – Gummi-Pads mit einer Dicke von circa 1,5 Zentimetern, die auf einem unverwüstlich wirkenden Metallgehäuse befestigt sind. Die sehr flache Bauart und die Grundfläche von 22×30 Zentimetern lassen es problemlos in jedem Rucksack oder auch einer Laptoptasche verschwinden. Einzig das gesunde Gewicht von knapp anderthalb Kilogramm erinnert den Träger dann daran, dass ein Nord Pad 6 mit dabei ist.

Schlicht und robust fällt das Nord Pad 6 aus.
Schlicht und robust fällt das Nord Pad 6 aus.
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