Rupert Neve Designs Portico II MBP, 551 Inductor EQ & 542 Tape Emulator Plugins im Test

Neve-Emulationen gibt es massenweise, Plugins von Rupert Neve Designs bislang nicht. Mit Portico II Master Buss Processor, 551 Inductor EQ sowie 542 Tape Emulator geht’s nun los! Gemeinsam mit McDSP entwickelt, ergänzen die Plugins ihre Hardware-Vorbilder um Stereo- und M/S-Funktion.

Neve Plugins im Test
Rupert Neve Designs Portico II MBP, 551 Inductor EQ und 542 Tape Emulation im Test

Hoher Anspruch, hoher Preis ? Und wieviel Hardware-Flavour steckt tatsächlich in den Plugins? Finden wir es im Test heraus. Ein Bundle gibt es aktuell übrigens nicht, die Plugins müssen also ohne Mengenrabatt einzeln erworben werden.

Highlights Rupert Neve Designs Plugins

  • Die ersten offiziellen Rupert Neve Designs Plugins
  • Portico II MBP: Stereo-Compressor mit Silk und Width
  • 551 Inductor EQ: Spulen EQ mit wenig Extras
  • 542 Tape Emulator: Tape Machine Simulator/Drive mit Silk

Compressor Deluxe: Neve MBP

Der RND MBP, kurz für: “Rupert Neve Designs Portico II Master Buss Processor“, ist ein imposantes Stück 19-Zoll/2-HE Hardware und als Plugin nicht minder mächtig. Für 199 Dollar ist er zugleich der teuerste Kandidat des Trio. In Zeiten inflationärer Subscriptions eine selbstbewusste Ansage – selbst für OG Neve.

RND Portico II Master Buss Processor
Buss Processor von Rupert Neve: RND MBP Portico II

Geboten wird eine ansprechende Simulation des umfangreich regelbaren VCA-Kompressors, der wahlweise Feedback- oder Feedforward agiert. Im Original mit üppigen Übertragern ausgestattet liefert er edelsten Stereosound. Red und Blue Silk sorgen bei Bedarf für zusätzliche Sättigung und Farbe, ein Limiter für etwas technische Begrenzung.

Hinzukommen auf Hardware-Ebene seltene “SFE” Stereo-Width-Funktionen – womit RND seiner Zeit voraus war. Das Plugin erweitert das Konzept um einen zusätzlichen Mono-sowie M/S-Modus; klassisch Stereo wie beim Original – linked or unlinked – gibt es ebenfalls.

Mit großzügigen Attack-Zeiten fühlt sich der Master Buss Processor – wie es der Name es verrät – vor allem auf Gruppen und der Summe wohl. Dank unbegrenzter Instanzen des Plugins, kann man den Effekt aber nun auch dekadent auf jedes Einzelsignal brutzeln!

Die erzielbare Lautheit ist bemerkenswert, bleibt im besten Sinne aber immer unauffällig.; ggfls. kann man den Soft-Clip-Limiter für noch etwas mehr Sound kitzeln.

Mehr Charakter liefern indes Red oder Blue Silk mit ihrer regelbarer Texture. Die erhöhte, nicht künstliche Durchsetzungsfähigkeit durch rotes Silk ist traumhaft! Nur hält sich die Emulation etwas zu strikt an die Hardware: Beide Silk Varianten lassen sich leider nicht gleichzeitig aktivieren. Und wo ist eigentlich der Bypass ?!

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Rupert Neve Designs Portico II Master Buss Black
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Rupert Neve Designs 542
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551 Inductor: Musikalischer 3-Band-EQ

Das 551 Inductor EQ-Original ist ein API-500-Mono-EQ mit drei musikalisch abgestimmten Bändern und Hochpassfilter. Beim Bass übernimmt RND mit 35, 60, 100 und 220 Hz praktisch das Raster des 1064, während die Mittenfrequenzen von 200 Hz bis 6 kHz stärker an den 1073 erinnern. Ein ähnliches Grundkonzept findet sich auch im Shelford Channel, dort allerdings mit anderen Frequenzwerten.

551 Inductor EQ
Das Bassband lädt mit seinen resonanten Kurve und der Peak-Charakteristik zu kräftigen Eingriffen ein!

Emuliert werden laut RND nicht nur die klangfärbenden Induktoren, sondern auch ihr Zusammenspiel mit den Übertragern und weiteren Komponenten der Hardware. Bass und Höhen lassen sich zwischen Peak und Shelf umschalten; ±15 dB Gain pro Band erlauben dabei auch beherzte Klangumformungen.

Zwei glasige Höhenfrequenzen bei 8 und 16 kHz sowie ein engeres Mitten-Q erweitern die Optionen dezent. Die Shelfs arbeiten mit sanfter Flanke von 6 dB/Okt. Das Hochpassfilter greift bei 80 Hz hingegen mit 12 dB/Okt. und unabhängig vom globalen EQ-Bypass.

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Gegenüber der Einzel-Hardware erweitert das Plugin den 551 um Dual-Mono-, Stereo- und M/S-Betrieb. Im M/S-Modus bearbeitet dann auch wieder Kanal A die Mitte und Kanal B die Seiten. Über Link lassen sich beide Kanäle gemeinsam regeln, wobei vorhandene Unterschiede erhalten bleiben.

542 Tape Emulator: Tape, Silk und ordentlich Farbe

Auch der 542 Tape Emulator basiert auf einem RND-500er-Modul und kombiniert “analoge Bandsättigung”, Soft-Clipping sowie Red und Blue Silk in einer kompakten „Color Box“. Die Tape-Schaltung bildet dabei nicht nur Verzerrung, sondern simuliert auch das Verhalten einer Bandmaschine.

542 Tape Emulator

15 und 30 IPS liefern unterschiedliche Frequenzgänge und Head-Bumps, während Saturation den Drive bestimmt sowie Blend das bearbeitete Signal parallel zum Original beimischt. Klanglich reicht das vom dezenten Abrunden steriler Signale bis zu ziemlich kräftiger Verdichtung.

Besonders praktisch: Tape-Sättigung, Soft Clip und Silk/Texture lassen sich kombinieren und damit feiner dosieren als bei klassischen „Tape drauf und fertig“-Emulation. Gerade auf Drums, Bass und Synths macht das jede Menge Spaß – auf dem Mixbus ist etwas Zurückhaltung meist die bessere Idee. Idealerweise steuert man mit dem 551 EQ Pre und Post etwas gegen, ansonsten wird es recht schnell wollig.


PRAXIS

Nur Neve klingt wie Neve

Keine Frage: Der Sound der Hardware ist edel und ausgesprochen geschmackvoll abgestimmt. Unauffälliger als ein alter 1073, aber extrem hochwertig, knackig und mit frischen Transienten.

Die Plugins kommen diesem Charakter erstaunlich nahe. Übergreifend klingt das Ganze musikalisch, wobei mir Silk als Feature eben besonders gut gefällt: Ein wenig Texture verleiht nahezu jedem Signal mehr Autorität, Dichte und Durchsetzungsfähigkeit.

Screenshot

Schade nur, dass ausgerechnet das Workhorse 551 ohne Silk auskommen muss. Bei der Hardware ist das nachvollziehbar, schließlich besitzt das reine EQ-Modul keine regelbare Ausgangsstufe.

Auf Plugin-Ebene wirkt diese Werktreue allerdings fantasielos: Die größeren Shelford-Module für das 5088-Rack kombinieren einen Inductor EQ schließlich durchaus mit Silk und Texture. Technisch hätte einer Erweiterung im Plugin wenig im Weg gestanden.

Bundle, Racks and more

Die kompakte Bedienung der Hardware lässt sich als Zugeständnis an das 500er-Format verstehen, im Plugin wirkt sie unnötig. Ein Grafik-EQ und Analyzer hätten dem Auge als Option sicherlich auch gut gefallen. Warum also nicht gleich 551 und 542 in ein gemeinsames Rack packen? Ähnliches gilt für das feste 80-Hz-Low-Cut: Beim Tracking ausreichend, beim Mixing fällt diese Einschränkung etwas restriktiv aus.

Audio Samples
0:00
DRY – Julia MBP – Julia DRY – Drums 542 Tape – Drums DRY – J45 551 EQ – J45

Unschön: nach dem Skalieren werden die Schriften beider Doppel-500er auf meinem Apple Pro Display XDR nicht mehr sauber dargestellt. Für eine Premium-Marke mit Premium-Preisen ist das nicht ganz so, äh, „premium“. Vielleicht ist das aber auch nur der frühen Version geschuldet. Presets ließen sich ebenfalls keine finden – wobei ich diesen Verzicht fast schon wieder sympathisch finde.

M/S Pre/Post mit Stereo Field Editor

Man kann die bewusst reduzierte Auswahl an Funktionen natürlich als guten Geschmack von Neve interpretieren. Man muss schließlich nicht jeden Scheiß mitmachen. Globalen Bypass offenbar auch nicht.

Beschriftung und Grafik lassen teilweise offen, welche Funktionen gerade aktiv sind. Also merken: Leuchten bedeutet eingedrückt. Eine klarere Visualisierung der Signalwege und mehr Bypass, Solos für die Bänder, usw. wären hilfreich gewesen. Auch die SFE-Sektion wirkt im Plugin etwas kryptisch.

Der Compressor hat einen Bypass, der Depth EQ hat einen und der Width EQ hat einen. Globalen Bypass gibt essen in des nur von der DAW aus …

Technisch arbeitet der Stereo Field Editor nämlich unabhängig vom gewählten Kanalmodus mit einer eigenen M/S-Matrix. Der unscheinbare SFE Post Schalter verschiebt diese Bearbeitung übrigens hinter Kompressor und Limiter, wo sie visuell ja bereits zuhause sind: Depth regelt nun den Mittenanteil, Width die Seitenanteile.

Über vierstufige Filter lässt sich zudem die Bearbeitung auf Low Frequency, Low Mid, High Mid oder High Frequency begrenzen – um den Bass stärker in der Mitte zu halten oder mehr Räumlichkeit in den Höhen zu erzeugen. Unabhängig davon arbeitet das Plugin wahlweise in Dual Mono, Stereo oder M/S.

FAZIT: RND Portico II Master Buss Processor, 551 Inductor EQ & 542 Tape Emulator

Es sieht aus wie Neve, es klingt wie Neve und es kostet wie Neve. Rupert Neve Designs hat den eigenen Mythos überzeugend ins Digitale übertragen und mit ersten Plugins authentische Replikas der Hardware vorgestellt. Die Mono-500er wurden sinnvoll auf Stereo- und M/S erweitert, zusätzliche Feature-Pakete bleiben allerdings aus. Gerade dieser selbst auferlegte Minimalismus stört mich auf Plugin-Ebene aber stellenweise.

Übersichtlichere Bypass-Strukturen, A/B-Vergleiche, Help-Bubbles oder Presets fehlen. Das kann man charmant und konsequent finden – muss man aber nicht. Schließlich gelten für Software andere Maßstäbe als für Hardware, erst recht wenn der Anspruch lautet, professionelle Werkzeuge auf höchstem Niveau zu liefern.

Wer hochwertigen, musikalischen Sound ohne überladenes Processing sucht und speziell den Silk-Sound liebt, kann trotzdem bedenkenlos zugreifen. Konkurrenz gibt es in dieser Kombination nicht, ähnliche Werkzeuge dagegen schon – und teilweise deutlich günstiger. Zukünftige Sales, weitere Plugins und größere Verkaufsförderungsmaßnahmen dürften die Sache vermutlich bald noch attraktiver machen.

Features

Artikelbild
Portico II MBP Plug-in
Für 199,00€ bei
  • Plugins von Ruper Neve Designs
  • Rupert Neve Designs Portico II MBP
  • 551 Inductor EQ
  • 542 Tape Emulator Plugins im Test
  • PREISE:
  • MBP: 199 € 
  • 542 & 551: je 129 € 
  • *Straßenpreise am 15.9.26

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