Behringer BMX ist kein Fahrrad, sondern die nächste Vintage-Kopie von Uli Räubertochter: diesmal nimmt sich der chinesische Hersteller die legendäre Oberheim DMX vor.

In bekannter Uli-Manier kombiniert man das klassische Prinzip mit modernen Ideen und verkauft das Ganze dann frech als Hybrid 8/12-Bit Sampling Drum Machine wie bereits die LM Drum. Wie das Konzept in der Praxis funktioniert, klärt der Test!
- direkter Zugriff über viele Regler und Pads
- umfangreicher 64-Step-Sequenzer
- keine weiteren Hüllkurven
- kein Slicing
DETAILS
Was ist die Behringer BMX?
Die Behringer BMX ist ein recht großer Drum-Sampler und funktional stark mit der Behringer LM Drum verwandt. Beide teilen sich nicht nur grundlegende Layouts, sondern auch zahlreiche Funktionen – stärker, als es bei den historischen Vorbildern je der Fall war.

Konkret gibt es zwölf Sample-Slots mit Pitch, Distortion und Bit-Crusher sowie einen 8-Kanal-Mischer plus analoge Effekte. Wie bei der Oberheim setzt auch die BMX auf ein 3×8-Pad-Layout zum Einspielen der Sounds.
Im Gegensatz zum Original sind die Pads hier allerdings noch beleuchtet sowie gummiert. Das Layout ist angenehm clean gehalten, soweit übersichtlich und insgesamt funktional. Uli´s Beste, sozusagen.
24 Pads, 12 Sounds & 8 Outs
Anschlagdynamisch scheinen die Pads aber nicht – unterschiedliche Lautstärken werden “klassisch” über separate Pads eingespielt. Viele Instrumente besitzen dazu drei Pads, andere zwei Pads. Teilweise variieren die Pads aber auch die Tonhöhe einzelner Sounds. Darüberhinaus gibt es einen Chromatic Programming/Playing Mode mit dem auch tonal gespielt werden kann.

Alle der insgesamt zwölf Instrumente sind neben den Main-Out auf acht Einzelausgänge verteilbar. Dazu kommen kurze Fader für Volume sowie dedizierte Panorama-Regler für den Mix-Out dazu. Metronom- und Master-Volume sind als Poti gestaltet, bei der echten DMX waren auch diese mit Fadern ausgestattet.
Zwei der Instrumente sind mit drei Pads für drei unterschiedliche Lautstärken ausgestattet, zwei weitere Instrumente verfügen über drei Pads für verschiedene Tonhöhen. Weitere vier Instrumente bieten zwei Pads für unterschiedliche Lautstärken an, ergänzt um ein weiteren Sample-Slot-Trigger, der sich dann den analogen Ausgang mit den “Zweiern” teilt.

Klingt umständlich, macht aber allein bei der HiHat absolut Sinn: Zwei geschlossene Lautstärken und dazu ein weiterer Sample-Slot für das “offene” Sample. Man merkt, hier wurde noch wie beim echten Schlagzeug gedacht.
Die Pads dienen aber nicht nur zum Triggern der Sounds, sondern übernehmen je nach Modus die 16-Steps-Programmierung, die dazugehörige Page-Umschaltung für 4×16 Steps sowie die generelle Auswahl von Banks, Pattern und Songs.
Acht Songs, 24 Pattern und 16 Banks bzw. Kits mit jeweils maximal 127 addresierbaren Samples sind hier verfügbar. Die Auflösung ist weiterhin Mono, 12 Bit und 24 kHz. Die Synthtribe-App wandelt beim Import entsprechend die Files. Einen SD-Slot gibt es leider nicht. Dafür aber ist USB-MIDI, DIN-MIDI sowie drei Trigger-Outs und Sync I/O am Start.
Dedizierte Pads und variable Encoder
Für den „modernen Touch“ sitzen oberhalb der Pad-Reihen zudem acht Encoder, welche die Instrumente der entsprechenden Spalte steuern sowie Assignable Voice Controls genannt werden. Nicht zu verwechseln mit den Pan-Pots, die sich ganz oben befinden und mit weißer Mitten-Zentrierung dekoriert sind.

Hinzu kommen Select-Taster unter den Encoder, sodass sich Instrumente wählen und ins Display holen lassen, ohne sie dabei gleichzeitig abzuspielen. Bei Spuren mit mehreren Sample-Varianten toggelt der jeweilige Taster außerdem die Encoder-Zuweisung für den Slot. Letztlich steuert der Encoder dann einen der acht Sample-Parametern, die im übrigen für alle Instrumente gleich sind.
Bekannte Sample Engine
Zu den acht editierbaren Parametern gehören dabei die Sample-Auswahl (0–127) innerhalb einer Bank, ein Distortion-Effekt sowie verschiedene Play-Modi wie Reverse und Loop. Natürlich gibt es auch einen Tune beziehungsweise Pitch. Hinzu kommen ein digitales Level, der Startpunkt des Samples sowie Length- und Loop-Position.
Viel ist das nicht. Automatisieren kann man diese Parameter allerdings nicht. Einen EQ oder zusätzliche Effekte sucht man – abgesehen vom globalen Filter und dem Wave Designer – vergeblich. Immerhin: den Filter-Cutoff kann man modulieren und pro Step definieren.

Das Display der Behringer BMX sitzt gut platziert in der Mitte und wird über eine Kombination aus Push-Encoder und Cursor-Tastern bedient. Sonderbar bleibt das Ganze dennoch – man fragt sich nur schon, warum nicht gleich das komplette Elektron-Encoder-Konzept übernommen wurde anstatt nur der Icons-Look.
Fairerweise muss man auch sagen, dass man in der Praxis ohnehin in 90 % der Fälle am Tune-Parameter herum schrauben wird. Praktisch: der zuletzt gewählte Parameter bleibt beim Umschalten auf das nächste Instrument erhalten – sowohl im Display als auch auf den acht Encodern. Das kleine Dreieck neben dem Parameter-Symbol im Display verrät die jeweilige Zuweisung des Encoders.
Ein Sequencer fits all
Der Sequenzer ist mit maximal 64 Steps angenehm umfangreich ausgefallen, hinzukommen Chains und Co. Funktionen wie Step-Size, Probability, Random, Flam, Note-Repeat sowie Polymeter kommen hinzu, der Zugang erfolgt etwas umständlich über das Menü. Der Filter-Cutoff kann außerdem automatisiert werden, der Bitcrusher für jedes Instrument individuell eingestellt werden.
Weitere bekannte Funktionen für Navigation, Edit und Modes sind ebenfalls vorhanden. Dazu kommen das analoge Behringer-Filter inklusive HPF-Option sowie der Wave Designer. Beide lassen sich mehreren oder einzelnen Instrumenten auf dem Mix zuweisen.
Das Filter erfüllt seinen Zweck, klingt aber nicht wirklich geil. Der Wave Designer hingegen arbeitet überraschend gut, bringt ordentlich Punch und erinnert funktional an einen SPL Transient Designer.
Abgesehen von den anderen Fadern und den neu gewürfelten Instrumenten fühlt sich die BMX im Grunde stark nach der Behringer LM Drum sowie den anderen analogen Derivaten wie Behringer RD-8 und Behringer RD-9 an, die bereits zuvor erschienen sind. Und wo wir gerade bei der Vergangenheit sind:
Once upon a time …
Die Oberheim DMX erschien 1980 kurz nach der Linn LM-1 und setzte ebenfalls auf digital gesampelte Drum-Sounds in EPROM-Chips statt analoger Klangerzeugung. Im Gegensatz zur deutlich teureren LM-1 war die DMX wesentlich erschwinglicher und dadurch in zahllosen Studios und Produktionen verbreitet.
Besonders Kick, Snare und Claps wurden ikonisch und prägten Genres wie Electro, frühe Hip-Hop-Produktionen, Synthpop, New Wave und Industrial. Der rohe, trocken-direkter Sound machte die DMX legendär!
Die Linn LM-1 hingegen galt als weicher, edler und musikalischer und fand dadurch im Westcoast- und Pop-Umfeld besonders viele Fans.
Berühmt wurde die DMX unter anderem durch Künstler wie Prince, New Order und Run-D.M.C.. Auch in frühen Produktionen von Def Jam Recordings taucht ihr charakteristischer Punch oft auf.
Technisch bot die DMX bereits erstaunlich moderne Features: austauschbare Sound-Chips, Einzelausgänge, programmierbare Sequenzen, eine ausgefeilte Swing-/Groove-Funktionen sowie bereits Synchronisation via DIN-Sync oder CV. Der interne Sequencer galt als besonders musikalisch und „groovy“.


