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AJH Synth Matrix VCF, Tone Science Triple Cross & Chance Delay im Test

Wer sich intensiver mit Eurorack-Synthesizern beschäftigt, stößt früher oder später auch auf den Namen Allan J. Hall. Die Module seiner Firma AJH Synths gelten vielen als eine Art Rolls-Royce der analogen Modularwelt. Diskrete Schaltungen, hochwertige Bauteile und ein Design, das optisch wie technisch an klassische Laborinstrumente und frühe Moog-Systeme erinnert.

AJH Synth Matrix VCF & Tone Science Triple Cross & Chance Delay im Test

In diesem Test nehmen wir gleich drei neue AJH-Module unter die Lupe, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Und genau deshalb eine spannende Kombination ergeben. Das aufwendig konstruierte Flaggschiff-Filter Matrix VCF, den extrem flexiblen Triple Cross Xfader sowie das rhythmisch-experimentelle Chance Delay. Gemeinsam decken sie Klangformung, Signalmanipulation und kreative Timing-Experimente ab – natürlich mit dem gewohnt kompromisslosen AJH-Ansatz.

Unser Fazit:
5 / 5
Pro
  • Toller Sound (VCF und Triple Cross)
  • Vielseitig einsetzbar (alle)
  • 
Integrierter VCA (VCF)
  • Hilfreich für komplexe Patches (Chance Delay)
Contra

Matrix VCF: Das Wichtigste in Kürze

  • Analoges Multimode-Filter mit 16 Filtervarianten
  • Integrierter VCA und schaltbare Resonanz
  • CV-Steuerung über Filtermodus, Cutoff und Resonanz
  • 3 Tracking-Eingänge (1V/Okt, 2V/Okt und 0,66V/Okt)

Triple Cross: Das Wichtigste in Kürze

  • Dreikanaliger Audio-Prozessor
  • für Crossfader, Panning, VCA-Anwendungen
  • Ring-, Cross- und Amplitudenmodulation
  • Normalisierte Kanäle für schnelle Patches

Chance Delay: Das Wichtigste in Kürze

  • Trigger Delay mit regelbarer Wahrscheinlichkeit
  • bis zu 30 Sekunden Verzögerung
  • Gates von bis 30 Sekunden Länge
  • CV-Eingänge für alle Parameter
  • Auch als Clock Divider nutzbar

DETAILS

Matrix VCF: Biest in Seide

Das Matrix VCF Filter-Modul ist seit seiner Vorstellung auf der Superbooth 2025 das neue Herzstück des Filter-Lineups von AJH. Es basiert auf der legendären Topologie des Oberheim Matrix 12 und seinem Expander, einem der komplexesten Synthesizer der Geschichte mit mehreren parallelen Filtermodellen.

AJH Synths Matrix VCF: Farben
AJH Synths bietet das Matrix VCF mit schwarzem oder silbernem Frontpanel an.

Allan J. Hall hat laut eigenen Angaben ganze zwei Jahre akribische Entwicklungsarbeit investiert, um dieses Konzept nicht einfach zu adaptieren, sondern auch neu zu durchdenken sowie massiv zu erweitern.

Schon beim ersten Drehen eines Reglers spürt man das Ergebnis in der hochwertigen Verarbeitung. Die sechs Potis laufen mit einem perfekten Widerstand – nichts wackelt, alles fühlt sich massiv und wie für die Ewigkeit gebaut an. Das Modul visualisiert die 16 verschiedenen Filtermodi über eine LED-Kette am linken Rand des Panels, der aktive leuchtet immer markant hell auf.

Von klassischen Tiefpass-Filtern inklusive Ladder-Filter im Moog-Stil über Bandpass-Optionen bis hin zu besonderen Filterideen wie einem Dreipol-Hochpass kombiniert mit Einpol-Tiefpass ist alles Erdenkliche dabei. Zusätzlich zu den klassischen Matrix-12-Filtern wurde noch ein neuer Vierpol-Allpass-Phaser integriert, den das Original so nicht besaß und der das Modul zu einem Eurorack Effektmodul ausweitet.

Ein weiterer Clou ist der „P-Vox“-Schalter. Mit ihm wechselt die Resonanz-Charakteristik der Filter-Modelle von musikalisch-glatt zu sowjetisch-brutal. Inspiriert von den in der Szene (zurecht!) gehypten Polivoks-Schaltungen bringt dieser Modus eine wunderbare Sättigung und Overdrive für eure Sounds ins Spiel.

Da jeder der 16 Modi mit beiden Resonanz-Modellen arbeiten kann, stehen effektiv 32 Filtervariationen zur Verfügung. Das Modul verfügt zudem über einen integrierten VCA am Ausgang und ist dank drei unterschiedlich gewichteter CV-Eingänge für den Cutoff im Selbstoszillationsmodus als vollwertiger, harmonisch reicher Oszillator nutzbar.

Triple Cross Xfader: Die Schaltzentrale

Gehen wir mit diesem Wissen nun über zu den anderen beiden Modulen im Test, die eher den Charakter von Erweiterungs- oder Hilfstools für das Eurorack haben. Entstanden aus einer Kollaboration mit dem Musiker Ian Boddy, ist erst einmal das Triple Cross dran. Auf 14 TE finden sich hier drei unabhängige Kanäle, die als VCA, Crossfader oder Panner fungieren können, also Audio verstärken.

Die Flexibilität des Audiovereinigungs-Moduls ist beeindruckend: Man kann das Modul zum Beispiel als „One In, Two Out“-Panner nutzen, als einfachen VCA oder als komplexen Crossfader und Panner für vier Signale – letzteres ist besonders für größere Racks mit Fokus auf Stereo-Sounds interessant.

AJH Synths Triple Cross im Rack
Eine simple Anordnung von Reglern und Patchpunkte unten bietet das Triple Cross Modul für Eurorack

Die Normalisierung der Ausgänge von Kanal 1 und 2 auf die Eingänge von Kanal 3 erlaubt es, die komplexe Überblendszenarien zwischen bis zu vier verschiedenen Quellen detailliert zu steuern. Wie beim Matrix VCF ist auch hier die haptische Qualität der Fader und Regler beeindruckend – das Triple Cross ist auf allen Ebenen ein Werkzeug für präzises Sound Design.

Chance Delay: Der Faktor X

Das Chance Delay (ebenfalls eine Kooperation mit Ian Boddy) ist zu guter Letzt ein schmales 8-TE-Modul, das eine Marktlücke schließt. Es kombiniert einen Wahrscheinlichkeitsgenerator (Chance) mit einem präzisen Puls-Delay. Es kann in dieser Funktion Trigger in Gates verwandeln (Pulse Stretching), Gates zu Trigger-Signalen kürzen, Clocks dividieren oder auch, bei Eingabe von Audiosignalen, als Sub-Bass-Generator dienen. Die Zeiten für Delay und Gate-Länge reichen von winzigen 0,5 ms bis zu satten 30 Sekunden. 

Chance Delay
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PRAXIS

Ein bisschen hat es mich selbst überrascht: Obwohl wir keinen „passenden“ Oszillator und kein dediziertes Modulationsmodul von AJH im Test dabei hatten, entfaltete das Trio bei den ersten Patches schnell eine besondere Synergie. Der Workflow begann oft beim Triple Cross, mit dem ich in der Regel unterschiedliche Wellenformen eines oder mehrerer analoger Oszillatoren kombiniert habe. Das Teil blendet auch die komplexesten Klangquellen butterweich ineinander über, während man gleichzeitig das Panorama moduliert. Die interne Normalisierung der Kanäle hat sich mir schnell erschlossen und bietet langfristig viele Optionen für komplexe Melodien wie auch abstrakte Sounddesign-Experimente.

Zusammenspiel Triple Cross & Matrix VCF

Aber klar ist auch: Schickt man das Summensignal des Triple Cross in den Matrix VCF, beginnt der eigentliche Spaß. Insbesondere mit einer aktiven CV-Steuerung des Filtertyps im Matrix VCF entstehen mit diesem Modul rhythmische Klangfarbenwechsel, die perfekt mit den Überblenden des Triple Cross korrespondieren. Wenn man beispielsweise eine Drone aus mehreren Wellen langsam ein- und ausblenden und gleichzeitig den Matrix VCF von einem sanften Tiefpass in einen komplexen Notch-Filter morphen lässt, entstehen organische Texturen, die unheimlich lebendig wirken.

Zusammenspiel Triple Cross & Matrix VCF

AJH Synths Matrix VCF: Ein Filter für jeden Patch

DAs Matrix VCF glänzt auch in anderen Anwendungsbereichen durch seine klangliche Breite. Bei Standard-Patches mit einem aktiven Modell klingen die Filter immer edel und fügen sich dank Input- und Output-Gain in jeden Mix sofort ein. Schaltet man den P-Vox-Modus ein, bekommt der Sound hingegen eine Wucht, auf die ich auch nach einigen Stunden intensiven Spielens selten vorbereitet war.

Audio Samples
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VCF: Modulation VCF: Polivoks Resonanz Chance Delay: Percussion Chance Experiment Triple Cross: Dronemorphing

Für aggressive Basslines oder schneidende Leads ist dieser Modus Gold wert. Die Tatsache, dass der Filter bei hoher Resonanz stabil trackt, ermöglicht es zudem, ihn bei Bedarf als eigenständige Soundquelle zu nutzen. Tipp: Schickt sie durch den Triple Cross, um sie mit anderen Signalen FM-artig zu verbinden.

Rhythmische Unvorhersehbarkeit mit dem Chance Delay

Das Chance Delay bringt abschließend das nötige Quäntchen Chaos in AJH-Patches. Für Performance-Zwecke habe ich es besonders gern genutzt, um starre Clock-Signale oder Gate-Sequenzen von Eurorack-Sequenzern aufzubrechen. Einfach einen Trigger hineinschicken und die „Chance“ auf 70%. Plötzlich werden manche Trigger  ausgelassen, was einem statischen Beat sofort menschliches Leben einhaucht oder Delay-Module und ihre Wiederholrate etwas auflockert.

AJH Synths: Module im Case
Gerade nebeneinander im Case machen die drei Module von AJH Synths im schicken schwarzen Gewand einiges her. (Foto: Lukas Hermann)

Konkret auf die beiden anderen Module bezogen war es auch spannend, verzögerte Gate des Chance Delay zu nutzen, um eine Hüllkurve zu triggern, die wiederum den VCA des Matrix VCF oder den Triple Cross steuert. Da das Modul auch das Durchgeben von Gates beherrscht, bleibt die Artikulation des Patches erhalten, während der Zufall entscheidet, ob und wann welcher von Filter oder Panner geformter Ton erklingt. Das sorgt immer wieder für schöne klangliche Überraschungen – und sorgte immer wieder für den Wunschgedanken, wie schön es doch wäre, ein ganzes System an AJH-Modulen zu haben …

AJH Synths Matrix VCF: Das sind die Alternativen

In unserer traditionellen Betrachtung alternativer Module im Praxis fokussieren wir uns nun noch einmal kurz auf den AJH Synths Matrix VCF. Zwar gibt es kein anderes Filter-Modul, das wie dieses klassische Filtersounds und CV-Modulation zwischen Modellen emuliert, aber dennoch so einige spannende Multimode-Filter anderer Machart. Zwei davon, der Doepfer A 121s und der Joranalogue Filter 8 sind auf ihre Art ebenfalls interessante Highlights am derzeitigen Markt.

FeaturesAJH Synths Matrix VCFDoepfer A 121sJoranalogue Filter 8
Anzahl Filtermodelle164 (stufenlos überblendbar)8
CV-Steuerung über FiltermodelleJaJaNein (separate Ausgänge für alle Filter)
Integrierter VCAJaNeinNein
LFO-ModusNeinNeinJa
Preis389 €249 €295 €
Preis/Leistung4/54/54/5
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Fazit – AJH Synth Matrix VCF, Tone Science Triple Cross & Chance Delay

AJH Synths hat mit dem getesteten Trio einmal mehr bewiesen, dass sie die analoge Schaltungskunst im Eurorack meisterhaft beherrschen. Das Matrix VCF ist zweifellos eines der vielseitigsten und am besten klingenden Multimode-Filter auf dem Markt – ein echtes Luxus-Werkzeug, das dank integriertem VCA zusätzlich effektiv Platz im Rack sparen kann. Der Triple Cross Xfader und Panner überzeugt wiederum als hochflexibler Signalmanager für Audio- und übrigens auch CV-Signale, während das Chance Delay als intelligenter „Glücksfaktor“ rhythmische Komplexität ins Patch bringt. Die Verarbeitung der Module ist über jeden Zweifel erhaben und rechtfertigt ihren hohen Premium-Preis zusätzlich. Daher gibt es von mir zum Abschluss für alle drei Eurorack-Module volle 5 von 5 Sternen.

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AJH Synth Matrix VCF black
AJH Synth Matrix VCF black
Kundenbewertung:
(1)

Features

  • ## AJH Synths Matrix VCF – Features
  • Analoges Multimode-Filter mit VCA
  • 16 wählbare Filtertypen, darunter Tiefpass, Bandpass, Notch, Hochpass und Allpass
  • Zwei unterschiedliche Resonanz-Charakteristika wählbar
  • Regler für Frequenz, Resonanz und Mode (Filtertyp), jeweils mit CV-Eingang
  • Integrierter VCA mit Regler Eingangs- und Ausgangspegel und CV-Eingang
  • Strombedarf: 56 mA (+12 V) / 36 mA (-12 V)
  • Breite: 14 TE – Tiefe: 29 mm
  • PREIS: ca. 389 € (Straßenpreise am 08. 05. 2026)
  • ## AJH Synths und Tone Science Triple Cross – Features
  • Drei Kanäle mit separatem Crossfader und Panner
  • Vier Konfigurationen: linearer VCA (1 In/1 Out), Crossfader (2 In/1 Out), Panner (1 In/2 Out) oder Crossfader mit Reversing Panner (2 In/2 Out)
  • CV-Eingänge für Ringmodulation und Cross-Modulation
  • Interne Normalisierung von Ausgängen für komplexere Überblendungen und Panning
  • Stromverbrauch: 80 mA (+12V) / 72 mA (-12V)
  • Breite: 14 TE – Tiefe: 26 mm
  • PREIS: ca. 349 € (Straßenpreise am 08. 05. 2026)
  • ## AJH Synths und Tone Science Chance Delay – Features
  • Vielseitige Gate-Verarbeitung: Gate-Delay, Trigger-zu-Gate, Gate-zu-Trigger und Clock-Divider
  • „Chance“-Funktion (0 bis 100 %) entscheidet, ob ein Puls weitergegeben wird
  • Gate-Delay arbeitet im Bereich von 0,5 ms bis hin zu 30 Sekunden
  • Erzeugung von Sub-Oszillationen und Bässen möglich
  • Stromverbrauch: 25 mA (+12V) / 6 mA (-12V)
  • Breite: 8 TE – Tiefe: 26 mm
  • PREIS: Ca. 239 € (Straßenpreise am 08. 05. 2026)
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