Mit “Holy Diver“ veröffentlichte die Heavy-Metal-Band Dio um den Sänger Ronnie James Dio im Jahre 1983 ihre allererste Single. Der Song und das gleichnamige Album waren (und sind bis heute) ein Riesenerfolg und ein starker Start für Ronnie James Dios Karriere mit seiner eigenen Gruppe, nachdem er schon Jahre zuvor mit Bands wie Rainbow und Black Sabbath Erfolge feiern konnte. Die Grooves und Fills von Schlagzeuger Vincent „Vinny“ Appice (jüngerer Bruder von Carmine Appice) schauen wir uns in diesem Workshop einmal genauer an.

Der Drumsound auf „Holy Diver“
Vinny spielt ein Drumset mit vielen Toms, welche – wie für diese Zeit typisch – stark nach Concert-Toms (Toms ohne Resonanzfelle) klingen. Die Toms liefern einen eher trockenen, kurzen, präzisen und punchigen Ton. Bassdrums und Snare klingen ebenfalls sehr trocken und kräftig, was gut zu Vinnys artikuliertem und extrovertierten Stil passt.
So funktionieren die Grooves von „Holy Diver“
Nach einem längeren atmosphärischen Synthie-Intro setzt das ikonische Gitarrenriff ein. Vinny spielt hier einen kräftigen Groove und betont das Gitarrenriff mit der Bassdrum. Das Ridebecken spielt er mit einer starken Viertelbetonung. Zwischen den Akzenten, welche die ganze Band unisono spielt, setzt Vinny kurze, prägnante Drumfills.
Achtet bei dem Drumfill im sechsten Takt auf die Dynamik in der Snare. Vinny setzt hier zwischen den Akzenten mit Bassdrum und Crash zwei Snareschläge, welche er dynamisch steigert, wodurch ein sehr musikalischer Fluss entsteht.

In der ersten Strophe wechselt Vinny auf die geschlossene Hi-Hat, auf der er einen galoppierenden Rhythmus spielt. Die 16tel-Noten spielt er mit der rechten und linken Hand abwechselnd. Für zusätzliche Akzentuierungen in der Hi-Hat benutzt Vinny kurze Hi-Hat-Lifts.

Im Pre-Chorus spielt Vinny die Hi-Hat halb offen, bevor er für den Chorus wieder auf das Ridebecken wechselt.

Im C-Part werden die Gitarrenakzente unterstützt
Nach dem zweiten Verse spielt Vinny ein simples, aber effektives Fill (in der Notierung im zweiten Takt) und leitet damit den C-Part des Songs ein. Hier betont er die Akzente der Gitarren mit Bassdrum und Crash und spielt in den Pausen 16tel-Noten mit der Snare. Danach geht es wieder in den durchgehenden Groove, während er weiterhin die Gitarren mit der Bassdrum akzentuiert.

Ähnlich macht Vinny es während des Gitarrensolos. Wieder betont er die Gitarren mit der Bassdrum und spielt zwischen den Akzenten nur die geschlossene Hi-Hat und die Snaredrum auf „2“ und „4“.

In den letzten sechs Takten des Gitarrensolos wechselt Vinny in einen treibenderen Groove mit einer synkopierten Bassdrum. Mit einem schnellen Fill zwischen Toms und Snare (Takt 5 in der Notierung) und einem Abschlag auf Toms und Bassdrum geht Vinny aus dem Groove raus und leitet mit Viertel-Akzenten zusammen mit den Gitarren die letzte Strophe ein.

Im Outro gibt es ein paar besondere Fill-ins
Im Outro des Songs, wo die Band wieder das ikonische Gitarrenriff aus dem Chorus aufgreift, spielt Vinny einige extrovertierte Fills. Das auffälligste Fill habe ich hier nochmal ausnotiert.

Vinny verteilt 16tel-Triolen über Toms und Snare. Was hier besonders auffällt: Er schlägt die Toms sehr hart an, auch wenn er schnellere Läufe spielt. Dadurch klingen seine Fills so kräftig und extrovertiert. Achtet also beim Nachspielen darauf, dass ihr die Trommeln mittig und kraftvoll spielt.
Vincent „Vinny“ Appice hat mit seinem artikulierten, geradlinigen und dennoch interessanten Schlagzeugspiel das perfekte Fundament für “Holy Diver“ geliefert. Gerade die subtilen dynamischen Akzente in der Hi-Hat und in Fills verraten, dass hier ein technisch versierter und sehr musikalischer Schlagzeuger am Werk ist.
Ich wünsche euch viel Spaß beim Nachtrommeln!
