H oder B? Der Unterschied zwischen den Noten H und B in der Musik

Jeder Anfänger, der sich mit dem deutschen Notensystem beschäftigt, stolpert früher oder später über einen Notennamen, der immer wieder Fragen aufwirft: das „H“.  Wir haben für euch die wichtigsten Antworten und Erklärungsansätze zum Thema „H oder B“ zusammengefasst.

H oder B? Was ist richtig?
Credits: Shutterstock / Scott Rothstein

H oder B? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

  • Warum heißt der Ton zwischen A und C in der C-Dur-Tonleiter eigentlich H? Hierfür gibt es verschiedene Theorien. Vermutlich geht die Bezeichnung auf einen historischen Überlieferungsfehler zurück, der mit der Einführung des Buchdrucks zu tun haben könnte.
  • Wie heißt der Ton H im englischsprachigen Raum? Auf internationalem Parkett hat sich für die 7. Stufe der C-Dur-Tonleiter der Notenname „B“ etabliert. Hier geht es also streng nach dem Alphabet, was für viele Musiker logischer erscheint.
  • Deutsche Notation: C – D – E – F – G – A – H
  • Internationale Notation: C – D – E – F – G – A – B
  • Aber es gibt doch ein „B“ im deutschen Notensystem? Und genau hier wird es kompliziert. Denn während der Halbton vor dem englischsprachigen „B“ in der Regel als „Bb“ (gesprochen „B-flat“) bezeichnet wird, heißt derselbe Ton in Deutschland ausgerechnet „B“. Der Buchstabe „B“ kann also zwei unterschiedliche Töne bezeichnen, je nachdem, in welchem Kulturkreis wir uns gerade befinden.
  • Warum taucht der Ton H nicht auf meinem Stimmgerät auf? Die meisten Hersteller von Gitarrenzubehör haben sich auf das englischsprachige Notensystem geeinigt. Eure „h-Saite“ ist für das Stimmgerät also eine „b-Saite“.
  • Warum klingt in meinem Lead-Sheet aus dem Internet der B-Akkord so schief? Auch im Internet wird größtenteils international notiert. Vermutlich ist hier ein H-Akkord gemeint.
  • Wer benutzt noch das H? Die Notenbezeichnung „H“ wird im deutschsprachigen und in Teilen des skandinavischen und slawischen Raumes verwendet.

Woher kommt das H im deutschen Notensystem?

Historisch gesehen gibt es zwei Erklärungsansätze für das Phänomen mit dem „H“:

1. Der Hexachord

Frühmittelalterliche Notensysteme bestanden nach heutigem Wissen aus nur 8 Stammtönen (nach Reihenfolge des Alphabets), aus denen man drei einfache Tonleitern mit jeweils 6 Tönen (Hexachord) bilden konnte:

  • C D E F G A (C-Dur)
  • F G A B C D (F-Dur)
  • G A H C D E  (G-Dur)

Da man für die G-Tonleiter einen „neuen“ (höheren) Ton zwischen A und C brauchte (Vorzeichen kannte man noch nicht), wurde einfach der nächste verfügbare Buchstabe im Alphabet verwendet, das „H“.

2. Der Buchdruck

Ab dem 10. Jahrhundert gab es mit der Einführung des Notenliniensystems bereits zwei Varianten für unsere beiden Töne B (engl. „Bb“) und H (engl. „B“):

das B-rotundum (auch „weiches B“ oder „B molle“ genannt)

und das B-quadratum (auch „hartes B“ oder „B durum“ genannt)

Wie unschwer zu erkennen ist, sieht das quadratische b einem h zum Verwechseln ähnlich und man geht davon aus, dass der eine oder andere „Abschreibefehler“ in der handschriftlichen Notenüberlieferung den Weg für das „H“ geebnet haben könnte. Viel naheliegender ist allerdings der Gedanke, dass damalige Druckereien in Ermangelung einer Druckform für das B-quadratum auf das vergleichbare „H“ ausgewichen sind und sich dieser „Hilfsbuchstabe“ dann auch in den Sprachgebrauch eingeschlichen und festgesetzt hat. Warum der angelsächsische Kulturkreis es geschafft hat, dieser Versuchung zu widerstehen, während andere europäische Länder beim „H“ geblieben sind, bleibt jedoch ein Rätsel.
 Tatsache ist aber, dass das „runde“ und das „eckige“ B uns bis heute als Versetzungszeichen („b“ und „#“) für Halbtonschritte erhalten geblieben sind. 

Sollte ich lieber das H oder das B verwenden?

Grundsätzlich hat es bisher noch jeder geschafft, mit den Unwägbarkeiten von H und B zurechtzukommen, und man sollte als deutschsprachiger Musiker stets auf beide Varianten eingestellt sein. Auf internationalem Parkett ist eine Welt ohne H quasi der Normalzustand, wenn es um Musikalien im weitesten Sinne geht (Noten, Heim-Keyboards, Stimmgeräte etc.). Auch die Welt des Internets ist bei Tutorials, TABs oder Lead-Sheets größtenteils auf B und Bb eingestellt. Auch deutschsprachige Gitarrenschulen sprechen heute schon mal von der „b-Saite“ und der eine oder andere Visionär träumt bereits von einer Welt, in der wir uns in Deutschland auf die Bezeichnungen „B“ (für H) und „Bes“ (für B) geeinigt haben.   

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Profilbild von Amos omb

Amos omb sagt:

#1 - 08.09.2023 um 18:45 Uhr

0

Das passiert nur in good old Germany. Gitarrist zum Keyboarder: Gib mir mal ein B. Keyboarder: Welches? Aber hier zu Lande wird ja immer noch diskutiert das es ja musikalisch auch nicht stimmt das H B zu nennen. Ich dagegen bin mir sicher das ist den Ton so was von egal wie er heißt.

    Profilbild von Wil Cremers

    Wil Cremers sagt:

    #1.1 - 09.09.2023 um 09:53 Uhr

    0

    Vielleicht ist es gar nicht so ganz umständlich gelaufen. In Niederländisch ist es ja auch B. Ich denke dass es wirklich ein Schreibfehler war. Das Auflöse Zeichen sieht auch mehr wie ein H aus, und in den b Tonarten , der Name sagt es schon, steht die meistens erste Auflösung vor B ,was auch das erste B chen ist, Wer hatte damals schon mit Musik zu tun? Der Schreiber hat es vielleicht als H angesehen und nicht gewusst das der Ton in dieser Tonart ein erniedrigt B " bes " war.

    Antwort auf #1 von Amos omb

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Maese sagt:

#2 - 22.09.2023 um 09:41 Uhr

1

Schon etwas crazy mit den verschiedenen Bezeichnungen. Englisch oder deutsch? Wir haben uns in der Band darauf geeinigt "H" und "B-flat" zu sagen. Dies sind für uns eindeutige Bezeichnungen der beiden Töne.

Profilbild von R. de Bell

R. de Bell sagt:

#3 - 09.10.2023 um 13:09 Uhr

0

Simple - ich nutze nur noch die internationale Variante - alles andere ist wieder typisch Deutsch. Man will unbedingt bei der "falschen" Bezeichnung bleiben, weil es wird ja schon so lange genutzt. Österreicher, Schweizer und Niederländer verwenden ebenfalls die internationale Variante - alles andre is Mumpitz.

    Profilbild von Diego

    Diego sagt:

    #3.1 - 17.01.2024 um 00:19 Uhr

    1

    Ich komme aus der Schweiz und kenne nur H im deutschen Sprachgebrauch. Ist eher sprachspezifisch als länderspezifisch.

    Antwort auf #3 von R. de Bell

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Profilbild von TomB

TomB sagt:

#4 - 05.12.2023 um 15:33 Uhr

0

Danke für den tollen Artikel. Mich hat es auch beim Anfang vom Klavierspielen verwirrt und intuitiv war ich mir sicher, dass es ein B sein sollte, da Musik einfach extrem logisch ist. Dann hab ich mir überlegt, ob "sie" (wer auch immer, z.B. die Matrix Menschen die alles auf der Welt verdrehen müssen damit die Menschen nicht im Einklang leben).. nicht einfach aus dem b ein h gemacht haben, damit in DE mal wieder alles verdreht und komplizierter ist.. dass es sowas wie ein falsches Abschreiben sein könnte, macht Sinn. Und warum ist der Bass-Schlüssel nicht genauso wie der obere Schlüssel? Wieso muss man dort andere Noten auf die Linien setzen??

Profilbild von Werner Wyss CH 8121 Benglen

Werner Wyss CH 8121 Benglen sagt:

#5 - 03.04.2024 um 17:19 Uhr

0

Für mich liegt die einzige logische Erklärung H statt B und deshalb B statt Hes beim gossen J.S.Bach . Er wollte seinen Namen vertonen und hat sich deshalb die Be-nennung H zunutze gemacht und den eigentlichen Ton B um einen Halbton degradiert. Diese Praxis wurde dann im angelsächsischen Sprachraum zum festen Bestandteil des Musikunterrichtes. Schau rein bei www.wynosa.ch (SynBi was ist das?

Profilbild von Werner Wyss CH 8121 Benglen

Werner Wyss CH 8121 Benglen sagt:

#6 - 03.04.2024 um 17:19 Uhr

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Für mich liegt die einzige logische Erklärung H statt B und deshalb B statt Hes beim gossen J.S.Bach . Er wollte seinen Namen vertonen und hat sich deshalb die Be-nennung H zunutze gemacht und den eigentlichen Ton B um einen Halbton degradiert. Diese Praxis wurde dann im angelsächsischen Sprachraum zum festen Bestandteil des Musikunterrichtes. Schau rein bei www.wynosa.ch (SynBi was ist das?

Profilbild von Martin

Martin sagt:

#7 - 15.06.2024 um 15:45 Uhr

0

Ich finde es super, dass Du hier endlich mal der meiner Meinung nach sehr vereinfachten Erklärung der Musiklehrer in den Schulen (Gymnasien) etwas mehr Differenziertheit entgegensetzt. Was auch immer der wahre Grund ist werden wir wohl nie wirklich wissen. ABER: Nach meiner Meinung hast du die Bilder vertauscht. Das weiche B muss oben sein, das harte B unten - oder? Sonst ist es irgendwie auch wieder sehr verwirrend ;-)

    Profilbild von Michael Behm

    Michael Behm sagt:

    #7.1 - 17.06.2024 um 20:16 Uhr

    0

    Hallo Martin, ja, da haben wir tatsächlich die beiden Bilder vertauscht. Danke für den Hinweis! Schöne Grüße Michael Behm

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