Hersteller_Pioneer
Test
5
Test

Pioneer DJM-850 Test

Club-Mixer mit Traktor Scratch Interface

Qualität und Flexibilität pur

Wer sich ein Pioneer-Mischpult zulegen möchte, hat die Qual der Wahl. Satte fünf Modelle umfasst allein das aktuelle Clubmixer-Sortiment, beginnend mit dem DJM-700 für 941 Euro UVP, gefolgt vom DJM-800 für knappe 1500 Euro sowie den beiden Topmodellen DJM-900NXS und dem DJM-2000, die nahe der 2000 Euro Schallmauer angesiedelt sind. Die Ausstattungsmerkmale wachsen in der Regel äquivalent mit dem Preis. Kann der Nexus beispielsweise mit Netzwerkfähigkeit sowie einem Traktor Scratch-kompatiblen Interface punkten, erfreut der 2000er den User mit einem eingebauten MIDI-Controller in Form eines mehrfach gelayerten Touch-Displays. Der DJM-5000 (999 UVP, mit dediziertem Zone-Ausgang) ist zwar ebenfalls der Kategorie Clubmixer zuzuordnen, tanzt aber durch sein 19-Zoll-Rackformat hier etwas aus der Reihe. Es gilt also, bei der Auswahl eines Weggefährten für Club, Bar, mobile Diskothek oder DJ-Studio genau abzuwägen, welches Modell dem eigenen Anspruch und dem jeweiligen Verwendungszweck entspricht, denn es lassen sich unter Umständen einige Hundert Euronen sparen.

Nun ergänzt zusätzlich der DJM-850 den bunten Reigen. Er kostet 1499 UVP und erweitert sozusagen das 800er-Modell um ein vierkanaliges Stereo-USB-Interface, Isolatoren und neue Effekte. Ferner hat er eine TSP-Zertifizierung verliehen bekommen, sodass Treckerfahrer keinen eigenständigen Hardware-Dongle für diesen Mischer benötigen. Als Hauptkonkurrenten sehe ich den Denon X-1600, ebenfalls kompatibel zur beliebten Berliner Software, den Xone:DB2 von Allen&Heath und sicherlich auch den DJM-900NXS von Pioneer selbst.

DETAILS

Der DJM-850 misst 320 x 108 x 381 Millimeter und bringt satte 7,7 Kilo auf die Waage. Zum Lieferumfang gehören ein Handbuch, ein Netz- und ein USB-Kabel sowie der Mixer. Auf den ersten Blick lassen sich einige Gemeinsamkeiten zwischen dem DJM-850-S (S steht für Silber), der alternativ in schwarz (Kürzel „K“) erhältlich ist, und dem DJM-900 Nexus ausmachen, welcher mir im Februar 2011 für einen Test zur Verfügung stand. Zum Beispiel sein robustes Metallgehäuse, die sanften P-Lock-Fader und griffigen Potis mit ihrem angenehmen Drehwiderstand. Oder auch die langen LED-Meter, die fetten Color-FX-Knöpfe und die hell beleuchteten Buttons. Das Layout ist sehr übersichtlich, die Ingredienzien sind mit einer ordentlichen Portion Raum zueinander arrangiert, um auch in stressigen Situationen stets den Überblick zu behalten und nicht Gefahr zu laufen, versehentlich eine ungewollte Funktion auszulösen. Einzig die etwas klein geratenen Mikrofon-Potis fallen hier im Gesamtbild etwas ab. An der Rückseite fällt der Blick auf eine Heerschar fest sitzender Anschlussbuchsen, die Flexibilität hinsichtlich des Routings versprechen. Welch ein „Hinten“ Eine visuelle Inspektion des Backpanels offenbart eingangsseitig: vier Stereo-Kanäle CH1-4, die alle mit Line-Pegel arbeiten können. Die beiden äußeren (CH1 und CH4) sind zudem mit Phono-Vorverstärkern nebst separaten Erdungsschrauben ausgestattet. CH2 und CH3 bieten zusätzliche Schnittstellen für zwei weitere Line-Zuspieler. Es können von Haus aus also nur zwei Standard-Turntables angeschlossen werden, sollten diese nicht Linepegel ausgeben oder ein externer Phono-Preamp zwischengeschaltet sein. Das sieht man in letzter Zeit häufiger und für Battle-Teams ist das natürlich schon etwas schade, doch bei genauerer Betrachtung ist dies nachzuvollziehen, denn die überwiegende Mehrheit der Scratch-Artisten oder Club-Deejays geben sich mit zwei Tellern und/oder zwei CDJs zufrieden. Tellerhexer, die mit 3+ Schallplattenspielern auflegen, sind in Zeiten digitaler Performances mit autosynchronisierenden Softwaredecks, Sampleplayern und Netzwerk-Funktion von CDJs seltener anzutreffen.

In die PA, Monitor-Anlage oder Heim-Endstufe geht’s für den Master via XLR (Master1) oder Stereo-Cinch (Master2). Dazu gesellen sich ein Recording-Out und ein separat regelbarer Booth-Out in Form von 6,3 mm Klinkenbuchsen. Hier wurde an alles gedacht. Selbst ein digitaler Master-Ausgang (S/PDIF) ist zugegen, dessen Abtastfrequenz (48/ 96kHz) über das Software-Setup zugänglich ist. Vier Faderstart-Buchsen erlauben die Fernsteuerung kompatibler Geräte in Abhängigkeit von der Crossfader-Stellung. Rechts außen ist ein MIDI-Ausgang (DIN) platziert, welcher die Taktung der internen Clock an angeschlossene Drum-Machines und Sequenzer übermittelt. Eine Ausfräsung für Kensington Locks zur Diebstahl-Prävention haben die Hersteller ebenfalls integriert. Ferner finden sich am Backpanel die Mikrofonbuchse MIC2 und eine Send/Return-Effektschleife ein, die standesgemäß in Klinkenform ausgeführt sind. Wer nun an dieser Stelle eine USB-Buchse Typ-B zur Verbindung mit dem Laptop erwartet: Die sitzt beim DJM-850 oben (!) (ja, man braucht nicht mehr hinterm Pult rumfummeln – Danke Pioneer!). Dann folgen noch eine Kaltgerätebuchse für das integrierte Netzteil samt schutzumrandeten Power-Switch und der Ausflug übers Backpanel ist komplett. 

Layout
Was sein Layout angeht, reiht sich der Kandidat ohne allzu großes Wagnis in die Riege seiner Vorgänger ein und zeigt auf der linken Seite einen Mikrofonkanal, die Monitoring-Sektion und vier Color-FX. Master- und Effekt-Abteilungen geben sich auf der rechten Flanke die Ehre. In den beiden Setup-Modi, die über den Utility-Button und beim Booten aktiviert werden, finden sich zahlreiche benutzerspezifische Einstellmöglichkeiten, vom MIDI-Kanal und Button-Verhalten über den Talkover-Modus, Faderstart , Samplingfrequenz und vieles mehr.

Als zentrales Element eines Clubmixers nehmen Mischpult und Klangregelung den größten Teil der Bedienoberfläche ein, wo sich jeder Kanal mit einem Quellwahlschalter, gefolgt von Gain und Dreiband-EQ präsentiert. Neben den bereits erwähnten Backpanel-Routings kann jeder Channel auf einen USB-Kanal zugreifen, beginnend mit CH1-USB1/2, endend mit CH4 und folgerichtig USB7/8. Dank digitaler Signalverarbeitung verfügt der DJM-850 über eine umschaltbare Klangregelung. Wer es lieber klassisch mag, arbeitet im EQ-Modus mit dem für Pioneer typischen Cut von -26 dB und einem musikalischen Boost von +6 dB (zum Vergleich: Bei meinem DJM-600 und am Nexus sind es noch +12 dB). Im Isolator-Modus führt die Linksdrehung zur totalen Absenkung des jeweiligen Frequenzbandes.

Die griffigen gummierten Potis sitzen fest auf der Achse, liegen gut in der Hand und weisen einen natürlichen Widerstand auf. Sie verfügen über eine einrastende Nullstellung, die von einer sauber aufgetragenen, weißen Nabe optisch aufbereitet wird. Jeweils links von den Equalizern ist das Pegelmeter eingelassen. 15 ampelfarbene LEDs (neunmal grün, viermal gelb, zweimal rot) informieren über die Pegelverhältnisse in den einzelnen Kanälen (-24 bis +10 dB und Over), was die optische Pegelkontrolle deutlich vereinfacht. Sehr schön. Darunter folgt der Color-Regler für die gleichnamigen Effekte nebst Beat-Taster für Sidechain-Kombinationen. Der obligatorische „Cue“ routet das Vorhörsignal auf den Kopfhörer, wahlweise auch für mehrere Kanäle gleichzeitig.

Die untere Mischpulthälfte dominieren vier sanfte 45 Millimeter lange Channelfader mit vorbildlichem Gleitverhalten und einem Zuweisungsschalter für den Crossfader (A, B, Through) - was auch für die Faderstart-Funktion von Bedeutung ist, die für jeden Bus separat mittels Buttonreihe auf Halblinks einzuschalten wäre. Für die Channelfader stehen drei unterschiedliche Blendcharakteristika mit linearem, kurvigem und steilem Anstieg zur Auswahl. Der Crossfader kennt drei Modi von allmählich bis schnell öffnend. Er ist Scratch-taugliche 40 Millimeter kurz und flutscht „leichtfüßig“ über die Leiterbahn. Turntablisten könnten jedoch eine freie Flankenanpassung mittels Drehregler vermissen. Bei den Fadercaps kommt Pioneers P-Lock System zum Einsatz, sodass es quasi unmöglich ist, die Kappe bei heftigeren Einsätzen versehentlich vom Fader zu rupfen oder sie unbemerkt in der Tasche verschwinden zu lassen. Das schafft Betriebssicherheit für die DJs und vor allem für die Betreiber.

Mikrofonkanal
Der DJM-850 kann auf zwei separate Mikrofoneingänge zurückgreifen. Am Backpanel sitzt die bereits erwähnte Klinkenbuchse MIC2. Auf der Mixer-Oberfläche steht MIC1 zur Verfügung und bindet XLR oder Klinkenmikros über eine Kombibuchse ins Geschehen ein. Beide Mikrofone teilen sich einen gemeinsam benutzten High/Low-EQ, verfügen jedoch über separate Lautstärkeregler und landen direkt auf dem Master. Die Potis in dieser Sektion fallen vergleichsweise klein aus, die Zwischenräume sind ziemlich eng, sodass ich beim Abstimmen von Klang und Pegel mit den Fingerspitzen zu Werke gehen muss. Doch aufgrund des integrierten Ein-/Ausschalters und der Talkover-Funktion reicht es in den meisten Fällen aus, die Regler einmal in Position zu fahren und einzuschalten, wenn es losgehen soll oder die Absenkung per Kippschalter herbeizurufen, wenn Ankündigungen anstehen. Moderationsfreudige Naturen dürfen zwischen einem normalen Betriebsmodus zur Pegeldämpfung (-24db, -18dB, -12dB, -6dB) des gesamten Mastersignals und einem erweiterten Mode wählen, der nur die mittleren (Stimm-) Frequenzen runterdrückt. Die Talkover-Funktion ist, was Schwellwert und Release angeht, praxistauglich eingestellt und kann mich überzeugen, wenngleich mir persönlich der „Normal-Mode“ für An- oder Durchsagen viel besser gefällt. Die Mikrofonvorverstärker arbeiten mit geringem Eingangsrauschen und klingen sehr natürlich. Sie sind zwar von den Color-FX ausgeschlossen, können aber von den Beat-FX Gebrauch machen, deren Angebot breit gefächert ist.

„Farbe“ bekennen
Zum Repertoire der Color-FX gehören Noise, Gate, Crush und Filter. Noise generiert ein weißes Rauschen, das durch das Kanalfilter geschleust wird. Der Gate-FX stellt ein klassisches Gate mit Frequenz-Limitierung dar. Crush ein Bitcrusher mit Hochpassfilter. Beim normalen Filterprogramm gegen den Uhrzeigersinn gedreht wird der Tiefpass aktiv, entgegengesetzt der Hochpass. Die Auslöser zeigen eine blaue Hintergrundbeleuchtung, was besonders in dunklen Umgebungen von Vorteil ist und beginnen zu blinken, wenn ein Effekt aktiviert wurde. Anders, als dem DJM-2000 ist seinem kleineren Bruder kein gesonderter Parameterregler zuteilgeworden. Gesteuert wird ausschließlich mit dem fetten Drehregler im Kanal selbst. Was sicherlich der einfachen Bedienbarkeit zugutekommt, den kreativen Freiraum jedoch etwas beschränkt. Ein simultaner Betrieb mehrerer Coloristen ist im Übrigen nicht vorgesehen, denn sie schließen einander aus. Auch hätte ich gern eine Status-LED daneben gesehen, die bei Stellungen außerhalb von null anspringt, denn das könnte manchen Sicherheitsgriff zum Poti in hektischeren Situationen obsolet machen. Einen positiven Eintrag ins Wertungsregister verbucht die neu hinzugekommene Beat-Funktion. Durch Drücken der Beat-Taste wird ein Sidechain-Effekt zugeschaltet, wobei der Audioeingang eines jeden Kanals analysiert wird und die Lautstärkeänderungen mit weiteren Parametern kombiniert werden: Für Filter und Crush die Resonanz, für Gate ein Beat Repeat und für den Noise-Effekt die Ducking-Lautstärke. Das bringt Leben in die Bude und klingt erstaunlich gut. Freunde subtilerer Eingriffe werden jedoch einen Dry-Wet-Regler vermissen. Nachfolgend einige Audiobeispiele dazu.

Verwandte Inhalte

Pioneer DJM-T1

Der Kooperationsgeist zwischen Native-Instruments und Pioneer ist nicht zu bremsen. Heute in der Redaktion: Der DJM-T1-Zweikanal-Mixer für Traktor Scratch 2.

Allen&Heath Xone:DB4

Mit seiner Quad FX Core DSP Engine markiert der Allen & Heath Xone:DB4 einen neuen CPU-Rekord für DJ-Mischer. Was hat dieses neue Flaggschiff so drauf...?

Numark NS6

MIDI-Controller mit Mischpultfunktion sind schwer angesagt. Ein heißer Kandidat auf den Thron in dieser Produktklasse ist der Numark NS6 mit Serato Itch.

Mixars MXR-4 Test

Mixars präsentiert mit dem MXR-4 einen Vierkanal-Clubmixer, der mit guter Ausstattung und einem günstigen Preis eine echte Alternative zu den bewährten Platzhirschen darstellen will. Gelingt dies?

User Kommentare